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Ost und West · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 469 - 470

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Samuel Frug
Date
1904-07-01
Page
Seite 469 - 470 (sequence 2)
Language
German
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469 Dr. J. Eliaschow: Samuel Frug. 470 NAUM ARONSON. KNABENBÜSTE. (Gyps, leicht verändert in Sandstein ausgeführt.) und singt das „Lied von der Arbeit"; sein „frisches, lebendig-fröhliches Lied", das da „tut hallen und singen, schallen und klingen" seinem gepeinigten, von ewigem Plagen heimgesuchten Volke ... Doch die Natur war für Frug kein Spiel, um Verse darauf zu machen, er hat nicht seine Kräfte darauf verwendet, um ihre Schönheit zu malen und über deren Feinheiten in Entzücken zu geraten, bloss weil dies die Poesie anderer Völker erforderte. In der Natur empfand er die grosse Weltseele, „das Leben, welches in tausend Strömen sich ergiesst", den einzigen Quell, aus dem ein gesundes Volk Kraft und Liebe zum Leben, Mut zum Leben schöpft . . . Darum war Frug ein neuer Mann in unserer Literatur, darum war der Ton seiner Harfe so wundersam neu, so wundersam frisch. * * * Doch dieser neue Mann war in alten jüdischen Gewändern gekommen. . . . So oft ich über Frug nachdenke, erscheint er vor meinem geistigen Auge mit einer Bibel in der Hand. Doch war es keine Bibel mit den altfränkischen Kommentaren um den Text herum, nicht einmal eine neumodische, mit der Mendelsohnschen Uebersetzung und dem „Biur", sondern ein schlichtes, einfaches Bibelbuch. Gleich wie die anderen „Maskilim" der alten Generation, zog es auch ihn zu der reinen, schönen Sprache der Bibel hin. Doch war seine Liebe zu ihr ganz anderer Natur. Jene wollten sich in den Reden der Propheten gleich wie im Meere gesundbaden, gleich wie Naamann, der siebenmal im Jordan untertauchte, um seinen Aussatz loszuwerden. Das waren Menschen mit kranken, ausgetrockneten Seelen, erzogen an den Haarspaltereien des Pilpul, genährt mit spitzfindigen Sophismen, Menschen mit „scharfen Köpfen" und ausgedörrten Herzen, und nun gingen sie zur Bibel, wie zu einer Stätte, wo Herz und Phantasie sich die nötigen Salze holen, um sich zu erfrischen, um ein Tröpfchen neuen Lebens einzuatmen..... Von der Gemara kehrten sie zurück zur Bibel, von den Diskussionen über den Ochsen, der die Kuh gestossen, zu den Gesetzen eines alten Volkes, welches auf eigenem Boden ein gesundes, kraftvolles Leben führt, gleichwie die Olivenbäume auf dem Oelberge, gleichwie die Zedern auf dem Libanon. Für sie war die Bibel das einzige Buch, aus dem sie die grosse göttliche Natur, all die herrlichen Geschöpfe in der schönen Gotteswelt kennen lernten. Aus der Bibel erst KAUM ARONSON. BÜSTE DES MALERS M. (Gyps).

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