Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Bedeutung des Einschlages jüdischer Elemente für Deutschlands Wirtschaftsleben
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 29 - 30 (sequence 4)
- Language
- German
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29 Prof. Dr. Werner Sombart: Die Bedeutung des Einschlages jüdischer Elemente für Deutschlands Wirtschaftsleben. 30 CAMILLO PISSARRO. und gar auf den Gelderwerb ausgerichtet. Alle wirtschaftlichen Funktionen werden ihrer qualitativen Konkretheit entkleidet, um nur noch in ihrer Beziehung auf das Geld, d. h. also in abstrakt - quantitativer Bestimmtheit zu erscheinen. Alles "Wirtschaften wird zu einem Erwerben; alle ökonomischen Vornahmen werden zum Geschäft. Ich verwies auch schon darauf, wie alle Sphären wirtschaftlicher Tätigkeit von rationalistischem Geiste durchtränkt werden, wie das eminent Praktische, das sehlechthinZweckmässige entscheidend über den wirtschaftlichen Erfolg wird. Sind das alles nicht Vorgänge,Wandlungen in Anschauungen und Praktiken, die dem spezifisch jüdischen Geiste zu gute kommen, die ihm ein immer weiteres Feld der Betätigung einräumen müssen? Wie sehr gerade diese spezifisch kapitalistischen Züge des Wirtschaftslebens dem jüdischen Charakter adäquat sind, vermögen wir am deutlichsten an der Tatsache zu ermessen, dass wir am meisten die Juden in denjenigen Sphären wirtschaftlicher Tätigkeit zu Hause finden, in denen das reine, qualitätslose, abstrakte Geldverhältnis am ausschliesslichsten herrscht: das sind der Geld- und nach ihm der Warenhandel, und zwar in diesem wiederum der Zwischen¬ oder der Detailhandel, während in der Produktionssphäre, zumal in der Landwirtschalt, längst die Beteiligung der Juden nicht in gleichem Masse stattfindet. Von 10 000 erwerbstätigen Juden in Preussen entfallen nur 106 auf die Landwirtschaft (gegenüber 3411 Evangelischen und 3929 Katholischen), 2119 auf die Industrie (davon aber 885 allein auf Bekleidung und Reinigung, d. h. wesentlich auf die halb zum Handelsgeschäft gewordene Konfektionsindustrie) — gegenüber 3524 bezw. 3762 der anderen Konfessionen —, dagegen 5205 (gegenüber bezw. 522 und 377 Christen!) auf DORESTRASSE IN EMMERY. ("Aus dem „Kunstsalon Cassirer" Berlin W.) das Handelsgewerbe! Und das, trotzdem ihnen seit mehreren Menschenaltern die Wirksamkeit auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens völlig freigegeben ist. Aber es ist ersichtlich, dass in Landwirtschaft und Industrie, auch wo sie schon kapitalistisch organisiert sind, doch noch in weiterem Umfange eine Beziehung zu den konkreten Gütern, die erzeugt werden, sowie zu den lebendigen Menschen, die sie erzeugen, bestehen bleibt, während im Geldhandel ausschliesslich, aber auch im Warenhandel diese konkrete Bestimmtheit entfällt. Ich sagte: was letzteren angeht, namentlich im Zwischenhandel, der von Händler zu Händler die Waren umsetzt oder im Detailhandel. Während beispielsweise im Einfuhrhandel, sofern er die Erzeugnisse der fremden Länder direkt herbeischafft, wiederum eine stärkere konkrete Färbung der Beziehungen zu den eigenartig gestalteten Kulturen der Bezugsgebiete stattfindet: weshalb wir in diesen Branchen des Handels abermals eine geringereBeteiligungderJuden finden. Je reiner also kapitalistisches Wesen im Wirtschaftsleben sich durchsetzt, desto mehr Spielraum erhält die jüdische Eigenart. Was man dann auch so ausdrücken kann: je mehr sich jüdisches Wesen durchsetzt, desto ausschliess-