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Ost und West · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 201 - 202

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Mazzoh
Date
1904-03-01
Page
Seite 201 - 202 (sequence 3)
Language
German
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201 M. Ehrlich: Mazzoh. 20?' "v / Ende denken. Offen eingestehen! was nützte auch das? Vor Jahren war's, da hatte ihn sein Weib zum Armenvorsteher gejagt. Um der Leuchter willen ist er auch wirklich gegangen. In der Schul' traf er ihn, über einen Folianten gebeugt, und wie er auf ihn zutrat, sah er ihn an mit seinen roten, stechenden Augen, dass es Berl heiss überlief. Er hätte fliehen mögen, aber des Vorstehers scharfer Blick bannte ihn fest. Kaum hatte er das Wort: Mazzaus! vorgestammelt, da antwortete ihm Leiser kalt: Du bist doch so ein gesunder Mensch! Und Berl war es, als ob ihm jemand mit einem Eimer kalten Wassers begossen hätte. Und finster war's ihm vor den Augen vor Scham, so dass er kaum die Tür noch finden konnte. Und dann war er nach Hause gelaufen, hatte die Leuchter gepackt, sein Weib gründlich ausgeschimpft, dass sie ihn in den Schmutz gezerrt, und geschworen, alle Vorsteher zu meiden und lieber zu hungern. . . . Und die Leuchter kamen zu Seelig, dem Pfandleiher. Und Mazzaus waren da wie bei allen Juden . . . —Nein,schrie es in ihm auf. Und wie erschreckt bebte seine Stimme: Nein, niemals werde ich meine Hand ausstrecken, lieber gehe der Samowar und alles, was in der Stube ist, zum Teufel, als dass euch die Schande beflecke. Und wieder sieht er auf den Samowar. Aber so bös, so kalt und fremd, als wär' er ihn schon los ... . Was verdreht er mir den Kopf.-- Sein Mendele kommt in die Stube gelaufen, ELFAS GÜNZBURG. ein fünfjähriger, barfüssiger Junge mit roten, frischen Backen und lustig blickenden Augen. Und er hat ein Stück Mazzoh in der Hand und ruft seinem Vater zu: Sieh nur, was ich da hab'. — Gut, gut, ruft Berl, wie er das frische Gesicht seines lieben Mendele sieht, und er nahm ihn — innerlich schon ruhiger — auf seinen Schoss. — Kaufst Du mir auch Nüsse zu Pesach,. Vater? — Ja, ja, ich kauf sie Dir, mein Jung, aber Du musst auch die „vier Fragen" stellen! — — Ja, ich will schon fragen, aber Du musst sie mir auch sagen. — Gut, Du sollst sie lernen. Nun pass auf.. Mit Kopf. Hör, was ich Dir sage und wiederhole nur: Vater, ich will Dir vier Fragen stellen. — Vater, ich will Dir vier Fragen stellen. — Die erste Frage lautet: Mah nischtaneh . . da stockt er schon und sinnt. — Sag doch weiter, Vater, bittet der Kleine. — Gleich, mein Kind, sagt Berl ernst. Die erste Frage lautet: Wozu braucht man uns arme Leute auf der Welt? Da öffnet sich die Tür und Jachneh D'woschoh kommt herein, gerade als Mendel wiederholt: Die erste Frage lautet: Wozu braucht man unsarme Leute auf der Welt? Sie bleibt stehen und ihr ist, als kramp fesich ihr Herz zusammen .... Mendele rutschte vonVaters Schossherab, und Berl, sagte erregt: — Was soll! ich nur machen?* — Es gibt, doch noch eine Gemeinde flüsterte sie und senkte die Augen. Berl verstand sie. — Ich soll; zum Vorsteher gehen! — Daswirst Du nicht erleben! UndMazzaus?- sagte sie nun REIM arzt. schon weinend,.

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