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Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 593 - 594

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Aus anderen Gemeinden Persiens
Date
1907-08-01
Page
Seite 593 - 594 (sequence 4)
Language
German
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593 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Israeliten in Persien. 594 Zeit, dass wir mit den Barbareien aufhören, die uns im Auslande den Ruf der Unduldsamkeit eingetragen haben." Nezam-es-Saltaneh hat mir auch wirksame Unterstützung für unser Schulwerk versprochen und mich ermutigt, muselmaniscbe Schüler aufzunehmen, was wir bisher aus Besorgnis vor den lntriguen der Ober-Priester nicht wagten. Die Tatsache, dass israelitische und muselmanische Kinder auf derselben Bank sitzen, zusammen lernen und in demselben Hof spielen, verheisst heilsamen Binfluss. Ich werde versuchen, nichtjüdische Schüler zum Oktober aufzunehmen. Lahana. Teheran, 19. Juli 1907. Unruhen im Judenviertel. Unsere hiesigen Glaubensgenossen haben wieder einige Tage voll Angst und Schrecken durchgemacht und die Befürchtung gehegt, dass die Plünderungen und Verwüstungen einer noch nicht fernen Zeit wiederkehren könnten. Das Judenviertel war von allen Seiten durch mit Eisenketten und Stangen bewaffneten Pöbel überfallen worden und bot einen fürchterlichen Anblick. Am 14. Juli war das Gerücht verbreitet worden, eine jüdische Hebeamme hätte an einer jungen Mohamedanerin eine gesetzlich verbotene Operation vorgenommen. Die Beschuldigung flog von Mund zu Mund, und ganze Trappen junger Leute eilten durch die Strassen, um den Fanatismus der einen und die Rachsucht der anderen aufzureizen. Die aufgeregte Menge wuchs zusehends und stürmte nach dem Judenviertel, wo bald die grösste Bestürzung herrschte. Die Häuser wurden eilends barikadiert, die Läden verrammelt. Die durch Steinwürfe verfolgten Juden hatten kaum Zeit, sich in ihre Wohnungen zu retten, die später abends von der Arbeit Heimkehrenden wurden mit Knüppeln bearbeitet. Nach einer in Angst und Sorge verbrachten Nacht wiederholten sich am 15. Juli dieselben Szenen. Jeder Jude, der sich auf der Strasse sehen liess, wurde geschlagen und bedroht. Unsere erschrockenen Glaubensbrüder zogen sich in die Synagogen zurück und erwarteten jeden Augenblick den Beginn der Plünderung. Die mit wütendem Geschrei durch die Strassen ziehenden Burschen hätten auch gewiss Hand an die Läden gelegt, wenn nicht rechtzeitig Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden wären. Der Oberrabbiner setzte die Behörden von der bedrohlichen Lage in Kenntnis, und eine Deputation von Juden begab sich nach dem „Medjless", dem Parlament, und bat dort um Hilfe. Sobald ich von den Vorkommnissen erfuhr, begab ich mich erst zur französischen, dann zur englischen Gesandtschaft, die in Zerguendeh resp. Goulhek in den Sommerwohnungen sich befinden, uud bat die Gesandten beider Mächte um ihre sofortige Verwendung bei den Landesbehörden, damit diese den Unruhen ein Ende machten. Herr v. Lamartiniere und Herr Cecil Spring Rici versprachen mir, bei Ala-El-Saltanet, dem Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, die gewünschten Schritte zu tun. Am nächsten Morgen schrieben sie mir bereits, dass sie die kritische Lage der Juden von Teheran zur Kenntnis der persischen Regierung gebracht hätten, und dass man ihnen die Versicherung gegeben habe, „dass alle bei der gegenwärtigen Lage zulässigen Massregeln getroffen werden sollen.'1 Diese vereinten Schritte haben ihre Wirkung licht verfehlt. Die Unruhen konnten erst eingeschränkt, dann ganz unterdrückt werden. Das Judenviertel hat allmählich das gewohnte Aussehen, die Strassen sind belebt, die Geschäfte geöffnet und die Leute gehen wieder in Frieden an die gewohnte Arbeit. Loria. :;c Teheran, 7. August 1907. Die Begeisterung, mit der die Bevölkerung die Einrichtung des parlamentarischen Regimes in Persien begrüsst hat, scheint noch nicht in der Abnahme zu sein. Die wirtschaftliche Lage des Landes freilich hat sich nicht gebessert, die breiten Volksschichten sind ein wenig davon enttäuscht, dass die Deputiertenkammer endlose Reden hält, ohne wirksame Massregeln z.u ergreifen. Doch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist so stark, dass man fortfährt, das parlamentarische Regime als das einzige Mittel der materiellen und moralischen Erneuerung zu betrachten. Daraus erklärt sich der Glanz der Festlichkeiten, die man jüngst, am ersten Jahrestage der Verfassungsverkündigung, gefeiert hat. Alle Gesellschaftsschicliten haben an den öffentlichen Veranstaltungen sich beteiligt. Auch die Jüdische Gemeinde hat Wert darauf gelegt, ihre Loyalität und ihre Anhänglichkeit an die neue Einrichtung dadurch kundzutun, dass sie gegenüber den Gärten von Neguaristan — dort befindet sich das Parlamentsgebäude — eine Estrade erricLtete und reich ausschmückte. Auf Einladung des Unterrichtsministers hat eine Deputation von 150 Israelitischen Kindern, unter den Schülern unserer Oberabteilungen ausgewählt, unter Vorantragung einer Fahne mit den Deputationen der anderen Schulanstalten der Stadt sich in den Eestraum begeben. Wir haben uns bestrebt, offenbar zu machen, dass die Jüdische Gemeinde von Teheran sich mit Freuden den zu Ehren des Parlaments veranstalteten Sympathiekundgebungen anschliesst. Persien bereitet uns noch Ueberraschungen! Nach der Einführung einer repräsentativen Verfassung wird jetzt die Organisation von Munizipalräten in Angriff genommen werden. Ein Reformbauch weht durch das Land, die vorgeschrittenen Parteien bauen auf den Trümmern des alten Regime in aller Eile die Organisationen des zivilisierten Europa auf. Von Entwürfen ist man zu Taten übergegangen. In diesen Tagen ist Kachef-el-Saltanet amtlich beauftragt worden, in Teheran einen Munizipalrat zu schaffen. Ein offener Kopf und

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