Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1907)
- Article
- Israeliten in Persien
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 581 - 582 (sequence 5)
- Language
- German
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581 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die israelitische Gemeinde in Kachan. 582 Die Alliance "Knabenschule in Jaffa. Das lebhafte Temperament der Juden von Kachan erheitert dieses Familienleben. Unsere Glaubensgenossen sind groß und kräftig, gut gebaut, die Gesichtszüge beweisen die Feinheit ihrer Rasse, und sie haben ganz die Beweglichkeit der Südländer. Sie lachen und plaudern gern und kommen mit Vorliebe zusammen, um über den lieben Nächsten zu schwatzen und zu klatschen. Unter sich sprechen sie eine wohlklingende Sprache mit scharf betonten Konsonanten, und ihre Reden sprühen von Witz und Heiterkeit. Das ist der kachitische Jargon, eine von ihnen allein vollständig verstandene Familiensprache, die auch die Juden aus anderen Gegenden Persiens nie beherrschen lernen. Jederman strahlt vor Lebensfreude. Die Frauen kommen und. gehen geschäftig mit ihren Wasser eimern, die sie am „Amambar", dem Wassertrog, gefüllt haben. Sie sind nicht eigentlich hübsch und haben keine Spur von Gefallsucht, aber sie sind hoch gewachsen, strahlen vor Gesundheit und haben schöne, mandelförmige schwarze Augen in ausdruckslosen Gesichtern. Sie werden vor der Zeit dick. Wenn sie keine sehr reizvollen Geschöpfe sind, so sind sie doch sehr gute Familienmütter in der vollsten Bedeutung des Wortes, denn es ist ihre Aufgabe, ganze Scharen von Kindern zur W7elt zu bringen. In allen Häusern gibt es deren einen ganzen Haufen. Die Kinder sind kräftig gebaut, haben einen bei jungen Persern erstaunlich hellen Teint und sind immer vergnügt und zu lustigen Streichen aufgelegt. Die Juden von Kachan haben den Ruf, in bezug auf Sauberkeit und Hygiene sehr sorgsam zu sein. Der Besucher hat allerdings bei Besichtigung eines jüdischen Heims nicht diesen Eindruck, aber man muß zugeben, daß sie verhältnismäßig ihren Körper pflegen und sich anständig anziehen. Über der traditionellen „Aba" — einem langen Überrock, der um die Taille von einem Tuchgürtel gehalten wird, dessen Enden auf die Hüften fallen — tragen sie zum Ausgehen einen weiten Uberwurf ohne Knöpfe, der plaidartig um den Körper geschlungen wird. Die Kopfbedeckung besteht aus einer ,,Kolah" genannten Mütze aus Ziegenfell, die Fußbekleidung ist ein aus Baumwolle geflochtener Pantoffel, dessen Sohle aus gepreßten Lumpen hergestellt wird. Die Frauen machen für ihre Häuslichkeit nicht sehr gewählte Toilette. Sie tragen gewöhnlich eine einfabrige Taille mit festem Gürtel und einen glockenförmigen, bis an das Knie reichenden gefältelten Rock. So kurz angezogen und barfuß gehen sie vom Morgen bis zum Abend ihren Geschäften nach. Ihre Stellung in der Familie ist nicht besser als in anderen jüdischen Gemeinden Persiens. Mit 12 oder 13 Jahren verheiratet, als verstandlose Wesen betrachtet, in ihrem eigenen Hause auf den Rang von Dienstboten gestellt, haben diese Frauen, auch wenn sie reichlich ihrer Pflicht als Familienmutter genügt haben, sich den Launen ihrer Herren und Meister zu fügen und ihr eigenes Leben nach der Phantasie der Männer einzurichten. Bestand der Gemeinde. In Persien gibt es keine Personenregister, deshalb kann man die Einwohnerzahl von Kachan nur schätzungsweise angeben . Nach den von mir aus den sichersten Quellen geschöpften Angaben hat Kachan 45000—50000 Einwohner, lauter Mohammedaner, bis auf 2000 Juden und ungefähr 20 in einer Karawanserei lebende Heiden. Die jüdische Gemeinde besteht aus 350 Familien vom alten Kachitenstamm, auf ungefähr 130 Wohnungen verteilt. Außerdem gehören ihr gegen hundert