Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- M. Coschell
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 249 - 250 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2583875-2583918-2583923-2590023--03836-2590078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
249 Georg Hermann: M. Coschell. 250 raffinierte Kultur der Farbe, eine Freude an aparten Tönen, seidenen Kissen und gleissenden Frauenkleidern. Wir haben das wieder in Heilemann, selbst in den Karikaturen eines Recznicek steckt es, dieses Problem der jüngsten Gesellschaft, das dir heute nicht die wohlhabenden Schichten, sondern Künstlerkreise und ihr Anhang stellen; es ist eine smarte Note, eine vergeistigte Eleganz darin, die noch keine Zeit vordem kannte. Diese Welt spiegelt sich in den Arbeiten Schnitzlers, in den ziselierten Sächelchen Altenbergs — der Wiener empfindet sie heute dank seiner mehr äusserlichen, auf das Gesellschaftliche zugeschnittenen Kultur stärker als der Norddeutsche —, und auch in Coschell, der Wiener Kunsterziehung genossen hat, kommt dieser Sinn für die neue mondaine Kunst zum Ausdruck. Unsere Zeit, die ihr Empfinden und die Eigenart ihres Zuschnittes so wenig künstlerisch umzumünzen weiss und statt dessen gern das Fernste und Fremdeste in den Kreis zieht kann für ein Talent wie Coschell, das alle Gaben zu einem Gesellschaftsschilderer mitbringt — scharfe Charakteristik, gute Farbe, Sinn für Eleganz und Erscheinung —, wohl Platz haben. Was er in jüngster Zeit an Bildnissen geschaffen, beansprucht Interesse durch Auffassung und den starken malerischen Sinn, der sich darin ausspricht. In dem Bildnis der stehenden Dame ist zum Beispiel das Chair, der brünette Fleischton des Kopfes von einem solchen Schmelz, einem so feinen durchsichtigen Helldunkel, steht so vermittelnd zwischen dem Silberweiss des Kleides und dem Schwarz des Hutes, dass man sich sagt, das konnte nicht einzig der Maler lösen, son- M. COSCHELL. DIE ABTRÜNNIGE.