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Ost und West · 1907-12-01 · Heft 12 (Dezember 1907) · p. Seite 777 - 778

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 12 (Dezember 1907)
Article
Die Sänger
Date
1907-12-01
Page
Seite 777 - 778 (sequence 5)
Language
German
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777 Hermann Menkes: Die Sänger. 778 einer Zärtlichkeit, deren er bis dahin nie fähig gewesen. Singe, singe!" schluchzte er flehend. jjc # * Und so geschah es, daß der liebeleere und verbitterte Ruhen etwas in der Welt gefunden hatte, das er mit aller Zärtlichkeit seines kargen Empfindens liebte: Den zarten Knaben Löhls. Von ihm erhoffte er, daß er seine Seele erlösen werde. Ihm vertraute er seine Weisen an, die er bisher, hilflos und häßlich verzerrt, stammeln mußte. Sang dann der K nabe, so war es Rüben, als ob er selbst singen würde und mit seinem Gotte in süßen, zarten Tönen Zwiegespräche hielte. In die Einsamkeit des kleinen, alten und verlassenen Friedhofes führte er das Kind, und unbelauscht formte er hier dessen Stimme. Aus den verfallenen Gräbern stieg es empor wie Weinen, und jubelte die Stimme des Kindes, so zitterte Yogelsang mit und die Schwalben erhoben sich und strebten durch die Lüfte der Sonne zu. Jetzt ging Rüben mit strahlendem Gesicht und wie mit einem heimlichen Glück herum. Er wartete und sah einem großen Tag entgegen. Inzwischen neigte sich und versank still der Sommer mit der dürftigen Schönheit, die er für die Judengasse übrig hatte. Da und dort wie aus Ruinen, begann ein kleiner Strauch hart an der Mauer in dunklem Rot zu erglühen. Die Fliegen summten matt durch die klare Luft, und die Sonnenblumen standen gebrochen und ihrer Körner beraubt vor den schiefen und halbmorschen Häusern. In den Frühstunden klangen gebrochen und an Tage des himmlischen Gerichts gemahnend die Töne des Widderhorns aus der Syna- SIMEON SOLOMON ZEICHNUNG. Abraham und Isaac. (Zum Artikel „Ausstellung jüdischer Künstler".) M. B. LEW Interieurs aus der Bretagne. (Zum Artikel „Ausstellung jüdischer Künstler".) OELGEMAELDE. goge. Das war das Neujahr und. der große Versöhnungstag, die sich ankündigten. Der Tag des Neujahr war voll von Strahlen der Sonne und Köstlichkeit. Vor dem Almemor stand Rüben, von den wenigen Chorsängern umgehen, die er für sich werben konnte. Seine Stimme klang still und sanfter als sonst, als er die ersten Gebete hersagte. In Sterbekitteln, die Gebetbücher tief über die harten oder gerunzelten Stirnen gezogen, die Arme bald flehend emporgestreckt, bald die Fäuste zu Schlägen gegen die eigene Brust geballt, standen die Beter. Es war das Schemonah essra-Gehet, das sie still hersagten. Daselbe Gebet griff dann der Vorbeter auf und kam zu dem strahlenden Lobgesang der Ke du schab. Da

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