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Ost und West · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 467 - 468

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Samuel Frug
Date
1904-07-01
Page
Seite 467 - 468 (sequence 1)
Language
German
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467 468 SAMUE Von Dr. J. Binnen kurzem werden wir ein Fest der Poesie erleben. Samuel Frug feiert das Vierteliahrhunderljubiläum seiner literarischen Arbeit. Ist's glaublich? Scheint es nicht wundersam, dass unser Dichter bereits ein Menschenalter dichterischen Schaffens hinter sich hat, dass er mit den Tönen seiner Harfe schon eine ganze Generation begleitet, dass seine Lieder, die den Augen unserer heutigen Jugend Tränen erpressen, schon vor mehr als zwanzig Jahren unsere Väter und Mütter zum Weinen stimmten? Ist es möglich, dass derselbe Frug, der erst vor kurzem das Verhängnis von Kischinew besang, schon vor mehr als zwei Jahrzehnten die blutigen Verfolgungen von Elisabethgrad betrauerte? Ist es glaublich? Frug begeht sein Jubiläum — und eine Schar von traurigen Gedanken drängt sich von allen Seiten herbei. Langsam rollt das Rad unseres Schicksals dahin. Ein Geschlecht nach dem anderen sieht stets dasselbe Panorama vor sich. Bitternis erfüllt unser Herz, wenn wir das Leben XAUM ARONSON. KNABEN. ÜSTE. . FRUO. ) 1 i a S c h O W. (Nachdruck verboten.) unseres Dichters betrachten und es von zwei Marksteinen begrenzt finden: Elisabethgrad und Kischinew. Welch ein Schmerz, zu bedenken, dass er, dem die Gottheit die Gabe verliehen, alles was da schön, jung, frühlingsfrisch und lebendig in der Welt ist, zu empfinden und zu lieben, vom Schicksal gezwungen wird, ewig zu klagen, das Lied vom Mitleid und von der Pein zu singen .... * * * Voll Jugendfrische betrat S. Frug die Arena der jüdischen Literatur. Er brachte mit sich den Duft frischen Grases, den verliebten Blick eines Blumenfreundes, die Sehnsucht eines am Busen der Natur Aufgewachsenen, der sich an den Strahlen der Morgensonne, an den prächtigen Farben blühender Felder berauscht. Er kam aus einem jüdischen Kolonistendorf in Südrussland, wo er die Liebe zur Muttererde von der frühesten Kindheit auf eingesogen. Er war ein neuer Mann in der Literatur, eine neue Seele unter all den ausgetrockneten Rhetoren. Nicht durch die Vermittlung von Mapus „Ahavath Zion" hatte er die lebendige Natur kennen und lieben gelernt, er brauchte nicht erst Abramowitschs „Tholdoth Hatewa" zu studieren, um sich für sie zu begeistern; wie jedem echten, geborenen Dichter, war ihm die Natur selber Lehrerin und Meisterin. „Sie lehrte ihn singen und spielen, Sie lehrte ihn denken und fühlen", sie lehrte ihn, Mass und Rhytmus in den Dingen suchen und finden. Aber nicht nur seine Lehrerin ist sie gewesen, sie war auch seine Freundin und Trösterin, seine ,,liebherzige*' junge Mutter in den Stunden der Trauer und der Kümmernisse. In solchen Stunden innerer Ermattung und seelischer Gebrochenheit hörte er ihre milde, sanfte Stimme locken und rufen: Komm in den Wald hinein! Wir wollen Dich erfrischen und erkräften, Wie mit weichen grünen Fäden Dich umspinnen und umheften, Mit stillem, süssem Schlummer Wollen wir dein Herz umwehen, Mit lieben, süssen Träumen Dich erquicken und erfreuen. Und erfrischt und gekräftigt verlässt er den Wald. Neue Lebenssäfte durchströmen sein zermartertes Herz. Beschenkt, aufgerichtet, von neuem Lebensmut beseelt, geht er von dannen

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