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Ost und West · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. Seite 59 - 60

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
Das Wasser im Bilderschmucke der alttestamentlichen Dichter und Propheten
Date
1905-01-01
Page
Seite 59 - 60 (sequence 2)
Language
German
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59 Prof. Dr. Aug. Wünsche: Das Wassser im Bildersckmucke der alttestamentlichen Dichter und Propheten. 60 Die Elenden und Armen suchen Wasser und es gibt keins, Ihre Zunge verschmachtet im Durst, Ich, Jahve, will sie erhören, Ich, der Gott Israels, will sie nicht verlassen. Ich will öffnen auf Höhen Ströme Und mitten in Tälern Quellen, Ich will die Wüste zu Wasserteichen machen Und das dürre Land zu Wasserquellen. Ich will geben in die Wüsle Zedern, Akazien. Myrten, Oelbäume will ich setzen in die Steppe, Zypressen, Taxus, Buchsbaum zumal usw. (Jes. 41, 17—19, veigl. Ps. 107, 33-35.) Hingegen Wasserkatastrophen erscheinen wiederholt als Sinnbilder schwerer Leiden und Bedrängnisse. In einem Hymnus der Gottessehnsucht klagt ein Sänger: Die Tiefe ruft der Tiefe zu beim Rauschen deiner Wassergüsse: Alle deine Wogen und deine Wellen sind über mich gegangen! (Ps. 42, 8.) Dieselbe Klage tritt uns im Davidsliede entgegen: Denn es umfingen mich die Wogen des Todes, Die Ströme Belials versetzten mich in Schrecken. Er sandte herab aus der Höhe und ergriff mich, Und zog mich aus grossen Wassern. (2. Sara. 22, 5. 17, vergl. Ps. 18, 5. 17.) In der Schlussrede an seine Gegner sagt Hiob in bczug auf den Frevler: Es erfassen ihn, den Wassern gleich, Schrecken. (Hi. 27, 20.) . ., Ein Sänger bittet: Errette mich aus grossen Wassern! (Ps. 144, 7.) In einem Lobliede für Errettung rühmt ein Sänger: Wäre nicht Jahve für uns gewesen ... So hätten uns die Wasser überströmt, Ein Bach wäre dahingegangen über unser Leben, Es wären dahingegangen über unser Leben die schäumenden Wasser. (Ps. 124, 2. 4 5.) Ein Sänger wird in einem Klagegebete von den Feinden wie vom Wasser bediängt. Sie umgeben mich gleich Wassern den ganzen'Tag, Sie umzingeln mich zumal. (Ps. 88, 18.) Hereinbrechende, nach allen Seiten sich hinwälzende "Wasser versinnbildlichen fliehende Feinde. Als David die Philister geschlagen hatte, rief er aus: Jahve hat durchbrochen vor mir her meine Feinde wie bei einem Wasserdurchbruch. (2. Sam. 5, 20) Hefiig flutende Wasser versinnbildlichen aber auch geistige Vorgänge im Menschen. So die aus wahrer Herzensneigung hervorbrechende Liebe. Viele Wasser vermögen nicht auszulöschen die Liebe, Und Ströme können sie nicht überfluten. (Hohesl. 8, 7.) Ausgegossenes Wasser, das zerrinnt und von der Erde aufgesogen wird, ist das Bild des durch den Tod spur- und hoffnungslosen Dahinschwindens. Um den König David zur Zurückberufung seines Sohnes Absalom zu bewegen, spricht vor ihm das kluge Weib aus Thekoa: Fürwahr sterben müssen wir und gleich den Wassern sind wir, Die auf die Erde gegossen werden, die nicht wieder eingesammelt werden. (2. Sam. 14, 14.) Die versiegenden Wasser, die nicht wieder zu ihrem Ursprünge zurückkehren, verwendet Hiob als Bild, um dadurch das Nichtwiedererwachen der Toten zum Leben zu verdeutlichen. Wie vergehen die Wasser aus dem Meer, Und der Strom versiegt und vertrocknet, So legt der Mensch sich hin und steht nicht wieder auf. (Hi. 14, 11. 12.) Ausgeschüttetes Wasser dient aber auch zur Versinnbildlichung der Mutlosigkeit und Verzagtheit. So heisst es von den Israeliten bei ihrer Niederlage von Ai: Da zerfloss das Herz des Volkes und wurde zu Wasser. (Jos. 7, 5.) Ein schwer Bedrängter klagt: Gleich Wassern bin ich hingegossen, Und es vereinzeln sich alle meine Gebeine. (Ps. 22, 15.) Nach einer anderen Hinsicht vergleicht ein Sänger die Menge des vergossenen Blutes bei der Verwüstung Jerusalems durch die Feinde mit hingeschüttetem Wasser: Sie vergossen ihr Blut gleich Wasser rings um Jerusalem her, Und niemand war da, der begrub. (Ps. 73, 3.) Wie sprudelndes Wasser und ein immer üiessender Bach soll die göttliche Strafgerechtigkeit über das Zehnstämmereich daherfluten. Und daherwälzen soll sich gleich Wasser das Gericht Und Gerechtigkeit wie ein versiegender Bach. (Am. 5, 24.) Um die Fülle des göttlichen Zornes über die,, welche die Grenzsteine verrücken, zu veranschaulichen^ wählt Hosea das Bild des Wassers. Ich werde über sie ausgiessen gleich Wasser meinen Grimm. (Hos. 5, 10.) Hierher gehört auch das Wort eines Sängers: Deine Gerichte sind wie die grosse Flut. (Ps. 36, 7.) Unrecht häufen wird mit Wassertrinken verglichen. So sagt Eliphas in seiner zweiten Rede: Siehe, selbst seinen Heiligen traut er nicht, Und die Himmel sind nicht rein in seinen Augen, Geschweige denn Verderbte und Abscheuliche, Der Mann, der gleich Wasser Unrecht trinkt. (Hi. 15, 15. 16.) Elihu vergleicht in seiner zweiten Rede die von Hiob ausgestossenen Schmäh- und Lästerreden mit Wassertrinken. Wer ist ein Mann gleich Hiob, Der Hohn trinkt gleich Wasser. (Hi. 34, 7.)

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