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Ost und West · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 485 - 486

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Eliah, der Prophet
Date
1904-07-01
Page
Seite 485 - 486 (sequence 6)
Language
German
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485 Bar-Ami: Eliah, der Prophet. 486 NAUM ARONSON. BÜSTE (Gyps). Ware gab. Grimm belehrt uns, dass der deutsche Volksglaube einen „Hecketaler", „Heckegroschen" und „Heckepfennig" kennt, dem die Gabe innewohnt, anderes Geld zu „hecken". Auch dem Groschen des ewigen Juden wird nach Liebrecht diese Gabe zugeschrieben. (Das Zaubergeld kommt auch in einem Märchen von Musäus vor.) Man spricht bisweilen auch von einem Marien- oder Segenstaler, womit dieser Volksglaube religiös umgemodelt erscheint. Den Heckegroschen erhält man gewöhnlich beim Teufel, vermittels eines schlauen Handelsstreichs, den Kühn in seiner „Norddeutschen Sage" ausführlich beschreibt, und der im wesentlichen darauf beruht, dass man dem Teufel in der längsten Winternacht, da er allein die Kirche bewohnt und in ihr den Küster spielt, einen schwarzen Kater in einem Sack als Hasen zum Kauf anbietet. (Daher die Redensart: „eine Katze im Sacke kaufen". Die Ueberlistung des Teufels ist ein beliebtes Thema der Volkssagen aller Nationen.) Aehnliches erzählt Weinhold aus der Mark Brandenburg. In Dänemark wird, nach Grundtvig, die Zaubermünze auf die gleiche Weise erhalten. In der nordischen Mythologie wird sie, nach Simrock, von Wuotan verliehen. In Italien kannte man, wie wir durch Liebrecht wissen, die Zaubermünze des in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebenden berühmten Arztes Pietro <TAlbano, und die spanischen Bauern von Valencia besitzen sog. „diners de Bruixas", die sie aufbewahren, weil sie ihnen die Kraft zuschreiben, das Geld zu bewachen. Bei den slavischen Völkern ist der Glaube an das Zaubergeld weit verbreitet. Am bekanntesten, namentlich unter Polen und Ruthenen, ist die Zaubermünze unter dem Namen „inklus", womit im Mittelalter wahrscheinlich der Teufel überhaupt bezeichnet wurde. („Daemon potest includi in eliquo vaso" war, nach Roskoff, eine im Mittelalter häufige Formel.) Auch nach dem Glauben der slavischen Völker erwirbt man die Zaubermünze durch allerlei unsaubere Machinationen, über die uns Oskar Kolberg, Zelechowski, Kazimira Skrzynska, Stefania Ulanowska u. a. eingehend unterrichten. In Russland befassen sich damit die Hexenmeister. Mancher Bauer verkauft die letzte Kuh, um sich nur einen „inklus" zu verschaffen. Diesen gewinnt man, indem man unter allerhand Vorsichtsmassregeln auf dem Markte um jeden geforderten Preis einen Gänserich kauft, ihm den Hais umdreht, ihn ungerupft brät, dann an einem Kreuzweg dem Teufel als lebend verkauft. Der so gewonnene Rubel besitzt die Zauberkraft, immer von neuem zu seinem Besitzer zurückzukehren. Dieser muss aber sehr auf der Hut sein da der Teufel stets bemüht ist, durch allerhand Betrügereien den „inklus" wiederzubekommen. Nach polnischem Volksglauben kehrt der „inklus" zu seinem Eigentümer nicht nur selber zurück, sondern heisst auch das andere Geld, welches er an seinem Aufenthaltsorte antrifft, mitgehen. Man kann den „inklus" in dem Judenviertel Kazimirz zu Krakau von einem dortigen Juden bekommen; nur muss man zu diesem Zweck sich sieben Jahre lang weder waschen, noch kämmen, noch sich die Nägel schneiden, auch darf man weder beten, noch in die Kirche gehen. Dann kommt ein Jude (wohl der Teufel in Gestalt eines Juden?) und sagt, wo der „inklus" zu finden ist und wie man ihn erhalten kann. Nach dem Volksglauben der Ruthenen erschwindelt man den Inklus von dem Juden, der ihn besitzt und ihn einem aufhalsen will, indem man seinem Besitzer unvermerkt auf den linken Fuss tritt und ihm das Geld mit der linken Hand abnimmt. (Die linke Körperseite ist überhaupt dem Unreinen gehörig,) "Wohl bringt der Inklus viel Geld, aber dieses hält nicht lange vor. Interessant ist es, dass im Jüdischen aus „inklus" das Wort „inklysnik" gebildet wurde, womit die Juden NAUM ARONSOX. BÜSTE (Gyps).

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