Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Aus dem Leben des Prof. Dr. H. Graetz
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 761 - 762 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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761 Prof. L. Graetz: Aus dem Leben des Prof. H. Graetz. 762 Dr. Abraham Frank Rabbiner in Köln geb. 1839, im Seminar 1850-66. Dr. Moritz Salzberger Rabbiner in Erfurt, geb. 1846, im Seminar 1868-74. der Mangel an Scharfsinn bei den Mitspielern, die ihn zum Tadel veranlassten. Ausser dem Kartenspiel liebte er auch hie und da das Schachspiel, ohne es jedoch darin zu besonderen Leistungen zu bringen. Meine Mutter, mit der er dann gewöhnlich spielte, war ihm in dieser Kunst überlegen. Das Theater besuchte er zuweilen, wenn klassische Stücke gegeben wurden. Shakespeares Werke kannte er fast auswendig und sah wiederholt Aufführungen von ihnen, ebenso von Goetheschen "Werken. Die Kunst der Klara Ziegler bewunderte er lebhaft und versäumte es nie, wenn sie auf ihren Gastspielen nach Breslau kam, sie zu sehen. Mit uns Kindern las er jeden Freitag Abend Schillersche und Goethesche Dramen mit verteilten Rollen. Die Gesundheit meines Vaters war eigentlich während seines ganzen Lebens eine gute, insofern als er wirkliche Krankheiten kaum gehabt hat. Er war körperlich rüstig, und es bereitete ihm noch, als er schon sechzig Jahre überschritten hatte, keine Mühe, in Karlsbad ansteigende Wege rasch hinauf zu laufen oder stundenlange Spaziergänge zu machen. Doch fühlte er sich subjektiv, eben durch das schlechte Funktionieren des Magens, häufig unwohl, und in der Tat litt er dadurch an grosser Schlaflosigkeit. Gegen diese Beschwerden benutzte er zuerst im Sommer mehrfach die Kur in Kissingen, später aber wurde ihm von dem Arzt Karlsbad empfohlen, und nun ging er Jahr für Jahr, sobald die Ferien begannen, im August dorthin. Meiner Erinnerung nach war er mehr als zwanzig Jahre Karlsbader Kurgast gewesen. Dort fühlte er sich stets sehr wohl. Abgesehen davon, dass seine Beschwerden wesentlich abnahmen und zum Schluss ganz verschwunden waren, fand er in Karlsbad auch immer angenehme Gesellschaft, in der er besonders angeregt wurde. Namentlich in den späteren Jahren versammelte sich um ihn und um meine Mutter, die ihn fast stets nach Karlsbad begleitete, ein grosser Kreis von Herren und Damen, die alle unter dem Bann seines Geistes und seiner bestrickenden Liebenswürdig- Dr. Carl Koch Rabbiner in Gothenburg (Schweden), geb. 1878, im Seminar 1888—92. keit standen. Seine allmählich immer weiter ausgebreitete Berühmtheit machte ihn in Karlsbad zu einer markanten Persönlichkeit. Ich erinnere mich selbst eines Falles, als , ich meine Eltern einmal in Karlsbad besuchte. Wir waren in einem grossen Kreis in dem bekannten „Posthof", als ein einfacher, ländlich gekleideter Mann (in der Tat ein Landmann aus der Gegend von Eger) herankam und jemanden zu suchen schien. Als ich ihn nach seinem Begehren fragte, sagte er, er habe gehört, in der Gesellschaft sei ein sehr berühmter Professor und den möchte er einmal sehen. Solche Zeichen der Popularität machten meinem Vater stets viel Vergnügen. Am deutlichsten wurde ihm seine Berühmtheit \ ins Bewusstein gebracht, als er 1886 in England war. Dort wurde er in wahrhaft glänzender Weise von allen Kreisen gefeiert, und die Erinnerung daran erfrischte ihn, so oft er an sie dachte. Seine geistige Regsamkeit und seine Arbeitskraft Hessen Dr. Joseph Eschelbacher Rabbiner in Berlin, geb. 1848, im Seminar'18G8—77. Dr Heinemann Vogelstein Rabbiner in Stettin, geb. 1841, im Seminar 1859—68. Dr. Heinrich Gross Rabbiner in Augsburg, geb. 18 J5, im Semirar 18^9—66. Dr. Moritz Peritz Rabbiner in Liegnitz, geb. 1858, im Seminar 1877—84.