Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Haggadah von Mantua (1560)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 267 - 268 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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)267 Dr. Theodor Zlocisti: Die HaggadalfVon Mantua (1560). 268 schon frühzeitig aus den alten Gebetbüchern ablöste und ein Eigenleben führte, den gewaltsam nieder gehaltenen Kunsttrieb jüdischer Meister immer wieder angelockt. Und so viel intensiver als die übrigen Volksbücher unseres Schrifttums! Durch die Arbeiten Dav. Heinr. Müllers, J. v. Schlossers und des so grausam früh auch der jüdischen Kunstgeschichte entrissenen David Kaufmann ist Licht — freilich nur erst unruhiges Fackellicht — in die dunklen Schächte getragen und der "Wahn zerbrochen worden, als ob die Juden jeglicher künstlerischen Betätigung entzogen waren—durch göttliches Gebot und angeborene Unfähigkeit. Die Herausgabe des monumentalen Prachtbandes: „Die Haggadah von Sarajevo" (Wien 1898), zu der sich die drei genannten Autoren vereinigt hatten, hat unserer nationalen Kunstgeschichte ein neues Gelände erschlossen. Denn es sind nicht, wiedieVerfasser bescheiden sagen, nur „ein paar Spatenstiche": es ist eine Katasteraufnahme des Gebietes und eine Ausschachtung und Fundamentierung in weitem Umfange. Denn die Sarajevohaggadah, das älteste und schönste Schmuckmanuskript vom Anfang des 14. Jahrhunderts — die uns in einem Tafelband vollständig reproduziert vorliegt — hat zu einer Vergleichung mit den anderen handschriftlichen Haggadahs geführt, aus denen uns eine grosse Reihe charakteristischer Bilder und Blätter vorgeführt werden. Beschränkten sich bislang die Angaben unserer jüdischen Bibliographen auf die kalte Notiz „Mit Illustrationen", so wurde hier eine eingehende Beschreibung mit kritischen Vergleichungen und Parallelen gegeben, die von Liebe und feinem künstlerischen Sinne in gleich starker Weise zeugen.