Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Haggadah von Mantua (1560)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 269 - 270 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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269 Dr. Theodor Zlocisti: Die Haggadah von Matitua (1560). 270 Eingehend behandelt wurden 6 spanische Handschriften aus dem Besitze des britischen Museums und des Earl of Crawford and Balcarres in London, 1 französische aus dem Besitze des bekannten Sammlers Albert Wolf in Dresden, 5 deutsche aus dem Besitze von D. Kaufmann, des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg (2 Exempl.), der Pariser National- Bibliothek und des Earl of Crawford and Balcarres und 2 italienische Handschriften aus dem Besitz von Kaufmann und Edmund von Rothschild. Allein mit diesen 14 illustrierten Haggadahhandschriften ist der Reichtum noch nicht erschöpft. Die Jewish Encyklopädie (Bd. VI) spricht von 25 alten Bildermanuskripten, die den Sturm der Zeiten überdauert haben. Vorläufig lässt sich indes noch garkeinUeberblick gewinnen, da die in Privatbesitz und kleineren Sammlungen noch verborgenen Exemplare der Forschung entzogen sind. Denn bis weit in die Neuzeit hinein blühte die Haggadah- Schreiberei und -Illustration noch fort. Noch im 18. Jahrhundert sehen wir Meister auf diesem Gebiet an der Arbeit, und die Leistungen von Aron Schreiber Herrlingen aus Gewitsch (in Mähren) waren weit berühmt und gesucht in allen Landen. Mit der Erfindung des Buch-* druckes freilich verschwinden die Handschriftenhaggadahs allmählich aus dem Volke. Sie werden ein Schmuck der Sedertafel nur noch im Hause der Reichen und Kunstfreunde. Allein auch in den Drucken bleibt der Bildschmuck der Haggadah eine Lieblingsaufgabe jüdischer Meister. Wenn auch hier allmählich der Strom künstlerischer Individualität versandet, und eine gewisse stabile, monotone Klischeform übrig bleibt, so ist es doch von hohem Interesse, auf die ersten Drucke zurückzugehen. In diesen alten Holzschnitten und noch in den Kupferstichen, die seitdem 17. Jahrhundert eindringen, , ist recht viel eigenes H Leben. Bis hierin IM' 1 ist die Forschung noch nicht vorgedrungen. Wenn wir von hastigen, aber inhaltsschweren Bemerkungen J. von Schlossers absehen, so bleibt nur die Tätigkeit jüdischer Bibliographen übrig, die zwar die Geschichte jüdischer Typographie zu einem gewissen Abschlüsse gebracht haben — natürlich Kiddusch. (Haggadah von Mantua.)