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Ost und West · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. Seite 239 - 240

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Moses
Date
1904-04-01
Page
Seite 239 - 240 (sequence 7)
Language
German
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239 Achad - haam: Moses. 240 „Du sollst zu ihm sprechen . . . und er wird statt deiner zum Volke sprechen, er wird dir als Sprachrohr dienen, und du wirst ihm zum Gotte sein." * * * Das erste Ziel ist erreicht. Pharao und sein Heer sind im Schilfmeer versunken, Moses steht an der Spitze seines freien Volkes und will es ins Land der Väter führen. „Damals sang Moses". Seine Gefühle strömten über und machten sich im Liede Luft — und er war glücklich. Damals wurde sich der Prophet nicht darüber klar, dass er erst am Anfange seines Weges stand, denn die eigentliche und schwierigste Arbeit hatte er noch nicht einmal begonnen. Pharao ist vernichtet, aber seine Werke bestehen, der Herr hat aufgehört, Herr zu sein, aber der Knecht hat nicht aufgehört, Knecht zu sein. Ein Volk, das Geschlechter hindurch im Knechteshause erzogen wurde, vermag nicht mit einem Ruck aus seinem Herzen die Eindrücke dieser Erziehung mit der Wurzel auszureissen und ein wahrer Freier zu sein, selbst wenn die Fesseln ihm abgenommen sind. Aber der Prophet glaubt an die Kraft seines Ideals. Er lebt in dem Glauben, dass in dem grossen Ideal, das er seinem Volke geben will, genug Kraft liegt, um die Reste der Knechtschaft mit der Wurzel zu entfernen und diesem Sklavenvolke ein neues Herz zu schaffen, ein Herz voll Kraft, nach oben gerichtet, nach oben, in allem, was seine grosse Mission von ihm erheischt. Der Prophet sammelt sein Volk am Fusse des Berges und tut ihnen den Himmel tief auf und zeigt ihnen den Gott ihrer Väter in einer neuen Form, in seiner ewigen Grösse. „Denn mir gehört die ganze Erde" — ruft der Gott Israels „aus dem Feuer heraus"; nicht, wie ihr bisher glaubtet, ihr und die andern Völker, dass jedes Volk und jedes Land seinen eigenen Gott hat, die ein jeder mit Macht über ihr Gebiet herrschen, die mit einander kämpfen und einander besiegen wie die Völker, die ihnen Untertan sind. Nein! Nicht Israels Gott und nicht Aegyptens Gott existieren beide für sich; sondern ein Gott, der war, ist und sein wird — er ist der Herr der ganzen Erde und herrscht über M. COSCHELL alle Völker. Ein ewiger Gott ist dieser Gott, der Gott eurer Väter ist es. Die ganze Welt ist sein Werk, und alle Menschen sind in seinem Bilde geschaffen. Euch, ihr Söhne Abrahams, des Auserkorenen, euch hat er auserwählt, damit ihr ein ihm angehöriges Volk seid, „ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk", auf dass ihr seinen Namen in der Welt heiliget und in eurem sozialen und individuellen Leben den andern Menschen als Muster dienet, damit auch sie sich auf neuem Grunde erheben, im Geiste der Wahrheit und Gerechtigkeit. „Gerechtigkeit, ja nur Gerechtigkeit erstrebe!" — „Vom Lügenworte halte dich fern!" — „Dem Einflussreichen sollt ihr nicht schmeicheln, die Frau, den Waisen, und die Witwe sollt ihr nicht drücken." Aber auch nicht zugunsten der Schwachen sollt ihr die Wage herunterdrücken; „der Arme werde nicht im Rechtsstreit bevorzugt". Nicht Hass und Neid, aber auch nicht Liebe oder Mitleid dienen euch als Richtschnur in eurem Leben, denn beide überschreiten das Mass und krümmen das Gerade — nur Gerechtigkeit! „Hat je ein Volk die Stimme Gottes gehört, wie sie aus dem Feuer heraus" solch hohe und erhabene Worte redete? Und ein Volk, das solche Dinge hörte, muss, selbst wenn es Jahrhunderte hindurch in Knechtschaft und Niedrigkeit gelebt, aus dem Sumpf sich erheben und in seinem Innern das Licht spüren, das es von seinem Schmutze reinigen soll. So denkt der Prophet; und das Volk fügt diesem Gedanken die Bekräftigung hinzu, indem sie wie einer begeistert riefen: „Alles, was Gott gesprochen hat, wollen wir tun." Mit ruhigem Herzen verlässt der Piophet den Platz und geht, um an der Spitze des Berges allein zu sein, um die Lehre der Gerechtigkeit auszugestalten und zu vervollkommnen. Jedoch als er schon wenige Tage dem Auge des Volkes fern ist, da bricht der ägyptische Knecht aus seinem Verstecke in ihnen wieder hervor und reisst in einem Augenblicke „die Türme des Geistes" ein, die der Prophet auf dem Grunde der Wahrheit durch die Kraft des Ideals aufgebaut hat. „Die Stimme Gottes" versteckt sich vor der Stimme des Volkes, und der Priester, dem der Prophet vertraute, als er ihm vor Pharao und dem Volke STUDIE. als Sprachrohr diente, dieser

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