Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- Das jüdische Sprichwörterbuch
- Date
- 1907-12-01
- Page
- Seite 763 - 764 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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763 Dr. B Rohatyn, Krakau: Das jüdische Sprichwörterbuch. 764 A. PISSARO OELGEMAELDE. Landschaft. (Zum Artikel »Ausstellung; jüdischer Künstler' Zeit langende hebräische Gnomenliteratur aber nicht berücksichtigt worden. Wie mir scheint, mit Recht; denn bei diesen späteren Quellen kann man nie wissen, ob sie das Volkssprichwort oder dieses jene angeregt hat. Nur Eliah Bachur wird einmal zitiert, aber da handelt es sich um ein Sprichwort, das ganz in hebräischer Fassung erscheint und dem genannten Autor direkt entlehnt ist. Und nun zur Transskription in die lateinische Schrift, welche dem des Hebräischen Unkundigen die Lektüre und das Verständnis möglich machen soll. Ich muss gestehen, dass ich von jeher jede Transskription eines Textes in eine ihm fremde Schrift perhorresziert habe; zumal die wenigen Versuche, die inbezug auf jüdische Texte in den letzten Jahren gemacht wurden, haben mir infolge ihrer Unkorrektheit und Stillosigkeit einen förmlichen Widerwillen eingeflösst. Und so habe ich denn die vorliegende anfanglich mit grossem Misstrauen betrachtet, und sie verdarb mir die aufrichtige Freude an dem ganzen Werk. Ein näheies Studium hat mich jedoch überzeugt, dass diese Transskription der Germanistik, der vergleichenden Phonetik und dem Folklore ganz unschätzbare Dienste zu leisten imstande ist. Der Verfasser hat sich bemüht, wie er in der Einleitung näher auseinandersetzt, vermittelst der Transskription die Aussprache des Originals phonetisch genau wiederzugeben. Der oberflächliche Leser wird den Text glatt herunterlesen. Aber erst wer genau zusieht, wird bemerken, welch ein kompliziertes und sinnreiches System erdacht werden musste, um dieses Ziel zu erreichen, der Verwechselung ähnlich lautender Wörter vorzubeugen, der Etymologie Geltung zu verschaffen und die hybriden Formen darzustellen. Und mit welch peinlicher Genauigkeit alle die minutiösen Distinktionen das ganze Buch hindurch festgehalten sind, ohne irgendwie auffällig zu werden. Das muss ein verteufelt schweres Stück Arbeit gewesen sein. Besondere Schwierigkeiten boten sich der Transskription der sehr zahlreichen hebräischen Wörter, der nicht die sog. sephardische. sondern die volkstümliche „polnische" Aussprache zu Grunde gelegt wurde. > Doch wrurden diese Wörter nicht nach der nonchalanten Aussprache des alltäglichen Gebrauchs transskribiert, sondern „nach der relativ korrekteren, wie man sie von jedem schriftkundigen Juden hören kann, wenn er z. B. aus der Thora vorliest, oder ein Gebet rezitiert." Gleichwohl hat der Verfasser in manchen Fällen in der Transskription der vulgären Aussprache Konzessionen machen müssen, da wohl sonst der transskribierte Text etwas gezwungen und geziert herausgekommen wäre. Um nur ein Beispiel zu nennen, lautet das Wort „schamoss" (Synagogendiener) im Original richtig „schamosch". Alle diese Fälle hätten m. E., um Missverständnisse zu vermeiden, in der Vorrede einzeln hervorgehoben werden müssen. Allenfalls bieten sich hier zum ersten Male authentische, reichhaltige, mit grosser Akribie und gründlicher Sachkenntniss durchgeführte Belege für die nichtsephardische Aussprache des Hebräischen, und die Orientalisten mögen nun versuchen, die von Luzatto angeschnittene Frage nach dem Ursprung der beiden Aussprachen auf dem Wege vergleichender Phonetik der Lösung näher zu bringen. Aeusserst gelungen sind die Erklärungen, (oft sind es vollständige Uebersetzungen), die auch in der Transskription den weitaus meisten Sprüchwörtern beigefügt sind und den nichtjüdischen Lesern das Verständnis sehr erleichtern werden. Unter nichtjüdische verstehe ich alle, die sich der hebräischen Schrift nicht bedienen können, einerlei, ob sie Juden sind oder nicht. Vorwiegend für