Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1922)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 27 - 28 (sequence 7)
- Language
- German
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27 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 28 worden. Wir besitzen Exemplare in Silber und Bronze. Die Vorderseite hat die Wappen Monte? fiores und seiner Gattin, die ihn nach Ägypten begleitet hatte, darüber in Umschrift den hebräischen Psalmvers CXXII, 8, darunter die Jahreszahl 5601 (1841). Auf der Rückseite stehen die Worte: „Sir Moses Montefiore und Lady Montefiore nach ihrer Rückkunft aus Ägypten im Jahre 1841 gewidmet von ihren Glaubensgenossen in Hamburg". Medailleure waren Gebr. Nathan in Hamburg, dieselbe Firma, die 1846 die Medaille für Bernays prägte. Die ausgestellte Medaille in Gold Nr. 241 ist in Berlin von dem Medailleur Pfeuffer auf Kosten der Juwelierfirma Haller und Rathenau (letzterer war Jude) gleichfalls im Jahre 1841 hergestellt worden. JLoewe erwähnt sie nicht, möglicherweise ist sie gar nicht nach London ge? langt. Das Berliner Staatliche Münzkabinett be? sitzt ein Exemplar in Silber, wir haben außer dem goldenen noch ein solches in Zinn. Zum ersten Male, wenn wir von den bibli? sehen Bildern absehen, sehen wir nicht ein Einzel? porträt des Gefeierten, sondern diesen mit andern vereint in einem Szenenbilde. ,,Mos. Montefiore u. Ad. Cremieux in Damascus 1840 hin" heißt es im Abschnitt. Im Bilde darüber sehen wir einen Pascha in reichem orientalischen Gewände, der in einer Halle Montefiore (in Amtstracht eines Londoner Sherifs) und Cremieux (im Advokaten? talar) empfängt. Beide Besucher halten in ihren Händen Schreiben, die sie offenbar übergeben wollen, Cremieux in seiner Rechten, Montefiore in seiner Linken, während er die Rechte zur Be? grüßung hinreicht oder infolge seiner Rede ausge? streckt. Hinter dem Pascha steht ein Divan, neben diesem ein Diener oder Dolmetsch mit Turban. Die Rückseite trägt den Psalmvers CVII, 42—43: „Die Redlichen sehen es und freuen sich, und alle Bosheit schließt den Mund. Wer doch weise wäre, daß er dies merkte und daß sie einsähen die Huld des Ewigen!" Das Relief bild ist wohlgelungen. Schade nur, daß die Unterschrift falsch ist; denn die Szene spielte sich in Wirklichkeit nicht in Damaskus ab, sondern in Alexandrien. Nach Damaskus kam Montefiore erst 1849, Cremieux überhaupt nicht. Nicht an Sherif Pascha von Damaskus, sondern an Mehemed Ali von Ägypten übergaben die jüdischen Abgesandten ihre Gesuche. Genau genommen, taten sie es nicht in gemeinsamer Audienz. Montefiore wurde am 5. August, Cremieux am 6. August 1840 emp? fangen. Doch darüber wollen wir mit dem Künstler des Bildes nicht . rechten. Die gemeinsame Dar? Stellung ist künstlerische Freiheit. Übrigens be? suchten Montefiore und Cremieux bereits am 15. August zusammen den Pascha. Aber auch der Irrtum Damaskus für Alexandrien ist verzeihlich. Zählt sogar noch 1884 die englische4) Medaille für Montefiore (oben Sp. 203) Damaskus gleich nach Ägypten statt hinter Polen auf, als wenn Montefiore von Ägypten nach Syrien gegangen wäre! „In nummis veriras" (oben Sp.261) besteht eben nicht zu Recht. Elf Jahre nach dem Tode Montefiores veröffent? lichte Theodor Herzl seinen „Judenstaat". Statt den Juden in den verschiedenen Ländern in ihren Nöten wie Montefiore beizustehen und sie dort kulturell zu entwickeln, sah er das Hochziel jü? discher Hilfstätigkeit in der Herausführung der bedrängten Massen nach Palästina, in der Begrün? dung eines eigenen nationalen Staates. Die auf den zweiten Baseler Kongreß 1898 geprägte Medaille (Nr. 249—250) ruft der Judenheit die ver? heißenden Worte des Propheten Ezechiel XXXVII, 21 zu: „Siehe, ich nehme die Kinder Israels aus der Mitte der Völker.....und bringe sie in ihr Land!" (Abb. 6). Auf der Vorderseite der Medaille zeigt ein Genius den Wanderern das Land der Freiheit und eigenen Kultur, das Land der Väter: Erez Jisrael. Ein anderes Land der Freiheit, als es bisher Amerika war, wo die Juden 1905 das 250 jährige Jubiläum ihrer Niederlassung feierten. DieFrei? heit, in der man dort lebt, ist auf dem Bronzeguß? medaillon Nr. 251 durch die Worte gekennzeichnet: (D n«D3 pü ttssyöi pns nwn (0 m^ö nnvin „Die Freiheit ist die Geburtsstätte des Hirn? mels, Gerechtigkeit und Recht sind die Stütze ihres Thrones." Doch Freiheit allein erzeugt nicht den Himmel, selbst wenn sie, wie in Amerika, sich auf Gerechtigkeit und Recht aufbaut. Die rechte Frei? heit lehren uns die Tafeln des Sinaigesetzes! Mag man aber über Freiheit denken, wie man wolle, jeden? falls sollten offizielle Medaillen ein besseres Hebräisch aufweisen als die Barbarismen der obigen Inschrift. 4) Auch die belgische IMedaille aus dem Jahre 1864 notiert Damaskus 1840 zwischen Jerusalem und Rußland. Aber dort fehlt Ägypten, und Damaskus mag als charakteristische Angabe für den eigentlichen Zweck der ägyptischen Reise gelten.