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Ost und West · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. Seite 61 - 62

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
Das Wasser im Bilderschmucke der alttestamentlichen Dichter und Propheten
Date
1905-01-01
Page
Seite 61 - 62 (sequence 3)
Language
German
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61 Prof. Dr. Aug. Wunsche: Das Wasser im Bilderschmucke der alltestamentlichen Dichter und Propheten. 62 Das Rauschen des Wassers ist Hiob Symbol lauter Klage und heftigen Stöhnens. Denn vor meinem Brote kommt mein Seufzen, Und es strömen gleich dem Wasser meine Klagen. (Hi. 3, 24.) Wegen seiner reinigenden Kraft dient das Wasser als Bild sittlicher Läuterung. Unter diesem Gesichtspunkte veranschaulicht Ezechiel den künftigen sittlichen Läuterungsprozess am israelitischen Volke. Und ich werde euch nehmen aus den Völkern, Und euch sammeln aus allen Ländern. Und ich werde euch bringen in euer Land. Und ich. werde auf euch sprengen reines Wasser, Dass ihr rein werdet von allen euren Unreinigkeiten, TJnd von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. (Ezech. 36, 24. 25.) Wir haben in dieser Stelle sicher eine Anspielung auf die symbolische Handlung der Besprengung mit dem Reinigungswasser, wie sie 4. Mose 19 geschildert wird.*) Kaltes, frisches Wasser ist für den Durstigen Erquickung und Labung. Dies gibt dem Spruchdichter Anlass, die Wirkung einer guten Botschaft aus der Ferne zu kennzeichnen. Wie kaltes Wasser für eine lechzende Seele, So gute Nachricht aus fernem Lande. (Spr. 25, 25 vergl. 15, 30.) Entfesseltes Wasser, das nicht zurückgehalten werden kann, veranschaulicht die Leidenschaft der Streitsucht. Wie einer, der Wasser entfesselt, ist der Anfang der Streitsucht. (Spr. 17, 4.) Vom Wasser als solchem wenden wir uns zu den verschiedenen Wasserbehältern und Wassersammlungen. Ein grosser Vorzug Palästinas vor anderen Ländern bestand in dem Reichtum an Quellen. In patriotischer Begeisterung wird darauf zu verschiedenen Malen hingewiesen (5. Mo?e 8, 7: 11, 10.11). In sinniger Weise hat man d:e Quelle „Auge" ('ajin) genannt. In der Tat ist sie für die Landschalt dasselbe, was das Auge für das menschliche Antlitz ist. Sie verleiht ihr Frische und Leben. Wo eine Quelle ist, da sprosseü Gras und Blumen in üppiger Fülle und die Bäume prangen im grünen Laubschmuck. Dem Dichter ist die Quelle Symbol des lebendigen Gottes. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, In deinem Lichte sehen wir Licht. (Ps. 36, 10.) Jahve nennt sich selbst den Quell lebendigen Wassers. Entsetzt euch, Himmel darob und schaudert, erstarret sehr! ist der Spruch Jahres. Wahrlich zwiefach Böses hat mein Volk getan. Mich haben sie verlassen, den Quell lebendigen Wassers, um sich zu hauen Brunnen über Brunnen, brüchige, die das Wasser nicht halten. (Jerem. 2, 12. 13.) *) Auch in den.griechischen Mysterien galt das Wasser als Symbol innerer Reinigung. Jahve will sagen: Sie haben sich von mir abgewendet, obgleich ich allein sie der politischen Bedrängnis entreissen konnte. Die aus eigener Machtvollkommenheit geschaffenen Hilfsquellen nützen ihm nichts. Dieselbe Metapher finden wir später im Munde des Propheten, als er Juda das göttliche Strafgericht ankündigt. Verlassen haben sie die Quelle lebendigen Wassers. (Das. 17, 13.) In einem Trostspruche über Jerusalems Errettung eröffnet ein unbekannter Verfasser bei Sacharja dem neuen Israel die Aussicht: An jenem Tage wird eine Quelle aufgetan dem Hause Davids und den Bewohnern Jerusalems in bezug auf Sünde und auf Unreinheit. (Sach. 13, 1.) Als Vergleich versinnbildlicht die Quelle allenthalben Erfrischung, Stärkung und Belebung. So beim zweiten Jesaia. Und leiten wird dich Jahve immerdar, und sättigen in Dürrnissen deine Seele und deine Gebeine erfrischen. Und du wirst sein gleich einem wohlbewässcrtcn Garten und gleich einem sprudelnden Quell, dessen Wasser nicht täuschen. (Jes. 58, 11.) Als eine Leben und Erfrischung spendende Quelle erscheint in der Spruchweisheit die Lehre des Weisen. Die Lehre des Weisen ist eine Quelle des Lebens, Zu meiden die Fallstricke des Todes. (Spr. 13, 14.) Ferner das gerechte Urteil und die Klugheit des Weisen. Eine Quelle des Lebens ist der Mund des Gerechten, Aber der Frevler Mund bringt Unheil. (Das. 10, 11.) Eine Quelle des Lebens ist die Klugheit für ihren Besitzer, Aber Züchtigung der Narren ist Narrheit. (Das. 16, 22.) Weiter die Furcht Jahves. Die Furcht Jahves ist eine Quelle des Lebens, Zu meiden die Fallstricke des Todes. (Das. 14, 27.) Endlich die rechtmässige Gemahlin. Trinke Wasser aus deiner Grube Und Sprudelndes aus deinem Brunnen, So werden überfliessen deine Quellen auf die Gasse, Auf die Strassen Wasserbäche, (Das. 5, 15.) Der Sinn der Stelle ist: Bleibe deinem Weibe treu, so wird dein Hausstand in jeder Beziehung gesegnet sein. Ein anderer Spruch lautet: Es sei deine Quelle gesegnet. Und freue dich über das Weib deiner Jugend. (Das. 5, IS.) Wie die sprudelnden Quellen, beleben auch die Teiche die Landschaft. In Palästina gab es viele Teiche. Sie wurden vorzugsweise von Quellen und

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