Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Aus dem Leben des Prof. Dr. H. Graetz
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 759 - 760 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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759 Prof. L. Graetz: Aus dem Leben des Prof. H. Graetz. 760 Dr. Samuel Hirsch Margulies Oberrabbiner und Direktor des Collegio rabbinico in Florenz, geb. 1858, im Seminar 1881—80. K#*m*A M Dr. Selig Gronemann Landrabbiner in Hannover, geb. 184:}, im Seminar 1865—71. Dr. Moritz Beck Rabbiner in Bukarest, geb. 18+1, im Seminar 18Gö—7 Dr. Nathan Forges Rabbiner in Leipzig, geb. 184(5, im Seminar 1805—74. Dr. Alexander Stein Rabbiner in Worms geb. 1843, im Seminar 1862-67. bis er von selbst aus dieser Vertiefung sich losmachte. Es konnte das manchmal eine Stunde oder noch länger dauern, so dass die Familie ohne ihn speisen musste. Eine kulinarische Schwierigkeit trat dadurch allerdings selten ein; denn er halte sich ein ganz frugales Abendbrot zum Prinzip gemacht. Sein Magen war durch die Entbehrungen, die er in der Jugend durchgemacht hatte, geschwächt, und er nahm infolgedessen absichtlich, um einen möglichst ungestörten Schlaf zu haben, des Abends nur ganz wenig und leichte Nahrung zu sich. Meistens beschränkte er sich auf ein Glas Wein und ein Weissbrot. Ein Glas guten Bordeauxweines am Abend war ihm ein Genuss und ein Bedürfnis. Und als einer seiner Verehrer, der Besitzer von grossen Weinbergen bei Bordeaux, von dieser seiner Vorliebe für diesen Wein hörte und ihm von Zeit zu Zeit eine Kiste echten alten Bordeauxweines, der im Handel in dieser Güte gar nicht zu haben war, Wä mmw W JL Dr. Theodor Kroner Rabbiner und Kirchenrat in Stuttgart, geb. 1845, im Seminar 1861-68. Dr. Meyer Appel Rabbiner in Karlsruhe, geb. 1852, im Seminar 1870—78. sandte, da sagte er oft, dass er fühle, wie dieser gute Wein sein Leben verlängere. Als später diese freundschaftlichen Sendungen ausblieben — ich glaube durch den Tod des liebenswürdigen Spenders — setzte meine Mutter alle Mühe daran, um einen ebenso guten, ihm ebenso sympathischen Wein käuflich zu erlangen, aber es gelang ihr nicht zu voller Befriedigung. Unterdes hatten sich aber glücklicherweise mit den fortschreitenden Jahren die Beschwerden nicht akzentuiert, sondern sie waren im Gegenteil viel geringer geworden. An den Abenden endlich liebte es mein Vater sehr, Gäste um sich zu sehen. Mit alten Jugendfreunden und deren Familien, auch mit neuen Freunden einige Stunden zu plaudern, war ihm eine angenehme Erholung. Insbesondere liebte er die Jugend, und mit freundlichen Neckereien, aus denen das herzliche Interesse immer hervorleuchtete, verstand er es, aus jedem das Beste herauszulocken, was in ihm war. Diese seine liebenswürdige Heiterkeit und Freude an harmlosen Neckereien erwarb ihm auch die Liebe und Verehrung aller die ihn kannten, und insbesondere hatten die Frauen und Mädchen für ihn bis in sein Greisena'ter stets laute und bewundernde Sympathiebezeigungen. Als er gestorben war, kamen nicht nur von vielen Männern, sondern insbesondere auch von vielen Frauen, die er auf seinen Reisen und namentlich in Karlsbad kennen gelernt hatte, Bitten an mich, ihnen ein Bild oder einen Brief von ihm als Andenken zu senden. Zwei mal in jeder Woche kam er mit Freunden abends zum Kartenspiel zusammen, einmal zu Hause und einmal bei einem der Freunde. Hierbei war er allerdings weniger gemütlich. Einen Fehler beim Spielen tadelte er laut und nicht ohne Schärfe und vertrug dabei keinen Widerspruch. Ueber schlechtes Spielen konnte er sich wirklich ärgern, und es drängte ihn, nach jedem Spiel die Möglichkeiten zu diskutieren, durch die es hätte eine andere Wendung nehmen können. Da das Spiel immer nur um die kleinsten Beträge ging, so war es nur die verletzte Logik oder