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Ost und West · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 185 - 186

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Die physikalischen Prozesse in der Bildrede des Alten Testaments
Date
1904-03-01
Page
Seite 185 - 186 (sequence 4)
Language
German
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185 Prof. Dr. theol. et phil. Aug. Wünsche: Die physikalischen Prozesse in der Bildrede des Alten Testaments. 186 dieser Beziehung einen wirksamen Vergleich. Als Mose seine Hand auf göttliches Geheiss aus seinem Busen zieht, da ist eine Wandlung mit ihr vorgegangen. Sie ward aussätzig wie Schnee. (2. Mos. 4, 6 vergl. 4. Mos. 12, 10; 2. Kon. 5, 27.) Von der Sonnenwärme zerfliesst in den Tälern der Schnee und steigt als Dunst wieder zum Himmel empor. Dies wird im zweiten Jesaia zur Verdeutlichung des zuverlässigen Ganges des göttlichen Wortes in seiner Wirkung verwendet. Denn gleichwie herabfällt der Regen und der Schnee von den Himmeln und dorthin nicht wieder zurückkehrt, es sei denn, dass er getränkt die Erde und befruchtet und zum Sprossen gebracht und gegeben hat Samen zum Säen und Brot zum Essen, ebenso wird sein mein Wort, das hervorgeht aus meinem Munde; nicht wird es zu mir zurückkehren leer, es sei denn, dass es vollbracht hat, woran ich Gefallen hatte, und durchgeführt, wozu ich es sandte (Jes. 55, 10, 11; vergl. Ps. 147, 15). Die Vergleichungshinsicht liegt in der unfehlbaren Wirkung der einander gegenübergestellten Dinge in ihrem Kreislauf. Schnee im Sommer und Regen in der Ernte sind Bilder, welche wirkungsvoll die Naturwidrigkeit und Ungereimtheit der Ehrenerweisung des Toren dartun. Wie Schnee im Sommer und Regen, in der Ernte, So ziemt sich für den Toren nicht Ehre. (Spr. 26, 1.) Eis kommt als Bildausdruck im Alten Testament nicht vor, aber einmal in den Apokryphen. Da es sich durch die Wärme der Sonne bald auflöst, so dient es zur Bezeichnung schnellen und raschen Dahinschwindens. So sagt der Siracide: Wenn Gott am Tage des Menschen gedenkt, Werden seine Sünden hinwegschmelzen, wie bei heiterer Witterung das Eis. (Spr. 3, 156..) Furchtbar erschütternd wirkt im heiligen Lande während derRegenzeit der elektrische Prozess des Gewitters, sowohl in den jäh das Luftmeer durchzuckenden Blitzen als in den heftig dröhnenden Donnerschlägen, kein Wunder, dass die Dichter sich in ergreifenden Schilderungen darüber ergehen. So rätselhaft aber der Naturvorgang HERMANN STRUCK. erscheint, nirgends nehmen wir Spuren eines Mythus wahr, wie bei den Indern, Griechen und Germanen. Das Gewitter steht immer unter Jahves Einfluss und hängt von seinem Willen ab. Er ist sein Urheber, es wird von ihm gewirkt und dient seinen Zwecken. Vor allem offenbart es Jahves Grösse, Macht und Herrlichkeit, und vollstreckt auf Erden seine Strafgerichte. Die Blitze sind Jahves Geschosse (Ps. 18, 15; vergl. 2. Sam. 22, 15; Hab. 3, 11; Ps. 77, 18), und sie bahnen dem Regen den Weg (Jer. 10, 13). Wenn auch der Donner Jahves strafende und warnende Stimme ist (Hi. 14, 36; 33, 37, 38; 34, 40), so steht er doch in seiner Gewalt (Joel 2, 11.) In der Bildersprache werden Blitz und Donner vielfach zu wirksamen Vergleichen herangezogen. In einer Vision schaut Daniel einen Mann, von dem es heisst: Sein Leib wie Chrysolith, sein Gesicht strahlte wie der Blitz, seine Augen wie Feuerfackeln, seine Arme und Füsse sahen aus wie poliertes Holz, und der Schall seiner Worte wie mächtiges Tosen. (Dan. 10, 6.) Das schnelle Herniederzucken des Blitzes versinnbildlicht die Schnelligkeit des abgeschossenen Pfeiles. In einer Sammlung prophetischer Worte bei Sacharja schildert Jahve sein über die mazedonische Weltmonarchie hereinbrechendes Strafgericht mit den Worten: Denn ich spanne mir Juda als Bogen, fälle Ephraim und errege deine Söhne, Zion, wider deine Söhne, Javan, und mache dich gleich eines Helden Schwert. Und Jahve wird über ihnen erscheinen und ausfährt dem Blitze gleichsam sein Pfeil. (Sach. 9, 13, 14.) Zuweilen sind mit den Gewittern starke Hagelwetter verbunden. Unter einem Hagelwetter und anderen begleitenden Naturereignissen stellt Jesaia das über Samarien hereinbrechende göttliche Strafgericht durch die assyrische Heeresmacht dar. Siehe, einStarker und Gewaltiger ist der Herr! Wie ein Hagelwetter, ein pesthafter Sturm, wie ein Guss grosser flutender Wasser reissen sie nieder zur Erde mit der Hand. (Jes. 28, 2.) Wie ein Hagelwetter erscheint auch Nebukadnezars hereinbrechende Kriegsmacht über Juda (Ezech. 13, 13). NACH EINER ORIGINAL-RADIERUNG. Gleich; dem RAHELS GRAB. Gewitter sind Wind

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