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Ost und West · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 23 - 24

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Die Bedeutung des Einschlages jüdischer Elemente für Deutschlands Wirtschaftsleben
Date
1904-01-01
Page
Seite 23 - 24 (sequence 1)
Language
German
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23 24 DIE BEDEUTUNG DES EINSCHLAGES JUEDISCHER ELEMENTE FÜR DEUTSCHLANDS WIRTSCHAFTSLEBEN.*) Von Piof. Dr. W Fragen wir, wodurch ein Staat Einfluss auf die Eigenart der in seinen Grenzen lebenden Bevölkerung gewinnen kann, so muss die erste Antwort lauten: durch die blosse Tatsache, dass er sie einschliesst und zu einer Einheit zusammenfügt. Denn da heute fast überall auf der Erde ein buntes Gemisch der verschiedensten Rassen oder doch wenigstens Kreuzungen von Unterarten derselben Rasse durcheinander wohnen, so ergibt sich bei der beliebigen Absteckungstaatlicher Grenzen, wie sie der blinde Zufall im Laufe der Jahrtausende bewirkt hat, eine ganz bestimmte Zusammensetzung der verschiedensten ethnischen Elemente. Ein historisches Staatsgebilde stellt also gleichsam ein Rezept dar: rec. so und so viel Germanen, Slawen, Kelten, Juden usw. Und ich brauche die verehrte Leserin nur daran zu erinnern, wie schon ganz kleine Veränderungen in der Quantität und Qualität der einzelnen Ingredienzien einer Speise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen iühren können, hier zu einem Plumpudding und dort zu einem deutschen Rosinenkuchen, um ihr den nötigen Respekt vor der Bedeutung historischer Rassenkomposita zu verschaffen. Gerade Deutschlands Bevölkerung stellt nun aber ein ausserordentlich kompliziertes Gemisch von allerhand Völkern dar, und mir scheint, dassinderglücklichen ethnischen Mischung, wie sie durch die Abgrenzung des Zollvereins und danach des Deutschen Reichs herbeigeführt ist, eine wesentliche Erklärung für sein rasches wirtschaftliches Emporblühen im v neunzehnten Jahrhundert zu finden ist. Zunächst ist, wie bekannt, in keinem Lande *) Es dürfte für unsere Leser gewiss von hohem Interesse sein, die Ansichten des berühmten Nationalökonomen, Verfassers des grundlegenden und epochalen Werkes „Die deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert" (Berlin, Georg Bondi, 1903) über die wirtschaftliche Rolle des jüdischen Volkes kennen zu lernen. Die diesbezüglichen Ausführungen des Verfassers in dem erwähnten Werke erfuhren verschiedene, mitunter widersprechende Beurteilungen. Daher wird es unseren Lesern gewiss willkommen sein, sich über Sombarts Ansichten unmittelbar ein Urteil bilden zu können. Es bedarf natürlich nicht erst der besonderen Betonung, dass wir keineswegs in allen Punkten mit dem Verfasser übereinstimmen. Red. von „Ost und West". erner Sombart. (Nachdruck verboten.) eine so starke Vermischung von Germanen, Kelten und Slawen, also der drei verwandten indoeuropäischen Stämme erfolgt, wie in Deutschland. Und das war gut. Denn soviel wir zu erkennen vermögen, ist keiner der drei Stämme in seiner Reinheit so entwicklungsfähig, wie eine richtige Mischung der drei. Speziell für das moderne Wirtschaftsleben wiederum bedeuten die ethnischen Gegensätze, wie sie das heutige Deutschland enthält, eine wesentliche Förderung. Schwaben und Sachsen stellen gleichsam die beiden Seiten der kapitalistischen Organisation: Spekulation und Kalkulation, Initiative und Ausführung, Synthese und Analyse dar. Nun dürfte es aber wohl keinem Zweifel unterliegen, dass die genannten Stämme, wenn auch Kelten und Slawen in etwas geringerem Masse als die Germanen, wo sie rein auftreten, also wie etwa in den Niederungsgebieten zwischen Weser und Elbe, im Laufe der Jahrhunderte eine Völkermasse geworden sind, die der rechten Beweglichkeit entbehrt. Um das beliebte Bild zu gebrauchen: Mehl ohne Sauerteig. Damit ein recht schöner Kuchen daraus werde, bedarf es solchen ethnischen Sauerteigs. Und es scheint mir nun abermals eine wichtige Eigenart des deutschen Volkstums, dass es diesen während der letzten Jahrhunderte im rechten Mengenverhältnis erhalten hat. Was in früherer Zeit zur Heranbildung eines intelligenten, umsichtigen, industriellen Unternehmertums, dessen wir uns im neunzehnten Jahrhundert zu erfreuen hatten, gewiss mit beigetragen hat, scheint mir das französische Emigrantentum zu sein. Es ist bekannt, dass viele der tüchtigsten Fabrikanten Frankreich aus religiösen Gründen verlassen mussten, und dass ein grosser Teil davon in deutschen Landen sich angesiedelt hat. Von der Industrie der Rheinprovinz, Berlins und anderer Gebiete geht ein nicht unbeträchtlicher Prozentsatz auf französischen Ursprung zurück. Und ich glaube, es heisst nicht zu viel behaupten, wenn man feststellt, dass Frankreichs Volkswirtschaft noch heute den Verlust jener Elite von Unternehmern empfindlich verspürt

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