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Ost und West · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 481 - 482

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Eliah, der Prophet
Date
1904-07-01
Page
Seite 481 - 482 (sequence 4)
Language
German
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481 Bar-Ami: Eliah der Prophet. 482 gefunden. Zur Nacht wurden die Gäste in ein besonderes Zimmer geleitet, wo sie schlafen sollten. Gegen Morgen, als der Jüngling erwachte, öffnete er -ein Fenster und hörte, wie draussen die Vögel mit menschlichen Stimmen sangen: „Was hat der arme Knabe so schwer gesündigt, dass er die Tochter einer solchen Sünderin heimführen solle?46 Sie gingen weiter. In einer fernen grossen Stadt fanden sie sich am Freitag abends zum Gottesdienst in der Synagoge ein. Als das Gebet zu Ende war, trat auf sie ein stattlicher, prächtig gekleideter Bürger mit langem Bart und dicken Schläfenlöckchen heran und lud sie, der Sitte gemäss, für den Sabbat zu Gast. Unterwegs entspann sich zwischen ihnen ein Gespräch, wobei der Wirt viele fromme und weise Dinge sagte, dass der Jüngling erstaunt war. Daheim sang der Hausherr mit vieler Salbung die Sabbatlieder, schlug jedesmal fromm die Augen empor und wusch sich alle Augenblicke die Fingerspitzen. Während des Abendessens seufzte er in einem fort, blickte wieder allemal zum Himmel empor, sang mit grosser Weihe die Tischlieder und sprach dann wieder lauter fromme und gelehrte Sachen. Der junge Knabe wunderte sich immer mehr, aber dabei schielte er zu der schönen Tochter des Hauses hinüber, die daneben sass. Schliesslich sagte er mit leiser Stimme zum Propheten: „Diese gefällt mir!44 „Aber mir gefällt sie nicht!" versetzte der Prophet. „Warum?" „Weil ihr Vater ein unredlicher Mensch ist." Der Jüngling war entrüstet. Wie, ein so frommer Mann, blickt jedesmal seufzend zum Himmel empor, spricht so weise und schön, und der sollte ein Betrüger seia? Das wollte ihm einfach nicht in den Kopf. „Gleich wirst du sehen, dass ich mich nicht irre," bemerkte der Prophet, der seine Gedanken erriet. Bevor sie sich zur Ruhe begaben, tat der Prophet, als wäre er betrunken und schläfrig, trat an den Hausherrn heran, und indem er ihm einen Gürtel überreichte, stammelte er: „Herr, ich bin der Bote eines sehr reichen Mannes, der durch mich seiner Braut eine Reihe kostbarer Edelsteine sendet. Die Kleinodien sind in diesen Gürtel eingenäht. Bitte, bewahret mir ihn auf, bis ich Sonntag früh meinen Weg fortsetze." Den ganzen Tag erwähnte der Prophet den Gürtel mit keinem Worte, am Sonntagmorgen dankte er dem Hausherrn für die Gastfreundschaft, fragte ihn um den Weg und verabschiedete sich, aber der Hausherr schien den ihm zur Verwahrung übergebenen Schatz gänzlich vergessen zu haben. Er glaubte wohl, der Gast denke ebenfalls nicht mehr daran. Der Knabe meinte, der Hausherr würde ihnen einen Eilboten mit dem Gürtel nachsenden, aber es vergingen Stunden, es vergingen Tage, und von einem Gürtel war keine Spur. NAUM ARONSON. STUDIE. „Siehst du, dass ich recht hatte, indem ich diesen Frömmler einen Betrüger nannte!" bemerkte der Prophet. „Ich gönne ihm übrigens den Gürtel. Wie wird der arme Mensch erschrecken, wenn er den Gürtel öffnet und anstatt der erwarteten Schätze ein Register findet, worin alle seine Schandtaten aufgezählt sind, die er im Verborgenen vor den Menschen verübt hat, und die Höllenqualen, die ihn dafür auf der anderen Welt erwarten. Na, aber er hat immer noch Zeit, sich zu bessern." Sie gingen weiter. In einer Stadt traten sie zu Nacht in eine armselige Hütte ein, wo mehrere kleine Kinder unter der Obhut der ältesten Schwester wohnten. Diese empfing die Gäste sehr herzlich und munter, hiess sie am Tisch Platz nehmen und setzte ihnen Schwarzbrot und Rübensuppe vor, wie dies die armen Leute essen. Trotz ihrer Armut war das Mädchen lustig, hörte nicht aui zu lachen, ermunterte die Gäste und besonders den jüngeren, zuzugreifen, so dass

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