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Ost und West · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 183 - 184

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Die physikalischen Prozesse in der Bildrede des Alten Testaments
Date
1904-03-01
Page
Seite 183 - 184 (sequence 3)
Language
German
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183 Prof. Dr. theol. et phil. Aug. Wünsche: Die physikalischen Prozesse in der Bildrede des Alten Testaments. 184 blieb er aus, so wurde dies als ein göttlicher Fluch betrachtet (Hagg. 1, 10; 1. Mos. 27, 39; 2. Sam. 1, 21; 1. Kön. 17, 1). In der Bildersprache erscheint der Tau nach vielfachen Vergleichungshinsichten. Gleich dem beim Sonnenaufgang sich leicht zerstreuenden Morgengewölk ist der rasch "verschwindende Tau zunächst Bild der Unbeständigkeit und Vergänglichkeit. Wenn Jahve das in Bilderdienst versunkene Israel bestrafen wird, macht er es dem Tau gleich, der früh vergeht (Hos. 13, 3). Dasselbe Bild wendet der Prophet an, um das rasche Dahinscheiden von Israels Liebe zu kennzeichnen (Das. 6, 4). In seiner erfrischenden und belebenden Kraft erscheint der Tau bei Micha. Der Ueberrest Israels nach der göttlichen Läuterung wird auf die verdorrten Heidenvölker wie ein erfrischender und belebender Tau wirken (Mich. 5, 6). In der messianischen Zeit wirkt Jahve selbst aufsein bekehrtes Volk wie ein erquickender und belebender Tau auf das Wachsen und Blühen der Pflanzen. Ich werde sein gleich dem. Tau für Israel, Es wird blühen gleich der Lilie und schlagen seine Wurzeln gleich dem Libanon. (Hos. 14, 6.) Die zu Gnadenerweisen und Huldbezeigungen geneigte Stimmung des Königs ähnelt dem erfrischenden und belebenden Tau. Wie das Brüllen eines Junglöwen ist der Groll des Königs, Aber wie Tau auf Pflanzen sein Wohlwollen. (Spr. 19, 12.) Die reichliche Menge des Taues veranschaulicht die Massenhaftigkeit einer Belagerung. So sagt Husai als Berater zu dem wider seinen Vater sich empörenden Absalom: Denn so rate ich: Versammelt soll werden um dich ganz Israel von Dan bis Beerseba gleich dem Sande, welcher am Meere ist zu Kauf, und du selbst ziehest in der Mitte, kommen wir dann zu ihm an irgend einem Orte, woselbst er betroffen wird, so belagern wir ihn gleichwie der Tau fällt auf das Erdreich. (2. Sam. 17, 11. 12.) Der Sänger des 110. Psalmes kennzeichnet den geheimnisvollen Ursprung und die grosse Macht des Heerbanns, des Priesterkönigs, an dem Tau. Dein Volk ist ganz und gar Willigkeit am Tage deines Heerbanns, — — Aus dem Schosse der Morgenröte (kommt) dir der Tau deiner jungen Mannschaft. (Ps. 110, 3.) Einem anderen Sänger kommt der Segen brüderlicher Eintracht und Liebe wie der Tau des Hermon vor, der auf die Berge Zions herabträufelt. Siehe, wie fein ist es und wie lieblich, Wenn Brüder wohnen beisammen ..... Wie der Tau des Hermon, der herabfliesst auf Zions Berge. (Das. 133, 1. 3.) Zum Verständnis des Bildes dienen van de Veldes Beobachtungen auf seiner Reise I, S. 97 über Tau des Hermon. S. Delitzsch, Kommentar zu den Psalmen z. St., S. 725. Als Bild der belebenden und fruchtbarmachenden Kraft göttlicher Lehre verwendet den Tau der Sänger des Mosesliedes. Es fliesse herab wie Tau mein Spruch. (5. Mos. 32, 2.) Der Siracide stellt unter denselben Gesichtspunkt das erquickende Wort der Weisheit. Tau kühlt die Hitze, — so ist ein gutes Wort besser als Gabe. (Sir. 18, 16.) Im metaphorischen Sinne wird Tau Sinnbild der Wiedererweckung der Toten aus dem Grabesstaube am Auferstehungstage. Und wieder aufleben werden deine Toten, Meine Leichname werden auferstehen; Denn ein Tau des Lichtes ist dein Tau, Und die Erde wird die Schatten loslassen. (Jes. 26, 19.) Schnee fällt auf den hochgelegenen Teilen des heiligen Landes öfters fusshoch und bleibt manchmal bis Ende Februar liegen. In den Spalten des Libanon und Hermon hält er sich sogar das ganze Jahr hindurch. Darum heisst der Libanon Schneeberg (tur talga). Anders verhält es sich in den Niederungen. Hier hält sich der Schnee wegen der Sonnenwärrne nicht lange (Hi. 6, 16 ff.; 21, 19). Ueber die Entstehung des Schnees herrscht keine klare Vorstellung. Man glaubte, er befände sich in Vorratskammern des Luftreiches (Jes. 55, 10; Hi. 38, 22) und fiele auf göttlichen Befehl herunter (Hi. 37, 6; Ps. 148, 8). Wegen seiner glänzend weissen Farbe verwenden ihn die Dichter als Vergleich zur Bezeichnung der Schönheit und Reinheit. Ihm gleicht das schöne Aussehen der jungen in die Gefangenschaft geschleppten Fürsten Jerusalems. Reiner waren ihre Fürsten als Schnee und weisser als Milch. (Klagel. 4, 7, vergl. Matth. 17, 2.) Als Sinnbild der Reinheit diente der Schnee einem Sänger in einem Bussliede: Wasche mich und ich werde weisser werden als Schnee. (Ps. 51, 9.) Jesaia verheisst den Bewohnern Judas, sobald sie sich bessern und einen Gott wohlgefälligen Wandel führen: Wenn eure Sünden scharlachrot sind, gleich Schnee sollen sie weiss werden. (Jes. 1, 18.) Vom Hochbetagfen, der sich in der Vision Daniels auf dem Thronsessel niederlässt, heisst es: Sein Gewand war weissglänzend wie Schnee. (Dan. 7, 9.) Wie der Schnee die Fluren, so bedecM der Aussatz oft den m enschlichen Körper. Daher bildet er auch nach

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