Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- Heine im Hebräischen
- Date
- 1907-12-01
- Page
- Seite 783 - 784 (sequence 3)
- Language
- German
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7S3 Samuel Meiseis, Charlottenburg: Heine im Hebräilchen. 734 sagen: ohne moralische Tendenz. — Gemäss dieser Neigung zur Grübelei und zum Moralisieren hatten auch die hebräischen Schriftsteller lange gezögert, in das Fremdenregister der neuhebräischen Literatur, wo so viele Dichter und Denker Aufnahme fanden, Heinrich Heine einzutragen. Das erste Heinesche Gedicht, das in einer hebräischen Uebertragung erschien, ist — soweit ich es feststellen konnte — das Gedicht „Frau Sorge". (Kochbe jizchak 1853, Heft 18.) Der Uebersetzer heisst S. Allerhand. Die Uebersetzung ist weder gut noch schlecht, jedenfalls in einem Stile, der mit dem graziösen Stil Heines nichts gemein hat. Erst neun Jahre später finden wir in derselben Zeitschrift einen Sinnspruch Heines übersetzt vom philosophischen Schriftsteller Fabius Mises. (ibid. 1862, Heft 27.) Bedenkt man, dass die Kochbe yizchak von 1847 bis 1873 erschienen sind und dass sie zumeist von Uebersetzungen genährt wurden, so müsste die Auslese von bloss zwei Gedichtchen aus dein reichen Liederschatz Heines ein Kopfschütteln hervorrufen, wenn die oben angeführten Gründe diese Erscheinung nicht einigermassen erklärten. Ich finde es besonders beachtenswert, dass gerade „Frau Sorge" die Uebersetzungslust eines hebräischen Schrittstellers erregte, während doch in erster Eeihe Heines Hebräische Melodien ins Hebräische übertragen zu werden verdienten. Man kann an der ersten Auswahl aus den Werken der verschiedensten Dichter, die sie der Uebersetzung für wert befunden, das Innenleben und die Gedankensphäre der damaligen hebräischen Schriftsteller studieren. Von Schiller übersetzten sie den Chorgesang: „Durch die Strassen der Städte, vom Jammer gefolget, schreitet das Unglück", den Brand aus der „Glocke", von Goethe „Wer nie sein Brot mit Tränen ass", von Shakespeare den Sein- oder Nichtsein-Monolog, Youngs „Nachtgedanken", aus Tiedges Urania „Der Zweifler", und — Kotzebues „Ausbruch der Verzweiflung". Bei Heine hatte es ihnen just die „Frau Sorge" angetan: Das Glück ist fort, der Beutel leer, Ich 'kab auch keine Freunde mehr . . . N. SICHEL Valeska. (Zum Artikel „Ausstellung jüdischer Künstler".) OELGEMAELDE. An meinem Bett in der Winternacht Als Wärterin die Sorge wacht. Auch der bekannte Poet Max Letteris hat einige Gedichte Heines ins Hebräische übertragen. Im Jahrbuch „HaasyP (1885) findet sich das Gedicht „Belsazer" in einer ziemlich wortgetreuen Uebertragung von „Abner". Den Hebräischen Melodien in einem hebräischen Gewände begegnen wir erst dreissig Jahre nach dem Tode des Dichters. K. A. Schapira lieferte eine gelungene Uebersetzung der „Disputation"; Salomon Mandelkern übersetzte „Prinzessin Sabbath" (Ozar hasifruth, III. Jahrgang 1890; Schire s'fath ebher II. Teil) und „Jehuda Halevy" (Kneseth jisrael 188G). Zu der Uebersetzung des Gedichtes „Jehuda Halevy" sind einige Bemerkungen notwendig, weil der „Halevy" eine der köstlichsten Dichtungen Heines ist, und weil Mandelkern zu den anerkanntesten hebräischen Poeten gehört. Wer Mandelkerns Originaldichtungeu kennt, wird zugeben, dass er ein starkes poetisches Talent wrar. Aber man kann eigene Dichtungen gut schreiben und fremde schlecht über-