Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Bedeutung des Einschlages jüdischer Elemente für Deutschlands Wirtschaftsleben
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 25 - 26 (sequence 2)
- Language
- German
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25 Prof. Dr. Werner Sombart: Die Bedeutung des Einschlages jüdischer Elemente für Deutschlands Wirtschaftsleben. 26 Aber diese Einsprengung romanischer Elemente in die germanisch-keltisch-slawische Bevölkerung Deutschlands tritt doch an Bedeutung für den Gang der wirtschaftlichen Entwickelung ganz erheblich zurück, wenn wir sie in Vergleich stellen mit einem anderen Einschlag eines ethnisch lebendigeren Volksstammes, der, wie mir scheint, einen Einfluss von ganz ungeheurer Tragweite auf die Gestaltung unseres Wirtschaftslebens ausgeübt hat; ich meine natürlich den Einschlagjüdischer Elemente. Wenn man auch in der Abschätzung dieses Einflusses nicht so weit zu gehen braucht, wie der grösste Jude, den das neunzehnte Jahrhundert hervorgebracht hat, Karl Marx, der schlechthin meint, dass „der praktische Judengeist zum praktischen Geist der christlichen Völker geworden" sei und „die Juden sich insoweit emanzipiert haben, als die Christen zu Juden geworden sind", dass „das reale Wesen des Juden sich in der bürgerlichen Gesellschaft verwirklicht", dass mit anderen Worten moderne, kapitalistische und jüdische Wirtschaft identische Begriffe seien, so wird man doch zugeben müssen, dass unser Wirtschaftsleben, wie es sich im neunzehnten Jahrhundert gestaltet hat, ganz undenkbar wäre ohne die Mitwirkung der Juden. Stellt man sich auf den Standpunkt der neuzeitlichen Entwickelung des Wirtschaftslebens, betrachtet man die Entfaltung kapitalistischen Wesens und damit die Freisetzung starker produktiver Kräfte als einen Fortschritt, legt man Wert auf den Rang, den ein Land heute auf dem Weltmarkte einnimmt, so kann man gar nicht umhin, die Existenz jüdischer Wirtschaftssubjekte als einen der grössten Vorzüge anzuerkennen, über die dieses Land in ethnischer Hinsicht verfügt: si le juif n'existait pas, il faudrait l'inventer. Das werde ich wohl, umstritten wie diese wichtige Frage ist, etwas eingehender begründen müssen, so schwer es hält, in völlig einwandsfreier Weise hier die Zusammenhänge klarzustellen. Ist es schon in jedem Falle ein gewagtes Beginnen, von einem Volke oder einer Rasse bestimmte Eigenschaften auszusagen, so erscheint dies bei dem jüdischen Volke ganz besonders bedenklich. Denn kein Volk ist so voller Gegensätze wie diese wundersame Rasse in ihrer bunten Mischung aus allerhand disparaten Elementen. Immerhin wird man doch, denke ich, wenn man (um wieder mit Marx zu reden) nicht den „Sabbatjuden", sondern den „wirklichen, weltlichen Juden, den Alltagsjuden" betrachtet, wie er doch allein für die wirtschaftlichen Verhältnisse in Betracht kommt, einige typische Charakterzüge feststellen können, die in ihrer Bedeutung für das Wirtschaftsleben leicht zu ermessen sind. Wiederum scheint mir die Zeichnung des jüdischen Nationalcharakters, wie sie der eigene grosse Stammesgenosse vornimmt, nicht völlig getreu, wenn er schreibt: „Welches ist der weltliche Zug des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld." Aber ich denke doch, dass wesentliche Seiten des jüdischen Wesens, wenn auch stark stilisiert, in diesen Sätzen richtg bestimmt sind. Ich möchte in etwas anderer Fassung drei Seiten des jüdischen Nationalcharakters als besonders bedeutsam für die Rolle betrachten, die die Juden im modernen Wirtschaftsleben spielen: das Vorwalten des Willens, den Eigennutz und die Abstraktheit ihrer Geistesbeschaffenheit. Dass in der jüdischen Rasse die hervorstechende Eigenschaft ein durch nichts von seinem Ziele abzubringender Wille ist, darin stimmen alle aufmerksamen Beobachter überein. Die Zähigkeit, mit der der Jude einen Vorsatz ausführt, befähigt ihn aber in eminentem Masse dazu, im Wirtschaftsleben, ich möchte sagen, eine grosse dynamische Wirkung auszuüben: Schritt für Schritt, unentwegt zieht er seine Strasse; aus meist kleinsten Anfängen, wie wir alle wissen, durch alle Stufen der wirtschaftlichen Tätigkeiten hindurch, sie alle einzeln durchmessend, vom Nächstliegenden zum Naheliegenden schreitend, ohne sich durch noch so viele Widerwärtigkeiten irre machen oder abschrecken zu lassen, die kleinsten Vorteile wahrnehmend, klettert er in die Höhe. So oft ihn Missgeschick ereilt, immer wieder rappelt er sich auf; wie die Katze fällt er immer auf die Beine. Der starke Familiensinn, die grosse Nüchternheit der Lebensführung (solange er noch nicht am Ziele ist) befördern seine Strebungen: was er selbst nicht erreicht hat, wird der Sohn, wird der Enkel erreichen. Immer unverdrossen weiter! Immer betriebsam! Immer treibend! Ein rechter Sauerteig! Eng im Zusammenhange mit diesem starken Willen steht die unzweifelhafte Veranlagung der o o jüdischen Rasse zum Eigennutz, oder wie es Marx nennt, zum praktischen Bedürfnis. Jedermann kennt den Ausspruch eines anderen grössten Stammesgenossen — Spinozas —: „Um das, was