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Ost und West · 1907-12-01 · Heft 12 (Dezember 1907) · p. Seite 765 - 766

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 12 (Dezember 1907)
Article
Das jüdische Sprichwörterbuch
Date
1907-12-01
Page
Seite 765 - 766 (sequence 4)
Language
German
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765 Dr. B. Rohatyn, Krakau: Das jüdische Sprichwörterbuch. 766 BENNO BECKER diese Leser ist auch das am Schlüsse des Bandes beigefügte Glossar bestimmt, eine auch an sich sehr wertvolle und gediegene Leistung. Es enthältVerzeichnis und Erklärung aller in den Sprichwörtern vorkommenden hebräischen, fremdsprachlichen und älteren deutschen Ausdrücke, Redewendungen und Phrasen. Hier ist ein reichhaltiges, sehr sorgfältig durchgearbeitetes linguistisches, ethnographisches und kulturhistorisches Material aufgespeichert. Da begegnet man so mancher Erklärung, die man in den besten und umfangreichsten Wörterbüchern vergebens suchen würde. Was nutzt es mir, wenn ein Wörterbuch das Wort „mizwah" ganz korrekt mit „Gebot" übersetzt? Was für eine zarte Nebenbedeutung das Wort im Munde eines Juden hat, erfahre ich doch nicht. Oder wenn ich z. B. Dalmanns Aruch befrage, was ein „Eruv" heisst, und mir gesagt wird, es sei eine „Vermengung von Häusern", so werde ich nicht viel klüger daraus. * * >|c Nun wäre es zuviel verlangt von einem Rezensenten, dass er ein Buch bespreche, ohne zu zeigen, dass er es, wenigstens iu einigen Punkten, doch besser verstehe als der Verfasser. Der Leser möge es mir daher nicht verübeln, wenn ich einige Ausstellungen vorbringe. Zunächst was die Orthographie betrifft, scheint mir das ,.e" iu den Silben „ver", „be';, „ent" u. dgl. neuern Ursprunges, die ältere Literatur hatte hier stets ein „a" und so lautet noch heute die Aussprache der älteren Generation, die dem Mittelhochdeutschen näher kommt. Das Participium perfecti von ,,nemen" (nehmen) sollte „genümen" lauten, aus dem „ü" wurde in neuerer Zeit ein „e", wie denn jener. J-Laut die Tendenz hat, in ein „e" überzugehen. „Dermahnen" (erinnern) ist unrichtig, das ist das deutsche „ermannen"; aus „mahnen" ist im jüdischen „muhnen" geworden, wie aus „zahlen" — „zuhlen". — Zu den Sprichwörtern und deren Erklärungen: In der Gruppe „Urem-man" vermisse ich ein sehr hübsches Sprichwort: „Dem Armen glaubt man nicht eher, dass er krank ist, bis er auf dem Totenbett liegt." — „Gott beschert dem Trinker seinen Wein und der Spinnerin ihren Flachs" (so soll der richtige Text lauten!) stammt der ersten Hälfte nach aus einer im Esther ßabbah, V, 1, erwähnten hübschen Anekdote. No. 4ß desselben Schlagwortes Landschaft. (Zum Artikel „Ausstellung jüdischer Künstler".) OELGEMAELDE. bedeutet: Gott möge uns behüten vor einer Sorge, nämlich einer so schweren, die die alltäglichen leichteren in den Hintergrund drängt. „Mau traue nicht der Frau daheim und dem Pferd unterwegs" ist kein jüdisches, sondern ein polnisches Sprichwort. Der Verfasser hat es unzweifelhaft aus dem Munde eines Juden gehört, aber dieser dürfte es gewiss mit dem Bewusstsein zitiert haben, dass es ein fremdes Sprichwort ist. Man braucht nur in Adalbergs polnischem Sprichwörterbuch das Kapitel „Weib" nachzulesen und es mit dem entsprechenden Kapitel hier zu vergleichen, um sich zu überzeugen, dass das genannte Sprichwort dort und nicht hier am Platze ist. No. 16 desselben Schlagwortes beruht auf einem Wortspiel zwischen „misse" (Tod) und „miüsse" (hässliche Frau). — Das Sprichwort: „In Halicz ist drei Tage Rosch-chodesch" beruht darauf, dass die in dem genannten Städtchen ansässigen Karäer das Neumondfest einen Tag später als die Juden begehen. — Das unter dem Schlagwort „Führen" befindliche Sprichwort ist in der Transkription unrichtig gedeutet. Es wird gebraucht, um einen hinkenden, unpassenden Vergleich zu kennzeichnen. — Das Sprichwort: „Wer gut kriechen kann, kriecht hinauf1 ist kein jüdisches. Im Jüdischen hat „kriechen" nur die Bedeutung yon „langsam gehen", nicht aber von schmeicheln, schweifwedeln. — „Der Bastard hat einen guten Kopf" stammt aus dem Talmud (Soferim 15; Jeru. Kid. IV, 11) wo es heisst, die meisten Bastarde seien schlau (pikkchin). — Das Sprichwort: „Entweder der Herr wird sterben oder sein Hund", beruht auf einer hübschen Anekdote von dem Mann, dem sein Herr drohte, ihn aus dem Hause

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