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Ost und West · 1904-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1904) · p. Seite 615 - 616

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1904)
Article
Palästina
Date
1904-08-01
Page
Seite 615 - 616 (sequence 3)
Language
German
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<>\:> Dr. Theodor Herzl: Palästina. 616 Von der Palästinareise der zionistischen Delegation. Mächtig war der Eindruck von Jerusalem. Noch in ihrem heutigen Verfall sieht man die Spuren einstiger Schönheit. Und diese Stadt vieler Hügel, in manchem an Rom erinnernd, könnte wieder eine prachtvolle "Weltstadt werden. Man sieht ordentlich das künftige Stadtbild vor sich, wenn man vom Oelberg hinunterblickt. Die ganze alte herrliche Stadt müsste vom Tagesverkehr gereinigt werden. Alle diese unsauberen, lärmenden Händler müssten hinaus aus den für alle Bekenntnisse ehrwürdigen Mauern. Arbeiterwohnungen, billige Häuser wären im weiteren Umkreise der Stadt anzulegen. Die Märkte müssten aus der alten Stadt hinaus nach passenden Punkten wegverlegt werden. Die so gereinigte alte Stadt verbliebe dann für die wohltätigen und frommen Anstalten aller Konfessionen, die ja die Teilung dieses Gebietes untereinander gütlich vornehmen könnten. Die ganze alte Stadt könnte allmählich im bisherigen Stil, aber «unter gesunden Bedingungen rekonstruiert werden, und sie wäre wie ein einziges Juwel, das sich dann mit dem Reichtum einer modernen und eleganten Stadt einfassen liesse. Wäre ein solcher Zustand nicht würdiger der Empfindungen, nicht dienlicher lür die Bedürfnisse aller Menschen, die an Jerusalem hängen? All das wird einem an Ort und Stelle sonnenklar, wie in einem Anschauungsunterricht im Freilichte. Und unsere Sache ist von solcher Art, dass wir sie geradeheraus mit allen Interessenten, mit einem nach dem anderen aufrichtig erörtern können. Wer hat gegen die Vermehrung der Kultur gerade auf diesem Boden etwas Ernstes ein zuwenden? Am allerwenigsten wohldie Türkei, wenn allen legitimen Bedenken, wie es unser stets erklärter Wunsch ist, nach jeder Richtung Rechnung getragen wird. Für die Türkei bedeutet die Ausführung des zionistischen Planes ganz zwei feilos eine Vermehrung ihrer Macht und Wohlfahrt. Manches in der Art, wie die Kolonisation früher betrieben wurde, war geeignet, das Misstrauen und Uebelwollen der türkischen Regierung hervorzurufen. Aber wir haben immer gesagt und wiederholen es jetzt nachdrücklicher als je, dass wir eine Infiltration kleiner Menschengruppen perhorreszieren. Niemand hat das Recht, diese Leute einem ungewissen Schicksal preiszugeben. Nur nach förmlichen Verträgen mit der türkischen Regierung hat das Kolonisieren Aussicht auf ein rechtliches Gedeihen. Der Türkei können von dem jüdischen Volke solche Vorteile geboten werden, dass das Zustandebringen dieser Abmachung nur eine Frage der Zeit ist. Aber selbst wenn die türkische Regierung die allmähliche Einwanderung kleiner Gruppen, ohne förmliches Uebereinkommen gern sähe, müssten wir uns ganz entschieden gegen solche Experimente aussprechen. Wir können nach gewonnener Einsicht in die Sachlage nach unserem besten Wissen und Gewissen nur sagen, dass die Kolonisation im Kleinen unverantwortlich grosse Menschenopfer erfordern würde. Die vereinsamten Kolonisten, die sich ihr Terrain selbst suchen, sind verhältnismässig noch besser daran, als die Gruppen, die auf ein für sie erworbenes, nicht immer gesundes Gebiet geworfen werden. Dass jedes Stück Land entsumpft und urbar gemacht werden kann, ist nur den Unwissendsten nicht bekannt. Aber die Genesung des Bodens kann nur im Zusammenhange grosser, allgemeiner Arbeiten gelingen. Und für solche Arbeiten Bei den Gänsehirten. Von der Palästinareise der zionistischen Delegation. In einer j üd. Kolonistenschule.

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