Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- Heine im Hebräischen
- Date
- 1907-12-01
- Page
- Seite 787 - 788 (sequence 5)
- Language
- German
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787 Samuel Meiseis, Charlottenburg: Heine im Hebräischen. 78S eleganten Stil Heines wieder, ohne dem Geist der hebräischen Sprache Gewalt anzutun. Es würde zu weit führen, alle ins Hebräische übersetzten Gedichte Heines aufzuzählen. Es sollen hier einige der gelungensten erwähnt werden: An Eäom — Brich aus in lauten Klagen — Der Vorhang fällt — Vergiftet sind meine Lieder — Gaben mir Eat und gute Lehren — Waruni sind die Rosen so blass — Die Fragen — Nacht lag auf meinen Augen — Es liegt der heisse Sommer auf deinen Wängelein — Ich habe im Traume geweinet — Im wunderschönen Monat Mai —Aus meinen Tränen spriessen — AVenn ich in deine Augen seh — Lehn deine Wang an meine Wang — Ich will meine Seele tauchen in den Kelch der Lilie hinein — Auf Flügeln des Gesanges — Die Lotosblume ängstigt — 0 schwöre nicht und küsse nur — Und wüsstens die Blumen, die kleinen — Mir träumte yon einein Königskind. (Haasyf 1887; Kneseth jisrael 1887; Pardes 1895; J. KAUFMANN Trauer um den Toten. (Zum Artikel „Ausstellung jüdischer Künstler".) Sepher haschanah 1900—1901; Luach achiassaf; Meassef 1902). Als Heine-Uebersetzer wären u. a. za nennen: I. Borochowitz, S. L. Gordon, I. Kaplan, A. Liboschitzki, A. L. Münz, J. Papirna, Noa Pins, Ch. Rabbinowitz, Nathan Samuely und Zwi Scherschewski. Aucli kleinere Auszüge, Gedankensplitter aus den prosaischen Werken Heines sind zerstreut in mehreren hebräischen Zeitschriften erschienen, darunter „Heine-Gedanken" (Achiassaf 1893) von der hebräischen Schriftstellerin Pua Rakowski. Nimmt man alles zusammen, was zurzeit von Heine im Hebräischen vorliegt, so dürfte es kaum mehr als den zwanzigsten Teil seines Gesamtwerks ausmachen. Heine im Hebräischen ist nur ein Miniaturbild des deutschen Heinrich Heine. Wir kömien aus den vorliegenden Uebersetzimgen seine Grösse als Dichter ahnen, aber sie tritt nicht lebenskräftig genug vor unsere Augen. Nichtdestoweniger ist dem hebräischen Leser Gelegenheit gegeben,Heinrich Heine in seiner ganzen Vielgestaltigkeit kennen, lieben und schätzen zu lernen. Es existiert nämlich eine Heine-Biographie in hebräischer Sprache. Das Buch trägt den vielsagenden Titel „Mimkor Jisrael" (Aus jüdischer Quelle) und sein Verfasser ist Eleasar Schulmann. Schulmann war ein Gelehrter, ein Mann von Geist und von einer Gründlichkeit, die an die alten Rabbinen erinnert. Die Heine - Biographie ist eines der besten Werke Schulmanns. Wir kennen Schriften für und wider Heine, gehässige Pamphlete, die ihn in den schwärzesten Farben malen, und Werke voll von Lobhudeleien, die über das Ziel hinausgehen. Schulmann stellt alle Parteilichkeit in den Hintergrund und bleibt in jeder Hinsicht objektiv. Er sucht Heine zu verstehen, das Verzeihen — wo es erforderlich ist — ergibt sich von selbst. Wäre dies Bnch in einer modernen Sprache abgefasst, sein Verfasser stünde heute neben den bedeutendsten Heine- Forschern in der vordersten Reihe. Dieses Buch ist das schönste Denkmal, das ein hebräischer Schriftsteller dem Dichter Heine setzen konnte und — es ist das erste Denkmal, das in der hebräischen Literatur einem nicht hebräischen Dichter gesetzt worden ist. OELGEMAELDE.