Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. Seite 221 - 222

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Die Situation im Zionismus
Date
1904-04-01
Page
Seite 221 - 222 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2583875-2583918-2583923-2590014--03806-2590064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

221 Elias Auerbach: Die Situation im Zionismus. 222 den Zionismus als Ganzes unerheblich ist, sondern Herzl, . in dessen Hand alle Fäden zusammenlaufen. Hat also Herzl das Baseler Programm durchbrochen oder nicht? Wer ihn dessen beschuldigt, hat den strengen Beweis dafür zu erbringen, nicht Vermutungen und Stimmungen, sondern den strengen Beweis, denn es handelt sich um keine Kleinigkeit. Die Vorlegung des Projektes allein kann einen solchen Bruch nicht bedeuten; es waren ja fast alle Mitglieder des Aktionskomitees und nicht zum mindesten die russischen unbedingtdafür,das englische Anerbieten dem Kongress nicht vorzuenthalten. Die Frage ist vielmehr die: Hat Herzl in Ostafrika die ersehnteHeimstätte für das jüdische Volk in irgend einem Sinne gesehen? Trotz der ganzen Literatur, die wir schon über die Ostafrika- Frage haben, sind Herzls einzige Aeusserungen noch immer nur seine wenigen Worte auf dem Kongress selbst. Aber sie sind für jeden, der nur in gutem Glauben hören will, deutlich genug. Ich will sie einfach zitieren. „Obschon selbstverständlich das jüdische Volk kein anderes Endziel haben kann als Palästina, und obwohl, was immer das Schicksal des Vorschlages sein mag, unsere Anschauungen über das Land unserer Väter unabänderlich sind und bleiben müssen . . . „Zion ist dies freilich nicht und kann es nie M. COSCHELL. werden. Es ist nur eine Kolonisationsaushilfe ..." Es ist und bleibt lediglich eine Notstandsmassregel, die der jetzigen Ratlosigkeit aller philanthropischen Unternehmungen abhelfen und dem Verluste solcher versprengten Volksteile vorbeugen soll." „Mit erfrischtem Mute und grösseren Aussichten als je zuvor können wir unsere Bemühungen um Erez Israel fortsetzen." Diese Worte sind klar wie der Tag. Es war auch in Herzls Augen, was es wirklich ist: ein philanthropisches Unternehmen, das der Zionismus nur vermittelte, das aber die dazu bestimmten Gesellschaften ausführen mochten. Ein Bruch des Programms liegt hi erin ni cht mehr, als wennHerzl die Errichtung eines Auswandereramtes oder die Bildung von Fonds für die Wandernden empfohlen hätte. Das ist die einfache, gutgläubige, nach Herzls feierlichen Versicherungen in betreff Palästinas allein mögliche Auffassung des Ostafrika-Vorschlages. Sie wird bestätigt durch Herzls Briefwechsel mit der J. C. A. Was darüber hinaus an Gerüchten laut geworden ist, entbehrt der tatsächlichen Grundlage. Die Fabel von der beabsichtigten Verwendung der Kolonialbank und des Nationalfonds für Ostafrika ist zu ungeheuerlich, um geglaubt zu werden. Wer sagt, dass Herzl nicht Palästina-Zionist ist, der sagt damit, dass Herzl anders denkt, als er spricht. Das nennt WUNDERRABBI.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.