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Ost und West · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. Seite 271 - 272

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Die Haggadah von Mantua (1560)
Date
1904-04-01
Page
Seite 271 - 272 (sequence 4)
Language
German
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\ fix Dr. Theodor Zlocisti: Die Haggadah von Mantua (1560). 272 die unumgängliche Vorarbeit! — aber für die kunsthistorische Seite nur geringes Interesse haben und gar für eine ästhetische Befrachtung und Würdigung nichts mitbringen. Hier bleibt noch alles zu tun: Es müssen die Beziehungen der Drucke zu den Handschriften- Illustrationen nach Themenwahl und Technik klargelegt werden; die Abhängigkeit der einzelnen Drucke voneinander und die Begründung der Abweichungen. Vor allem der Einfluss, den* die fortschreitende Technik der Buchdrucker und die allgemeine künstlerische Entwicklung genommen: die jüdischen Setzer, Drucker und Formschneider haben sich ja alle Fortschritte der Kunst auch für ihre Arbeit zunutze gemacht. Wann die ersten Drucke hergestellt wurden, ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie noch vor 1500, und zwar in Italien, erschienen sind. Von den uns bekannt gewordenen illustrierten Haggadahs — es sind nach Wiener 194 unter 895 Drucken — stammte die erste aus Prag 1526. An diese Ausgabe, die deutlich die Charaktere der deutschen Frührenaissance aufweist, knüpfen auch die italienischen Illustrationsdrucke an. Von der Mantuaner Haggadah 1550, die von den älteren Bibliographen notiert wird, ist bis jetzt kein Exemplar mehr zum Vorschein gekommen. Sie stammte aus der Offizin des Josef Schalit*), mit dem Beinamen Aschkenasi, aus Padua. Sie war durch Bilder geschmückt und von einem beliebt gewordenen Kommentar Schalits begleitet. Während dieses Werk aber sein Schicksal erreicht zu haben scheint, hat sich die Haggadah von 1560/61 in mehreren Exemplaren auf unsere Zeit gerettet. Zedner und Steinschneider führen sie auf, und in Wieners Verzeichnis steht sie nach dem Erscheinungsjahr an 13. Stelle. Noch Zunz führt sie in seiner Studie über, „Drucker und Druckereien in Mantua (1476—1662)" unter den Werken auf, deren Drucker teils nicht angegeben, teils ihm unbekannt geblieben waren. Sie erschien in den Jahren, da Meir Sofer ben Ephraiim aus Padua mit dem früheren Faktor der Druckerei Foa in Sabionetta, Jacob Cohen ben Nattali aus Gazolo, eine Geschäftsverbindung' eingegangen war. Die ausführliche Schlussnotiz — der *) Näheres über ihn bei Zunz, Zur Gesch. und Literat. Berlin 1845 S. 251. „Colofon" — gibt aber mit ihrem Mosaikgedicht aus Zitaten als Drucker an: Jizchak Bassan, den Sohn Sch'muels, des Schammes im Tempel der reichen Jizschak von Porto, jetzt in Mantua. Beendet ward das Werk am Dienstag, den 24. Tischri 1561. Es ist ein Quartband von 64 Seiten, die nur den Originaltext der Haggadah bieten. Nur der Sang Addir huh, von dem schon die Prager Ausgabe (1526) zwei Strophen in Übersetzung*) bringt, kehrt auch in diesem italienischen Druck in deutscher Sprache wieder: „Allmächtiger Gott, bau dein Tempel schiro (bald) Also schir in unsern Tagen. Schiro, ja, schiro." Im Text fehlen noch Chadgadja und Echod mi jaudeia, ebenso wie noch in den späteren Ausgaben von Salonichi, Cremona, Constantinopel, Venedig, Ristowitz.**) Dagegen ist vor dem Tischgebet eine grössere liturgische Bemerkung aus dem Talmud über Mazzoth und Moraur eingefügt. Im übrigen unterscheidet sich der Text — soweit ich sehe — nicht weiter von der herkömmlichen Fassung, nur dass in dem trotzigen Fluchwort an unsere Unterdrücker: Sch'fauch chamoss'cho el hogaujim die Stelle fehlt: Ki ochal ess jaakauw . . „Denn sie haben Jakob verdorben und seine Wohnungen vernichtet." — — — Mehr denn drei Jahrhunderte blicken uns aus diesem Buche an. Man sieht es der Haggadah — die mir durch den verständnisvollen Sammler J. H. Wagner zur Verfügung gestellt wurde — an, dass sie nicht in dumpfen Bücherräumen als toter Schatz gelegen. Sie war ein Buch des Lebens und hat ihren Zweck erfüllt, den sich der Drucker in seinem Schlussgesang gestellt: „es weckt die jungen Knaben aus ihrem Schlafe, und für die Alten ist es gut, so dass ihre Zunge ist wie der schnelle Griffel des Schreibers. Denn mit dem Griffel eines Menschen ist es deutlich gemacht und es „läuft" darin der Leser, um dem zu dienen, vor dem man sein Gebet ausschüttet, und bei dem die Treue ist und die Macht". Und wahrlich: der die Buchstaben mit „eisernem und bleiernem Griffel" geschnitzt, der hat dafür gesorgt, dass selbst der Greis in dem Buche „laufen" und hurtig lesen kann: Unsere herrliche Quadratschrift, immer noch die schönste *) Steinschneider im Nachwort zu L. Landshuth, Hagada (Berlin 5616). **) Z. f. d. Gesch. d. Jud. i. Deutschi. Bd. III (1889) S. 234 Anm.

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