Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Das Wasser im Bilderschmucke der alttestamentlichen Dichter und Propheten
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 63 - 64 (sequence 4)
- Language
- German
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63 Prof. Dr. Aug. Wünsche: Das Wasser im Bilderschmucke der alttestamentlichen Dichter und Propheten. 64 Jprtjfen ün§ ¥>ü\U UrJu^it^xtScdamcK^ *^urn, pvuppcjmu\> aiwiervcr^ttven-JM^ rvvg wrvm gutommn- 'm$&$&tic$,k$ Sa&atai wrfjetft veriict ant iüftiiffiitf ^x^ik\x^{m^rt^[t (Zu Abbildung IV. l Artikel ,,Zabba.tai Z'wi.) Regengüssen gespeist. Bekannt sind die Teiche Jerusalems, aber auch. Samarien, Hebron und Hesbon hatten Teiche. In einem Hochzeitsliede werden die Augen der Braut in ihrem tieffeuchten Glänze Teiche Hesbons genannt. Deine Augen sind Teiche Hesbons am Tore Bathrabbim. (Hohesl. 7, 4.) Auch an Bächen hatte Palästina keinen Mangel sowohl diesseits wie jenseits des Jordans. Da dieselben ihren Wasservorrat meist von Regen und Schnee erhielten, so kam es oft vor, dass sie während der heissen Jahreszeit vollständig vertrockneten, weshalb sie trügerisch heissen (Jer. 15, 18). Doch es gab auch nie versiegende Bäche, die im Gegensatz zu jenen zuverlässig genannt werden. Durch anhaltende Regengüsse richteten die Bäche oft grossen Schaden an. Sie schwollen in kurzer Zeit mächtig an, traten über ihre Ufer und schwemmten das Erdreich mit seiner blühenden Vegetation fort. Ueber ganze Ortschaften ergossen sich die schäumenden Fluten, unterspülten die menschlichen Wohnungen, so dass sie zusammenstürzten. Menschen und Tiere gerieten durch die austretenden Bäche in grosse Gefahr und kamen nicht selten ums Leben. Dichter und Propheten wählen solche Bäche oft der Anschaulichkeit wegen zum Vergleiche. Der schäumende und überflutende Bach stellt die Vernichtung dar. In dieser Hinsicht vergleicht Jesaia Jahves Zornschnauben gegen Juda mit einem schäumenden Bach. Und sein Hauch ist wie ein überschäumender Bach, der bis zum Halse reicht, Um zu schwingen Völker in der Schwinge der Nichtigkeit Und ein irreleitender Zaum kommt an die Wangen der Nationen. (Jes. 30, 28.) Flutende Bäche veranschaulichen aber auch grosse Trauer und tiefen Schmerz. So in den Klageliedern: Wasserbäche eigiesst mein Auge, ob des Bruches der Tochter meines Volkes. (Klagel. 3, 48.) Oder: Lass herniederfliessen gleich dem Bache die Träne,. Bei Tage und bei Nacht gönne dir keine Ruhe, Nicht schweige dein Augapfel. (Das. 2, 18.) Ein Sänger bricht, in tiefer Trauer über des Volkes Vernachlässigung des göttlichen Gesetzes in die Worte aus: Wasserbäche strömen nieder meine Augen, Weil sie nicht beobachten deine Lehre. (Ps. 119, 136.) Einen eigentümlichen Vergleich haben wir in einem Weisheitsspruche. Da wird die Lenkung des Herzens eines Königs, durch Jahve mit Wasserbächen verglichen,, die durch die Lage und Neigung ihres Bettes ihre Richtung erlangen. Wie Wasserbäche ist das Herz des Königs in Jahves Hand,. Wohin er nur will, leitet er es. (Spr. 21, 1.) Intermittierende Bäche, die zur Zeit der Dürre versiegen, symbolisieren treulose Freundschaft, auf die man sich nicht verlassen kann. Daher die schmerzliche Klage Hiobs: Meine Freunde haben sich treulos gezeigt wie ein Bach, Wie das Bett von Giessbächen, die dahinschwinden; Sie sind trübe von Eis, In sie verbirgt sich der Schnee; Zur Zeit, wo sie die Glut trifft, vergehen sie, In der Hitze sind sie weggelöscht von ihrem Ort. Es lenken Karawanen von ihrem Wege ab, Ziehen hinauf in die Oede und kommen um. Es schauten aus die Karawanen Themans, Die Reisezüge Sabas harrten auf sie; Sie wurden zuschanden, dass sie ihr Vertrauen auf sie gesetzt,. Da sie hinkamen, wurden sie enttäuscht. (Hi. 6, 15-20.) In seiner Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung kommt dem Propheten Jeremia Jahve selbst wie ein trügerischer Regenbach vor, der in der trockenen