Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1922)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 25 - 26 (sequence 6)
- Language
- German
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25 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 26 Halbkreise „Unitae in regno Westphaliae" belehren, im Königreich Westfalen vereint sind. Rechts vom Judentum stehen wieder Altar und Gesetzes* tafeln, links vom Christentum Altar und Tafel mit dem Labarum*Monogramm (X P). Im unteren Abschnitt ist das Datum des Emanzipationsgesetzes verzeichnet. Leider war die westfälische Freiheit der Juden nur von kurzer Dauer. Der Sturz Napoleons machte auch dem Reiche seines Bruders Jeröme ein Ende, und den Juden wurden die Fesseln der Rechtlosigkeit wieder angelegt, die sie um so mehr schmerzten, als sie nunmehr wußten, was freies Menschentum bedeutete. Von Bestand dagegen war die Emanzipation im norditalienischen Piemont. An diese erinnert die Medaille Nr. 243; sie ist von den piemontesischen Juden dem Direktor der Kgl. Gemälde* galerie in Turin, Roberto de A z e g 1 i o , gewidmet, der 1847 für liberale Reformen und besonders für die E m a n z i p a t i o n der Juden literarisch eintrat. Seiner aufklärenden Tätigkeit ist es zu danken, daß König Karl Albert von Savoyen 1848 nach Einführung einer Verfassung den Juden des Königreichs Sardinien die Staatsbürgerrechte zugestand. Als Zeichen der Anerkennung überreichten darauf dem er folgreichen Schriftsteller, dem „Vorkämpfer der israelitischen Emanzipation seine Bewunderer, die subalpinen Israeliten", die genannte Medaille mit dem Brust* bilde des Gefeierten. Ihm galt die Ehrung, nicht, wie irrig angenommen wird, seinem Bruder, dem Staatsmanne Massimo, dem Ministerpräsidenten Viktor Emanuels II. Von geringerem historischem Werte als die zuletzt besprochenen Medaillen zur Emanzipations* geschiente sind die beiden hessischen H u 1 d i* gungsmedaillen. Die Darmstädter Juden prägten 1790 nicht nur eine solche für ihren neuen Landesfürsten Ludwig X. (Nr. 232), den nach* maligen Großherzog Ludwig L, sondern auch zu* gleich für dessen Gemahlin (Nr. 233). Wobei zu bemerken ist, daß die Medaille für die Landgräfin mit der LTmschrift: „Grüne stets mit neuer Kraft, dieses wünscht die Jüdenschaft" lediglich den Regierungsantritt des Gemahls zur Ursache hat, nicht die Geburt ihres Sohnes, des späteren Groß» herzogs Ludwig IL, wie die Kataloge verzeichnen. Ludwig IL wurde bereits 1777 geboren! Abb. 6. Zionistenmedaille auf die Rückkehr der Juden nach Palästina 1898 Berechtigter als diese Loyalitäts*Medaille ist die Nr. 242 der Maastrichter israelitischen Gemeinde für den holländischen König Wilhelm II. im Jahre 1841; denn dieser, der im Oktober 1840 zur Regierung kam, hatte schon als König Anlaß genommen, seine Toleranz zu bezeugen. Auf die Medaille setzten die Maast* richter das Bild ihrer am 21. August 1840 ein* geweihten Synagoge, wie sie ein gleiches zur Ehrung van Gigchs und seines Alterversorgungs* hauses im Haag taten (siehe oben Besprechung von Nr. 170). Die im Vorstehenden beschriebenen Medaillen haben alle das gemeinsam, daß sie von jüdischer Seite für Nichtjuden angefertigt wurden. Es ver* bleiben noch die wenigen historischen Stücke, die jüdi* sehen Führern und Ereignissen von mehr als lokaler Be* deutung gewidmet sind. Die Medaille, die Moses Montefiore 1864 bei seiner Rückkehr aus Marokko von belgischen Juden überreicht wurde, haben wir bereits oben kennen gelernt. Die Bedrück* ungen, denen damals die nord* afrikanischen Juden ausgesetzt waren, treten völlig in den Hintergrund gegenüber dem die ganze Judenheit aufrütteln* den Ereignis von D a m a s * k u s , wo 1840 die Juden be* schuldigt wurden, einen christ* liehen Geistlichen und seinen Diener ermordet zu haben, um das „für die Mazzot notwendige Blut" zu erhalten. Die Gefahr war um so größer, als einige der eingekerkerten Juden unter den Qualen der Folter sich selber des wahn* sinnigen Verbrechens beschuldigten. Es ist allgemein bekannt, daß damals Montefiore und Cremieux nach Ägypten reisten und bei dem ägyptischen Pascha Mehemed Ali in Alexandrien die Freilassung der unschuldigen Damascener Ge* fangenen durchsetzten, ja sogar vom Sultan Abdul Medschid in Konstantinopel einen Firman erlangten, durch welchen die Anklage vom Gebrauch des Christenbluts als Verleumdung zurückgewiesen und die Juden des türkischen Reichs in ihrem Kultus und ihren Rechten geschützt wurden. Bald nachdem Montefiore Ende Februar 1841 nach London zurückgekehrt war, ließen ihm die Hamburger Juden eine Adresse und eine goldene Medaille überreichen. Wie Louis Loewe in der Ausgabe der Montefioreschen Tagebücher erzählt, ist diese Medaille leider durch Diebe entwendet