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Ost und West · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 35 - 36

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Die Astralbilder im poetischen Schrifttum des Alten Testamentes
Date
1904-01-01
Page
Seite 35 - 36 (sequence 2)
Language
German
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35 Prof. Dr. theol. et phil. Aug. Wünsche: Die Astralbilder im poetischen Schrifttum des Alten Testaments. ] 36- Daher verbietet der Dekalog in einer besonderen Bestimmung, den Gestirnen in sinnlichen Abbildern göttliche Verehrung zu erweisen. Was speziell die Sonne und den Mond anlangt, so fühlt sich Hiob schuldig, bei ihrem Anblick ihnen gehuldigt zu haben und hält sich deshalb für strafbar. Wenn ich sehe das (Sonnen-) Licht, wie es strahlte, Und den Mond, wie er prächtig dahinwandelte, So Hess sich betören im geheimen mein Herz, Und es legte sich zum Kusse meine Hand zum Munde. (Hi. 31, 26, 27.) Auch sonst finden sich Andeutungen, die aul einen von Babylon eingedrungenen Sonnen- und Mondkultus hinweisen. Die Propheten kämpfen mit der ganzen Kraft des ihnen zu Gebote stehenden Wortes dagegen an. Nach theokratischer Anschauung sind Sonne und Mond von Jahve zur Bestimmung von Zeiträumen geschaffen (Ps. 104, 19, vergl. 74, 16) und es ist ihnen von ihm der Weg vorgezeichnet (Hi. 9, 7). Einmal wird die Sonne in ihrem majestätischen Gange am Himmel mit einem mutig zum Streite ausziehenden Helden und mit einem siegesbewusst und freudestrahlend aus dem Brautgemache heraustretenden Bräutigam verglichen (Ps. 19, 5 ff.). In der Bildersprache dienen Sonne und Mond in ihrem Fortbestande einem Sänger als Vergleich für die davidische Herrschaft, die nie aufhören wird. Sein Same wird ewig währen Und sein Thron gleich der Sonne vor mir. Gleich dem Monde wird er bestehen ewig. (Ps. 89, 37 u. 38 a.) Als Bild reinen, schönheitsvollen Glanzes sind Mond und Sonne in einem Brautliede im Hohenliede verwandt. Das Erscheinen der Braut in ihrem Hochzeitsschmucke macht auf die Töchter Jerusalems den Eindruck, als wenn Mond und Sonne am wolkenlosen Himmel erglänzen. Wer ist diese, die herabblickt — — —, Schön, gleich dem Monde, rein gleich der Sonne? (Hohesl. 6, 10.) Wie der Sonnen- und Mondkultus fand der Sternkultus von Babylon zu Israel vorübergehend seinen Weg. Der Deuteronomist sieht sich genötigt, ein scharfes Verbot dagegen zu erlassen (5. Mos. 4, 19). Als göttliche Mächte treten die Sterne vielleicht im Deboraliede auf. Sie kämpfen von ihren Bahnen aus und bringen die blutige Schlacht mit zur Entscheidung (Rieht. 5, 20). Es ist aber möglich, dass wir in der Stelle es nur mit einer rhetorischen Personifikation zu tun haben. Das theokratische Bewusstsein der Propheten hat den Sterndienst stets zurückgedrängt. Wenn die Sterne Jahves Lob verkünden (Hi. 38, 7; Ps. 148, 3), wenn sie als seine Diener seinen Willen vollstrecken (Hi. 9, 7; Jes. 40, 26; Ps. 104, 12; 147, 4), so handelt es sich nur um eine Naturbeseelung. Dass ihnen keine höhere Macht zukommt, geht schon daraus hervor, dass sie in ihrem Glänze vor seiner Heiligkeit (Hil 25, 5* 15,15) und wenn er als Weltenrichter auftritt (Jes. 24, 3) erblassen. Als Bilder und Vergleiche kommen die Sterne nach verschiedenen Gesichtspunkten zur Verwendung. In ihrer Zahllosigkeit versinnbildlichen sie die unzählbare Menge. In diesem Sinne verwendet sie häufig die Geschichtsschreibung. So verheisst Jahve dem Abraham: Blicke doch gen Himmel und zähle die Sterne,, wenn Du sie zählen kannst! . . , . So soll dein Same sein (1. Mos. 15, 5, vergl. 22, 17; 2. Mos. 32, 13; 5. Mos. 1, 10; 10, 22; 28, 62; Nehem. 9, 33; Hebr. 11, 12). Unter demselben Gesichtspunkte vergleicht Nahum in seiner Schilderung vom Untergange Nineves die Händler, die bei der * Annäherung des Feindes die Flucht ergreifen. Du hast zahlreicher gemacht deine Händler als die Sterne des Himmels. (Nah. 3, 16.) Der stille, friedliche Lichtglanz in der Nacht machte die Sterne zum Bilde der Frommen und Gerechten. Es ist dies ein der Zeit nach sehr später Vergleich, der sich nur in apokalyptischen Schriften und Redestücken findet. Im Daniel heisst es: Die Weisen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsveste und die, welche viele zur Gerechtigkeit geführt haben, wie die Sterne immer und ewig. (Dan. 12, 3, vergl. Weish. 3, 7, 8; Matth. 13, 43; Apok. 2, 28; 1. Kor. 15, 10—20.) Das Bild will die künftige Heiligkeit der Frommen und ihr seliges Glück veranschaulichen. Da der Morgenstern sich stets in der Nähe der Sonne befindet und sein Glanz mit der Morgenröte bald nach Sonnenaufgang erlischt, so wird das für Jesaia ein signifikantes Bild des Sturzes des hochmütigen Königs von Babel. Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzgestirn (Heläl), Sohn der Morgenröte! (Jes. 14, 12.> Der König von Babel brüstete sich in seinem.' Stolze, sich zur Höhe der Götter emporzuschwingen und auf ihren Versammlungsberg zu kommen, er besass aber nicht die Fähigkeit, die ihm von Gott verliehene Machtstellung zu ertragen. Zur Strafe dafür soll er bis in den Abgrund der Unterwelt gestürzt werden. Das Bild weist entschieden auf den babylonischen Mythus vom Kampfe des Lichtgottes mit dem Drachen hin, wenn auch die faktischen Beziehungen sich verwischt haben. Wellhausen und Winckler denken bei Heläl nicht an den Morgenstern, sondern an die Neumondsichel (arab. hilal). Der im Abenddunkel hellglänzende Stern ist im

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