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Ost und West · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 479 - 480

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Eliah, der Prophet
Date
1904-07-01
Page
Seite 479 - 480 (sequence 3)
Language
German
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479 Bar-Ami: Eliah, der Prophet. 480 Schwäche nachzugeben und nicht umzusinken. Die Mitternachtsstunde war gekommen, und sie hatten alle zum Abendgebet gehörigen Gesänge absolviert, und waren schon dabei, mit freudiger Seele den Schir Hajjichud anzustimmen, als sich plötzlich das kleine greise Männchen umwandte, und nun erblickten sie vor sich auf einmal einen hochgewachsenen alten Mann, mit langem weissen Bart, ganz in Weiss gehüllt. Vor Staunen und Schrecken bebten alle zurück, doch der Alte sprach: „Habt keine Angst! Ich bin Eliah, der Prophet, ich bin gekommen, um Eure Kraft und Euren guten Willen auf die Probe zu stellen. Diese sechs Männer sind "Eüre~ längst verstorbenen " Väter. Jetzt könnt Ihr frohgemut nach Hause gehen, Euch ist alles vergeben." Eine andere Sage zeigt den Propheten Eliah als Freund und Beschützer der Jugend: Es war einmal ein Ehepaar, welches drei Söhne hatte. Nach dem Tode des Vaters, als die erste Trauerwoche vorüber war, sagte der älteste Sohn: „Ich will hingehen, um am Grabe des Vaters die Nacht durchzuwachen." Er ging hin und hielt Wache am Grabe. Als es Mitternacht schlug, brach ein Ungewitter los, und auf den Flügeln des Windes kam ein weisshaariger Mann herbeigeflogen, ganz in Weiss gekleidet. Als der Jüngling die Gestalt des Greises wahrnahm, fiel er in Ohnmacht. Der Greis ermunterte ihn und rief: „Erschrick nicht, ich bin Eliah, der Prophet, und zum Lohn für die Ehre, die du dem Andenken deines Vaters zollst, komme ich zu dir, um dir die Erfüllung eines der folgenden drei Wünsche zu gewähren, unter denen dir die Wahl freisteht. Willst du gelehrt, oder reich sein, oder eine gute Frau be- NAUM ARONSON. kommen? Studie zur Büste in rosa Marmor. Wähle!44 Der Jüngling wählte das erstere. Eliah, der Prophet, schenkte ihm ein Buch und verschwand. Das Buch aber hatte die Eigenschaft, dass der Jüngling es nur aufzuschlagen und daraus zu studieren brauchte, so floss das Licht auf ihn hernieder, und binnen kurzem wurde er sehr gelehrt und in aller menschlichen und göttlichen Weisheit erfahren. Die zweite Nacht ging der jüngere Sohn, um am Grabe des Vaters Wache zu halten. Um Mitternacht erhob sich ein Sturm, in welchem Eliah, der Prophet, in der Gestalt eines weissbärtigen, weissgekleideten Greises erschien. Auch der zweite Jüngling fiel bei diesem Anblick ohnmächtig zu Boden, aber Eliah, der Prophet, ermunterte ihn, gab sich ihm zu erkennen und sprach ihn folgendermassen an: „Ich komme, um dir zum Lohne für die Pietät, mit der du das Grab deines Vaters bewachst, die Erfüllung eines der folgenden drei Wünsche zu gewähren. Du darfst dir Weisheit, Reichtum oder eine gute Frau erbitten." Der Jüngling wählte das zweite. Eliah, der Prophet, gab ihm eine Münze, auf der der Segen Gottes ruhte. Was immer der Jüngling anfasste, das Glück war in seinem Gefolge, und am Ende wurde er ein reicher Mann. Die dritte Nacht kam die Reihe an den jüngsten Sohn, am väterlichen Grabe Wache zu halten. Dieser nahm das Psalmenbuch und eine Laterne mit sich und sang beim Schein der Kerze die Psalmen. Als die Mitternachtsstunde da war, erschien auch ihm der Prophet Eliah im Sturme, und der junge Knabe fiel bei seinem Anblick in Ohnmacht. Aber der Prophet ermunterte ihn und legte auch ihm die drei Wünsche vor, unter denen er zu wählen hatte. Der Jüngling wünschte sich eine gute Frau. Eliah, der Prophet, fasste ihn bei der Hand und führte ihn in die weite Welt hinaus. Sie wanderten und wanderten durch viele ferne Städte, und überall, wohin sie kamen, waren Töchter zum Verheiraten. Der Prophet fragte den Jüngling: „Welche gefällt dir?44 Dieser aber antwortete: „Es gefällt mir keine!44 Eines Abends kamen sie in eine ferne Gegend und blieben vor einem prächtigen Palast stehen. Da es schon spät am Abend war, klopften sie an das Tor und baten um Nachtlager. Sie wurden sehr gastfreundlich aufgenommen und reichlich und von gutem Herzen bewirtet. Im Hause war ein hübsches Mädchen. Als der Knabe sie sah, sprach er: „Diese gefällt mir!44 „Aber mir gefällt sie nicht,44 antwortete der Prophet. „Warum? Sie ist ja schön, gut und fromm.44 Doch der Prophet sagte: „Allerdings, aber ihre Mutter ist nicht ehrlich.44 Der Knabe schwieg, aber im Herzen ärgerte er sich, denn er hatte an dem Mädchen viel Wohlgefallen

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