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Ost und West · 1904-05-01 · Heft 5 (Mai 1904) · p. Seite 333 - 334

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 5 (Mai 1904)
Article
Der Sederabend
Date
1904-05-01
Page
Seite 333 - 334 (sequence 4)
Language
German
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333 Dr. E. Baneth: Der Sedei abend. 334 Hochzeitsbrauch bei den portugiesischen Juden (gest. von Picard). und an Grösse zu.62) Es bewährte sich auch hier der Segen der Arbeit. Zwar wird in der Geschichte des ersten Menschenpaares die Arbeit als eine Strafe dargestellt63); aber auch die Strafe ist ja ein Ausfluss der väterlichen Liebe Gottes.64) Das tatenlose Leben im Garten Eden war so lange wohl erträglich, als dem Menschen all das Können, das in seiner Brust noch schlummerte, verborgen war; sowie er aber zum Bewusstsein seiner Kraft erwachte, wäre ein längerer Aufenthalt im Paradiese ihm zum Fluch geworden. Aus Mangel an Betätigung verkümmern die reichsten Gaben, die schönsten und verheissungsvoilsten Fähigkeiten; die Not jedoch ist eine tieffliche Erzieherin. Keine Schule bringt die besten Kräfte des Geistes wie des Körpers so zu vollster Blüte und Entfaltung wie diese unwillkommene, von vielen doch gesegnete Lehrmeisterin. In ihrer harten Wiege ward auch Israel grossgezogen; in jener Leidensschule, welche die heiligen Bücher einen eisernen Schmelzofen nennen65), ward der Gottesknecht geläutert und gestählt, der schon im Mutterschoss berufen war zum Lichte der Nationen, zum Erlöser für die ganze Menschheit.66) In der Erfüllung dieses göttlichen Berufes hat unser Volk bisher nur Hohn und Spott und kälteste Zurückweisung geerntet, nicht selten auch die grausamsten Verfolgungen erdulden müssen von dem blinden Hasse derer, denen es die Bruderhand entgegenstreckte, um sie zur Höhe des Horeb emporzuführen. Wie sollte es durch soviel bittere Erfahrungen nicht entmutigt werden, nach soviel schmerzlichen Enttäuschungen an dem endlichen Erfolge seiner undankbaren Arbeit nicht verzweifeln? Darum werden die Kinder von Jahr zu Jahr am Feste der Erlösung durch das Bitterkraut daran erinnert, welch herbes Weh, welch schweres Leid die Väter überwunden, ehe sie gewürdigt wurden, dem Fusse des Sinai sich zu nahen, um aus Gottes Hand die Priesterweihe zu empfangen. „Heilsam ist's dem Manne, in der Jugend Tagen schon ein Joch zu tragen." 67) «2) Das. 1, 12. 63) 1. B. M. 3, 17—19. 6±) 5. B. M. 8, 5; Spr. 3, 12. 6*) 5. B. M. 4, 20; Jirm. 11, 4. 66) Jes. 49, 1—6. 67) Klagel. 3, 27.

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