Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Das Wasser im Bilderschmucke der alttestamentlichen Dichter und Propheten
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 65 - 66 (sequence 5)
- Language
- German
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65 Prof. Dr. Aug. Wünsche: Das Wasser im Bilderschmucke der alttestamentlichen Dichter und Propheten. 66 Jahreszeit versiegt ist und die ErwartuDg des Wanderers täuscht. Warum ist mein Schmerz dauernd geworden, meine Wunde bösartig, dasssienichtgeheiltwerdenkann? Ja, du bist für mich wie ein trügerischer Bach, wie Wasser, auf das man sich nicht verlassen kann. (Jes. 15, IS.) Wenn von Strömen im Alten Testamente die Rede ist, so schweben den Dichtern vorzugsweise die grossen Flüsse fremder Länder vor Augen. In der dichterischen Rede ist der wasserreiche, rasch dahinflutende Strom Bild des Glückes und Ueberflusses. So in der Mahnung an das Volk zur Umkehr beim zweiten Jesaia: So spricht Jahve, deinErlüser, der Heilige Israels: Ich bin Jahve, dein Gott, der dich lehrt, erspriesslich zu handeln, Der dich führt den Weg, den du wandeln sollst. Wenn du beachten wolltest meine Gebote, So würde werden dem Strome gleich dein Frieden Und deine Gerechtigkeit wie die Meereswogen. (Jes. 48, 17. IS.) Dasselbe Bild liegt einer Verheissung Jahves im dritten Jesaia zugrunde. Den aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Israeliten soll eine solche Fülle des Friedens zuteil werden, dass sie einem Strome gleicht. Denn so spricht Jahve: Siehe, ich neige ihr Frieden zu, einem Strome gleich, und einem überströmenden Bache gleich die Herrlichkeit der Völker, dass ihr euch säugen sollt. (Das. 66, 12.) Der aus seinen Ufern heraustretende und alles überflutende Strom deutet bei demselben Propheten auf das über das Volk hereinbrechende göttliche Strafgericht hin. Dann werden fürchten die vom Abend den Namen Jahves und die vom Sonnenaufgange seine Herrlichkeit, denn er kommt dem eingeengten Strome gleich, den der Wind emportreibt. (Das. 59, 19.) Nach einer anderen Seite symbolisiert der hochschäumende, über seine Ufer hinaustretende und alles überschwemmende Strom das Hereinbrechen gewaltiger Feinde. So die über Juda losbrechende -'ssyrische Weltmacht. Weil verachtet hat dieses Volk die Wasser Siloahs, die sanft gehenden, L'nd tastet nach Rezin und den Sohn Remaljahus, :< 'arum siehe, bringt der Herr herauf über sie die Wasser des Stroms, die starken und grossen, uen König von Assur und seine ganze Macht, i-nd er steigt herauf über alle seine Flussbetten, tiad geht über alle seine Uferränder, und er dringt in Juda ein, t^eberflutet und tritt über; bis zum Halse reichen sie. (Jos. 8, 6-8.) j Sabatai mSefot^tfJüJtliföostitl Sc£j(o|? ^fhrdamien 3ö fcfyw(>($er3tffcy:c3ö$fot3ii$in tn kn&ttitn, ]tm ^ttod? JÖnnen Jtf mit&tv&acßf vottipttiireftm, l)€rtt^^flc^ö^6et^^ ifti^ er^ifi^i^ 2>it fefftt, mbfemtocf) mcföfonUnnrmo$znfyät* Abbildung V. (Zum Artikel „Zabbatai Z'wi.J In einem Ausspruche gegen Philistäa schaut Jeremia, wie der Feind das Land wie ein mächtiger Strom überflutet und alle Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. So spricht Jahve: Siehe, Wasser steigen empor vom Norden her und sie wandern zu einem flutenden Bache, Und sie überfluten das Land und was es füllt, die Städte, und die darin wohnen, Dass die Menschen laut aufschreien und heulen alle Bewohner des Landes. (Jer. 47, 2.) An dem im Frühjahr wild daherbrausenden und das Land überschwemmenden Nilstrom kennzeichnet Jeremia die in Juda einbrechende und alles verwüstende ägyptische Weltmacht. Wer ist der, welcher gleich dem Nile heraufzieht? Gleich Strömen wogen seine Wasser daher. Aegypten zieht herauf gleich dem Nilstrom und Strömengleich wogten die Wasser. Und er sprach: Ich werde heraufziehen, werde bedecken das Land, zugrunde richten die Städte, und die in ihr wohnen. (Jer. 46, 7. 8.) Jesaia wird der austretende Nil Sinnbild seiner ungebundenen Bewegung.