Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1907)
- Article
- Aus anderen Gemeinden Persiens
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 595 - 596 (sequence 5)
- Language
- German
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595 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Israeliten in Persien. 596 freisinnig, hat Kachef-el-Saltanet gedacht, dass die sranze Bevölkerung der Hauptstadt, ohne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisses, in ihren Vertretern herangezogen werden müsse, an den Arbeiten zur Gesundung der städtischen Verhältnisse teilzunehmen. Demzufolge hat er mich gebeten, unseren Glaubensgenossen die Organisation des Munizipalrats auseinanderzusetzen, ihnen zu zeigen, welch grosses Tätigkeitsfeld ihnen damit eröffnet würde, und zu veranlassen, dass sie ihre Interessen einem aus ihrer Mitte ge- Avählten Vertreter anvertrauen möchten. Ich habe diesen Auftrag mit Eifer erfüllt und kann Ihnen zu meiner Freude melden, dass Herr Dr. Logman, ein eingeborener Arzt, der aus den Bänken der amerikanischen Schule hervorgegangen ist, die Mehrzahl der Stimmen erhalten hat und mit dem Amt eines Munizipalrats bekleidet worden ist. In naher Zeit werden wir wissen, ob diese Wahl für die Israeliten von Teheran glücklich gewesen ist. L. Loria. TRAUERREDE AN DER BAHRE THEODOR OSCHINSKYS, gehalten am 0. Juli 1907 zn Breslau von Rabbiner Dr. Rosenthal. Nachdruck verboter. Als wir in dem Mai-Heft dieses Blattes die Erinnerungen unseres Freundes Theodor Oschiusky an seine Palästinareise veröffentlichten und sein Bild unseren Lesern zeigten, waren wir der Hoffnung, dass es uns beschieden sein würde, noch lange Jahre diesen streitbaren, rüstigen, von heiligem Eifer beseelten Mitarbeiter in unserer Mitte zu sehen. Unsere Hoffnung ist zu nichte geworden, Theodor Oschinsky ist am 6 Juli von uns gegangen. In dem Mai-Heft unseres Organs haben wir erzählt, was wir an Tneodor Oschinsky besessen; jetzt sagen jene Worte, was wir an ihm verloren haben. Wir lassen hier folgen, Avas Herr Rabbiner Dr. Rosenthal in Breslau als Seelsorger und Freund und zugleich im Namen des Central-Comites und der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Ä. I. U. am Grabe des Entschlafenen gesprochen hat: Geehrte und ansehnliche Trauergemeiude! rfoy unch rras „Tobija hat sich gen Himmel gewandt." Mit diesen Worten beginnt eine lithurgische Einschaltung in unserem Gottesdienste, womit wir die Weihe des Wochen festes nach altem Brauche einleiten. Tobija bedeutet „Gottesgüte", und damit wird Mose, der Prophet, bezeichnet. Uns aber sind diese Worte jetzt kein festlicher Gruss von einem Mann, der sich zum Himmel gewandt hat, um zu seinem Volke wieder zurückzukehren mit einem Gnadengeschenk der Gottheit, sondern eine Klage und eine Aeusserung des tiefsten Schmerzes. Denn Tobija ivar der hebräische Name unseres Freundes Theodor Oschinsky, dessen plötzlicher Tod uns aufs tiefste erschüttert. Unser Tobija hat sich auch gen Himmel gewandt; aber er kehrt nicht mehr zu uns zurück. Er nahm auch das Gnadengeschenk, das uns die Gottheit in ihm verliehen hatte, mit sich fort und lässt uns hier als Trauernde zurück, nicht nur sein Haus, seine Gattin, seine Kinder und Verwandten, sondern;iuch zahlreiche Freunde und viele, viele, die von ihm Wohltaten empfanden haben, eine grosse Gemeinde in unserer Stadt und weit, weit über deren Bereich hinaus. Denn p w:, wie sein Name, so war er: rraiö, ein Mann voll Gottesgüte und ein Segen für viele. Er war eine imponierende und liebenswürdige Erscheinung, eine kraftvolle und einnehmende Persönlichkeit, ein Mann von grosser Menschenkenntnis, der die Menschen richtig zu nehmen, zu gewinnen und auf sie einzuwirken verstand, ein Mann von grossem Scharfblick und kluger Voraussicht, von besonnener Erwägung und raschem Entschlüsse, von unermüdlichem Fleisse und erstaunlicher Arbeitslust und Arbeitskraft. Ein vielbeschäftigter Mann mit einer bewunderungswürdigen Gründlichkeit, Pünktlichkeit und Ordnung in allem. Mit dieser seltenen Vereinigung vortrefflicher Eigenschaften ist es ihm gelungen, aus kleinen Anfängen und durch eigene Kraft zur Höhe emporzusteigen, hat er sich und seinem Hause Wohlstand und eine geachtete Stellung erworben. Bei ihm bewährte sich der Weisheitsspruch nnppn esnn T, die Hand der Fleissigen macht reich. Doch mit diesen Gaben vereinigte er zugleich einen hohen Idealismus und ein edles und frommes Gamüt, dessen Grundzug Gottesgüte gewesen, das starke Vertrauen darauf und ein Durchdrungeusein davon für sein Lebensprinzip, gütig und hilfreich gegen andere zu sein. Ihm war keine Leistung zu schwer und keine Aufopferung zu gross, und ihn fand man zu jeder Zeit, bei Tag und Nacht, Sommer und Winter, bei Sonnenglnt und Sturm und Wetter stets bereit, wenn es galt, einem guten, gemeinnützigen Zwecke zu dienen. Armen, Kranken und Unglücklichen zu helfen, in tirb» nn w m asten — Wo findet man so leicht einen Mann wie diesen, der von dem Gottesgeiste des Wohltunis und des Gemeinsinns so erfüllt und belebt gewesen! Es gibt, fürwahr, nicht sehr viele Männer, die unserm Theodor Oschinsky gleichen, von dessen segensreichem Wirken auf vielen Gebieten während einer langen Reihe von Jahren sich so tiefe Spuren in das öffentliche und soziale Leben unserer grossen und angesehenen Gemeinde eingegraben haben. Er war Mitglied unseres Repräsentantenkollegiums und hatte an den bedeutenden religiösen und gemeinnützigen Schöpfungen und Einrichtungen unserer Gemeinde seinen wesentlichen Anteil. Er war Mitglied uuserer Armenkommission. Kulturkommission