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Ost und West · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. Seite 13 - 14

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
Philosophie der Zerstreuung
Date
1905-01-01
Page
Seite 13 - 14 (sequence 4)
Language
German
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13 A. Bencsja: Philosophie der Zerstreuung. 14 L ESSER üRY. Heimkehr vom Felde. (Besitzer: Dr. Julius .Elias, OELGEM. (1SS5). sie wenden sich in grossen Massen nach dem Westen; aber überall, wohin sie kämen, brächten sie die „jüdische Frage" mit; das sei eine Gefahr; die Länder des Westens könnten ihrer so viele nicht vertragen. . . . Darum möge man sie nach dem Orient schaffen. . . . Etwas offenherziger und unverblümter würde das ein Antisemit etwa folgendermassen ausgedrückt haben: „Die Juden sind Parasiten; sie schaffen keine selbständigen wirtschaftlichen Werte, sie nähren sich vom Fett der anderen; kein Land kann ihrer über eine bestimmte Zahl hinaus vertragen; man muss sie also anderweitig unterbringen." Indem wir die Zerstreuung und Zerbröckelung des jüdischen Volkes als einziges Heilmittel gegen dessen wirtschaftliche Not anpreisen, folgen wir unbewusst der Suggestion von antisemitischer Seite. Es ist, als ob wir uns die gegnerische Anschauung über uns angeeignet hätten und nach ihr handelten. Und das Ziel, dem wir zustreben, ist derart beschaffen, dass unsere schlimmsten Feinde es nicht anders wünschen könnten: die Schwächung und Lähmung unseres Volkes bis zur endlichen Vernichtung. Je dünner die Schicht ist, in der wir über einen weiten Raum hingestreut sind, desto lockerer muss das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit unter den Individuen, desto loser die Bande werden, die die einzelnen zu einer Gemeinschaft vereinen. Kleine Gruppen, irgendwohin nach dem Osten wenden. Freilich darf man nicht danach streben, Juden im Osten zu konzentrieren oder gar ihnen zur Gründung eines Gemeinwesens zu verhelfen. Behüte! Das sind ja die Bestrebungen des verhassten und übelbeleumdeten Zionismus. Gleichviel. Nach dein Osten sollen sie sich wenden, übrigens wohin sie wollen, wir wollen das Geld gerne hergeben, wenn sie nur nicht zu uns kommen. Wir sind selber unser schon genug. Als vor etwa drei Jahren die Judenverfolgungen in Rumänien Anlass zu Massnahmen boten, schlug in einer Berliner Versammlung ein vielbekannter Herr vor, man möchte die nach Amerika fliehenden Juden zu Schiff über das Mittelmeer nach dem Ziel ihrer Wanderung schaffen, damit sie nur nicht über Deutschland reisen, wo mancher haften bleiben könnte. Immer nur weit, weit weg! Und erst vor kurzf.m konstituierte sich in einer mitteleuropäischen Metropole ein Verein, der sich die Aufgabe gestellt hat, gleichsam als Karikatur des Zionismus, die notleidenden Juden von Osteuropa nach den Ländern des Orients zu transportieren, um sie dort möglichst weit und breit hinzusäen. Die Schamröte musste einem ins Gesicht steigen beim Lesen des Schriftstückes, in welchem die Motive dieser neuen Vereinsgründung vor der Oeffentlichkeit auseinandergesetzt wurden. .... Die Lage der Juden sei da und dort unhaltbar; TJRY. OELGEM. (1834). Die Geschwister. (Besitzer: Dr. Julius Elias, Berlin.)

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