Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Gott, Welt und Mensch im jüdischen Sprichwort
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 131 - 132 (sequence 3)
- Language
- German
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131 Binjamin Segel: Gott, Welt und Mensch im jüdischen Sprichwort. 132 Gott schickt die Kälte nach den Kleidern. Dieses Sprichwort kommt in hebräischer Fassung schon bei Raschi vor. * * * Gott schickt das Heilmittel vor der Wunde. Vergleiche Megillah 13 a. Midrasch Jelamdenu zu „Balaq". Sohar Genesis 146 a. * * * Gott gibt nichts umsonst. Man muss sich die göttliche Gnade verdienen, * * * Wie man sich bettet, so schläft man. Variante: Wie man sich im Diesseits bettet, so schläft man im Jenseits. * * * Was man sich hienieden nicht vorbereitet, das nimmt man in die andere Welt nicht mit. -Gemeint sind die guten Taten und Verdienste vor Gott. * * * Gott wird schon helfen — möchte mir Gott helfen, bis Gott helfen wird. Wortspiel. * * * Wenn Gott einen erfreut, ist niemals zu spät. * * * 0 Gott, gib mir Brot, so lang ich Zähne habe. * * * Wen Gott lässt leben, dem muss er (dazu) •die Mittel geben. * * * Der Zähne gegeben, wird auch Brot geben. * * * Gott hats gegeben, Gott hats genommen. (Biblisch.) * * * Vom Himmel gibt man herunter, aber in den Himmel gibt man nichts hinauf. * * * Unten und oben ist ein Glauben. Aus einem bekannten Volkslied. * * * Ins Paradies führt ein Weg — in die Hölle lausend. Gott belohnt nach den Tugenden und züchtigt nach den Lastern. * * * Weder mit Schelten (Seufzen) noch mit Lachen kann man diese Welt übermachen. „Uebermachen" umarbeiten, umgestalten. * * * Diese ganze Welt ist nur ein Traum, — doch besser ein guter Traum, als ein böser. * * * Diese Welt ist auch eine Welt. Es lohnt sich, nicht nur für das jenseits, sondern auch für das Diesseits zu arbeiten. * * * Dem Bösen ergehts gut auf dieser Welt, dem Guten auf der andern AVeit. Vergl. u. a. Kidduschin 40 1). * * * Diese Welt gleicht einer Leiter, hinunter geht der eine, hinauf ein Zweiter. (Thalmudisch.) * * * Lieber von Gottes Hand in Löffeln, als von der Menschen Hand in Schöffeln. * * * Lieber von Gottes Hand ein bitteres, als von der Menschen Hand ein süsses Blatt. So sprach, nach dem Midrasch. die Taube, als sie die Arche Noahs verliess. Gibt Gott Brot, geben die Menschen Butter dazu. * * * Wer vor der Welt (den Menschen) keine Scham hat. der hat vor Gott keine Furcht. * * * Vor Gott habe man Furcht, vor den Menschen muss man sich hüten. * * # Was Du vor Gott nicht leugnen kannst, leugne auch vor den Menschen nicht. * * * Gott straft — der Mensch rächt sich. * *