Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Bedeutung des Einschlages jüdischer Elemente für Deutschlands Wirtschaftsleben
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 31 - 32 (sequence 5)
- Language
- German
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31 Prof. Dr. Werner Sombart: Die Bedeutung des Einschlages jüdischer Elemente für Deutschlands Wirtschaftsleben. 32 licher kommt die kapitalistische Organisation zur Anwendung. Und nun wird niemand länger im unklaren sein, worin die eminente Bedeutung des Judentums für die modernen Volkswirtschaften liegt: es beschleunigt deren Umbildung in die kapitalistische Organisation, die heute wirtschaftlich die schlechthin vollkommene ist. Ganz besonders deutlich kommt diese jüdische Mission — den Uebergang zum Kapitalismus zu befördern — dort zum Ausdruck, wo es gilt, die heute noch konservierten Reste vorkapitalistischer Organisation aus der Welt zu schaffen: in der Zersetzung der letzten Handwerke und der handwerksmässigen Kramerei. Man kann getrost sagen, dass beispielsweise Schneiderei, Schuhmacherei, Tischlerei, Bauhandwerk zum grossen Teile der rastlosen Tätigkeit jüdischer Geschäftsmänner ihren Untergang verdanken. Weshalb denn sich gerade in jenen Kreisen des sinkenden Handwerks ein durchaus naturwüchsiger Antisemitismus entwickelt hat, der sich, wie es solchen blinden Volksbewegungen eigen zu sein pflegt, an die greifbare Form (das Judentum), statt an den inneren Kern (den Kapitalismus) hält. Erinnere man sich nun, bitte, was den Anlass zu diesen Auseinandersetzungen über die ökonomische Veranlagung des Judentums und seiner Funktion im modernen Wirtschaftsleben gegeben hatte: es war die Feststellung gewesen, dass Deutschland seinen wirtschaftlichen Aufschwung während des neunzehnten Jahrhunderts (soweit er durch die Eigenart seiner Bevölkerung bedingt ist) unter anderem dem Vorhandensein seiner jüdischen Einwohner verdankt. Um die Richtigkeit dieser Behauptung zu erweisen, wird es nun aber noch einiger ergänzender Bemerkungen bedürfen. Zunächst der Konstatierung, in welchem Verhältnis jüdische Elemente in unsern Volkskörper eingestreut sind. In Deutschland sind von 10 000 Einwohnern 111 jüdischer Konfession. Mit dieser Ziffer wird natürlich der Prozentsatz der Bevölkerung jüdischer Rasse nicht vollständig ausgedrückt, aber die Statistik kennt keine andere Ziffer als die der Konfessionen, wir müssen uns also mit diesen begnügen. Sie genügen aber auch für unsere Zwecke. Für diese kommt es nur daraut an, festzustellen, in welchem Verhältnis sich Juden im Deutschen Reiche aufhalten im Vergleich zu anderen Ländern, von denen wir ebenfalls nur die Konfessionsziffer kennen. Da ergibt sich denn, dass gerade so gross wie in Deutschland der Anteil der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von Amerika ist. Ist es da voreilig, zu sagen: dass wir gerade im richtigen Verhältnis mit Juden durchsetzt sind, in solchem Verhältnis, wie es für den wirtschaftlichen Aufschwung, der in den beiden genannten Ländern während des letzten Menschenalters am grössten ist, am fördersamsten erscheint? Und dass Skandinavien, Italien, Spanien, Frankreich, ja selbst Grossbritannien hinter uns und den Vereinigten Staaten auch deshalb zurückbleiben, weil sie zu wenig Juden haben? In Grossbritannien sind von 10 000 Einwohnern 20 Juden, in Italien nur 15, in Frankreich 14, in Schweden 7, in Spanien noch nicht 1. Während umgekehrt Länder, in denen die Juden allzu zahlreich sind, in ihrer wirtschaftlichen Entwickelung aus naheliegenden Gründen aufgehalten werden. Ein Beispiel dafür ist Rumänien, wo auf 10 000 Einwohner 450 Juden entfallen. Für Deutschlands Juden kommt aber noch ein anderer Umstand in Betracht, der ihnen für unser Wirtschaftsleben eine ganz besondere Bedeutung verleiht: ich meine ihre immer erst halb durchgeführte Gleichberechtigung im Staatsleben. Es ist eine bekannte Tatsache, dass der Jude heute bei uns noch immer auf Schranken bei der Wahl seines Berufes stösst: Armee und Verwaltung sind ihnen gänzlich verschlossen, der Lehrerstand, die Justiz und andere Berufssphären noch keineswegs völlig freigegeben. Dadurch wird bewirkt, dass viele gerade der intelligentesten Juden im Wirtschaftsleben festgehalten werden. Während beispielsweise die wenigen Juden, die Frankreich hat, im Staatsdienst, in der Armee und Zivilverwaltung grösstenteils aufgegangen sind, so dass nun das Mehl der französischen Volkswirtschaft doppelt empfindlichen Mangel an dem Sauerteige leidet, den die jüdischen Elemente mit ihren geschilderten aufreizenden Eigenschaften heutigentages darstellen.