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Ost und West · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 181 - 182

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Die physikalischen Prozesse in der Bildrede des Alten Testaments
Date
1904-03-01
Page
Seite 181 - 182 (sequence 2)
Language
German
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181 Prof. Dr. theol. et phil. Aug. Wünsche: Die physikalischen Prozesse in djr Bildrede des Alten Testaments. 182 In einem Orakel gegen Aegypten heisst es von •dem massenhaft heranrückenden Feinde: Sie selbst wird Gewölk bedecken, Und ihre Töchter werden in die Gefangenschaft wandern. (Das. 30, 18.) An mehreren Stellen bezeichnet das am Himmel drohende finstere Gewölk Unheil, Jammer und Not. Unter diesem Bilde wird der göttliche Gerichtstag geschildert. Ein Tag der Finsternis und Dunkelheit ist's, Ein Tag des Gewölks und Wolkendunkels. •Gleich Morgengrauen, das ausgebreitet ruht auf den Bergen. (Joel 2, 2.) Ein Tag des Grimms ist jener Tag, Ein Tag der Angst und Bedrängung, Ein Tag der Wüste und Verwüstung, Ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, Ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels. (Zeph. 1, 15.) Ein Tag des Gewölks, eine Zeit für die Völker wird er sein. (Ezech. 30, 3. vergl. 34, 12.) Das vom Winde am Himmel rasch dahinfliegende leichte Gewölk ist Jesaia ein Symbol für die aus der Ferne zum Anschlüsse an das neue Gottesvolk Israel herbeieilenden Heidenvölker. Wer sind diese, die gleich einer Wolke daherfliegen Und gleich Tauben zu ihren Gittern? (Jes. 60, 8.) Wolken, in denen der Donner rollt, die aber keinen erquickenden und befruchtenden Regen bringen, illustrieren das Gebaren des Prahlers, der Geschenke vorspiegelt und sie nicht gibt. Wolken . . . und kein Regen, So ein Mann, der sich brüstet mit Lügengeschenken. (Spr. 25, 14.) An der grossen Entfernung der Wolken von der Erde wird die Grösse der göttlichen Treue versinnbildlicht. Deine Treue (reicht) bis zu den Wolken. (Ps. 36, 6.) Unter der Regen verheissenden Wolke zur Zeit der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche, durch die das Erdreich gelockert und das Wachstum befördert wird, erscheinen die Huldbeweise eines Königs. Im Lichte des Angesichts des Königs ist Leben, Und seine Huld gleicht dem Gewölke des Spätregens. (Spr. 16, 15.) Der Regen hatte für das Gedeihen des vegetabilischen und animalischen Lebens in Palästina die allergrösste Bedeutung. Er wurde mit Sehnsucht erwartet, und es herrschte grosse Freude, wenn der Früh- (joreh) und Spätregen (malkösch) zur rechten Zeit und in reichlichem Masse sich einstellte. Mit solchem Regen zur rechten Zeit werden die Heilserweise Jahves an seinem neu erstandenen Volke verglichen. Bezeichnend ist hierfür die Verheissung Hoseas: Und er wird kommen gleich dem Regen zu uns, Dem Spätregen gleich, der das Land befruchtet. (Hos. 6; 3.) In einem Gebete um Gottes Huld für den König wünscht der Sänger: Er falle herab gleich dem Regen auf die Schur, Gleich Regenschauern, die beträufeln das Land. (Ps. 72, 6.) Micha vergleicht den Ueberrest Israels zur messian;schen Voliendungszeit mit einem belebenden und fruchtbarmachenden Regen. Dann wird sein der Ueberrest Jakobs inmitten vieler Völker . . , gleich den Regentropfen auf Kraut, welche nicht hoffen auf einen Mann und nicht harren auf Menschenkinder. (Micha. 5, 6.) Im letzten Selbstgespräch über seinen einstigen Glückszustand greift Hiob zum Bilde des Regens, um seine in Volksversammlungen vorgetragenen Sprüche der Weisheit in ihrer wohltuenden und tröstlichen Wirkung zu kennzeichnen. Sie harrten wie des Regens meiner Und ihren Mund sperrten sie auf (wie) nach dem Spätreg*en. (Hi. 29, 23.) Im Mosesliede verdeutlicht der Regen die erquickende und belebende Kraft des göttlichen Wortes. Es träufle gleich dem Regen meine Rede. Es riesele gleich dem Tau mein Wort, Wie Regenschauer auf frisches Grün Und wie Gussregen auf das Kraut. (Deut. 32, 2.) Heftiger Regen, der das junge Saatland fortschwemmt, ist Bild eines gewalttätig wirkenden Mannes. Ein armer Mann, der Schwache bedrückt. Ist ein Regen, der fortschwemmt und kein Brot gibt. (Spr. 28, 3.) Der verheerend wirkende Sturzregen symbolisiert die verheerende Macht des Feindes. So schildert Jesaia die über Samarien zum Strafvollzug hereinbrechende assyrische Heeresmacht mit den Worten: Wie ein Guss von gewaltigen, überschwemmenden Wassern wird er sie mit der Hand zu Boden werfen. (Jes. 28, 2.) Regen endlich, der in kurzen Zwischenräumen, besonders in der Winterzeit, immer aufs neue wieder aus den Wolken sich entladet, galt als Bild eines freudlosen Alters (Koh. 12, 1, 2). Ebenso wie der Regen ist der kühle und erfrischende Tau namentlich während des Frühjahrs für Palästina ein grosser Segen. Er scheidet sich aus der Atmosphäre oft in solchen Mengen aus, dass der nächtliche Wanderer bis auf die Haut durchnässt wird. Besonders stark tritt der Tau in wolkenlosen Nächten auf. Ist der Himmel während der Nacht mit Wolken bedeckt, so stellt er sich erst gegen Morgen ein, wenn die Wolken verschwinden und die Wärmeausstrahlung des Bodens nicht mehr verhindern. Dies alles ist der scharfen Beobachtung nicht entgangen. Wegen seiner Bedeutung für das Pflanzenreich gilt der Tau für eine Himmelsgabe (Hi. 38, 28; 29, 19; Sach. 8, 12 usw.),

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