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Ost und West · 1907-12-01 · Heft 12 (Dezember 1907) · p. Seite 785 - 786

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 12 (Dezember 1907)
Article
Heine im Hebräischen
Date
1907-12-01
Page
Seite 785 - 786 (sequence 4)
Language
German
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735 Samuel Meiseis, Charlottenbit rg: Heine im Hebräischen. 786 setzen; man kann selbst ein Poet sein, und doch Verständnis und Gefühl für Heinesche Dichtungen nicht besitzen. Was hat Mandelkern aus dem Heineschen „Halevy" gemacht? Zunächst hat er die leichtbewegten vierfüssigen Trochäen in langatmige Verse zu je vierzehn Silben umgetauscht. Dann hat er den gekreuzten Eeim (Schema: a. b. a.b.) verwendet. Und schliesslich überschritt er vollends das Mass des für einen Uebersetzer Zulässigen, indem er sich Aenderuügen im Text, Abkürzungen, Ergänzungen und allerhand Korrekturen erlaubte. Die einleitende Strophe „Lechzend klebe mir die Zunge usw.", die doch nur mit dem bekannten Psalmvers rückübersetzt zu werden brauchte, lautet bei Mandelkern wörtlich: „Es klebe meine Zunge an dem Gaumen und es welke mein Gaumen im Schlünde, mein Mund sei in Staub gesteckt, verstummt die Lippen, vergessen meine Rechte, zerbrochen mein Arm wie ein Schilfrohr — vergesse ich jemals dein, Tochter Jerusalems \" — Das ist weder heitiisch noch sonst poetisch. Die herrlichen hochpoetischen Verse: „Und es hat der goldne Tajo Ihm sein Wiegenlied gelullet" behagten offenbar Mandelkern nicht. Demi der Uebersetzer, will es besser machen als Heine, und lässt das Wiegenlied von der Mutter Halevj\s singen. Er ist so freigebig, ihr ein Wiegenlied von vierundsechzig Versen in den Mund zu legen. Ein „kleiner'' Zusatz vom Uebersetzer, um Heines Poesie poetischer zu gestalten! In einer Fussnote ist der Vermerk, dass das Wiegenlied nicht von Heine, sondern vom Uebersetzer stammt. Für Uneingeweihte war dieser Vermerk notwendig, für den aber, der auch nur ein Gedicht von Heine im Original gelesen — überflüssig. . . Zum Schluss des dritten Kapitels fügt Mandelkern eine Strophe aus Halevys Divan bei. Sie kommt an die Stelle des häufig erwähnten Heineschen „Schnitzers", das Lecho-daudi-Lied betreffend, dessen Verfasser nicht Jehuda Halevy, sondern Salomo Alkavez war. Die Strophe, in der Heine seiner Geliebten den gutgemeinten ßat erteilt, das Hebräische zu erlernen, um Gabirol, Ibn Esra und Halevy im Original lesen zu können, schliesst bei Mandelkern mit den Worten: „Komm, ich unterrichte dich zu Nutz und Frommen, und zwar unentgeltlich." Das konnte Heine nicht gesagt haben. Hebräischen Unterricht erteilen, war nicht Heines starke Seite. Es sind berechtigte Zweifel vorhanden, ob Heine überhaupt die „pittoreske altchaldäische Quadratschrift" geläufig lesen konnte. Aus dem letzten Passus ersieht man, dass Mandelkern mehr an sich als an Heiae dachte. Mag sein, es seien Kleinigkeiten, aber gerade bei Heine, dem Meister EUGEN SPIRO OELGEMAELDE. Portrait des Schriftstellers B. (Zum Artikel »Ausstellung jüdischer Künstler«.) des Wortes, fallen sie schwer in die Wage. Der „Hale\y" ist wie aus einem Guss; fängt man an, an ihm herumzubosseln, so macht man sich schuldig, ein Kunstwerk zerstört zu haben. Der Herausgeber des Kneseth Jisrael schreibt: „Mandelkern konnte und wollte nicht der Diener Heines sein". Als Uebersetzer musste ers. Der Zweck einer Uebersetzung ist, das Lesepublikum mit einem fremden Dichter bekannt zu machen, mit dem Dichter, wie er ist, nicht wie ihn der Uebersetzer haben möchte. . . Aus der Mandelkernschen Uebersetzung könnte man den Schluss ziehen, Heines Lieder eigneten sich nicht zum Uebersetzen ins Hebräische. Die Uebersetzungen in den letzten Dezennien beweisen das Gegenteil Keines zweiten Dichters Lieder besitzen in der hebräischen Sprache einen solchen Wohlklang, wie die Heines. Sie muten so vertraut, so heimisch an, als wären diese Töne irgendwo und irgendwann in den Zelten Jakobs schon gehört worden. Wird maus glauben? In der „heiligen Sprache" durchweht die Liebesweisen Heines ein Geist der Heiligkeit — Hohelied-Stimmung. . . Die Uebersetzungen der junghebräischen Schriftsteller sind in ihrer Mehrzahl gelungen; sie geben den

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