Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- Das jüdische Sprichwörterbuch
- Date
- 1907-12-01
- Page
- Seite 767 - 768 (sequence 5)
- Language
- German
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767 Dr. B. Rohatyn, Krakau: Das jüdische Sprichwörterbuch. 768 zu werfen, wenn er nicht seinen Lieblingshund bis zur Jahresfrist das Sprechen lehren würde. Der Mann sagte zu; als man ihn fragte, wie er sich aus der Affaire zu ziehen gedächte, antwortete er, bis nach einem Jahre wrerde vielleicht der Herr oder sein Hund tot sein. — Zur Etymologie mancher Wörter wäre Folgendes zu bemerken: „greisen" (fehl gehen, irren) stammt von „greis" (alt kurzsichtig, schwach), „greis — grauCk kommt in Volksliedern hantig vor. Davon gebildet ist das Hauptwort „(Treis" (Fehler, Irrtum). — Ob unter ,.mies" (hässlich) das hebr. „mius" sich verbirgt, ist unsicher; es ist vielleicht das deutsche „rniss", welches heute nur noch in Kompositis vorkommt. „Kwenklen" hat nichts mit „wanken" zu schaffen, sondern ist das deutsche ,.quängeln" jammern, M. MINKOWSKI Heimatlos. (Zum Artikel „Ausstellung jüdischer Künstler".) plärren, unzufrieden sein. „Koilen" (schlachten) ist nicht slavisch, sondern das deutsche „kenlen" (töten). — Dass das polnische Wort „meches", womit die Nachkommen der getauften Frankisten bezeichnet werden, mit dem hebr. Wort für zoll in Verbindung gebracht wurde, beruht wohl nur auf einem Versehen. — „Pulisch" (Vorraum in der Synagoge) ist sicherlich nicht griechischen Ursprunges; griechische Wörter sind ins Jüdische nur durch den Talmud gedrungen, wie Pismon, Sandek, Apitropos. „Pulisch*4 ist aber im Talmud nicht nachweisbar. Es dürfte vielleicht eher vom czechischen „pavlac" (Flur, Galerie, Vorbau) herrühren. - Wenn „turen" (dürfen) vom althochdeutschen „turren"herrühren würde, müsste es „türen" lauten; es ist eher vom mittelhochdeutschen „taren" abzuleiten, das noch Luther gebraucht, so z. B Prov. 31, 2. — Nun hat der Rezensent doch Gelegenheit gefunden, die ihm angeborene und von Rechtes wegen zustehende Tadelsucht wenigstens ein bischen zu befriedigen. Aber das Buch hat mich so gefesselt, dass es mir mehrere schlaflose Nächte gekostet hat. Es wäre nur gerechte Rache, wenn ich es ein wenig plünderte und aus seinem Inhalt hier etwas zum Besten gäbe. Doch weiss ich nicht, wo anzufangen und wo aufzuhören, denn wo man's aufschlägt, ist es interessant. Möge der geneigte Leser nun selber sein Mütchen daran kühlen. Er wird aut seine Rechnung kommen. Es ist ein erquickliches Buch, voll alter und dennoch frischer Lebensweisheit; Humor und Satire, gute Laune und nachdenkliche Versonnenheit finden sich hier vereinigt Es ist ein Buch zum Lachen, zum Weinen und zum stillen Sinnen. Man kann darin blättern und man kann es ununterbrochen lesen. Dem Forscher aber wird es auf viele, viele Fragen zur Kunde des jüdischenVolkes und seiner Psyche Antwort geben. Ein bisher ungebührlich vernachlässigtes Gebiet der jüdischen Wissenschaft, die Volkskunde, hat hier eine glänzende Revanche gefunden. OELGEMAELDE.