Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1907)
- Article
- Der poetisch verherrlichte Moses Mendelssohn
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 553 - 554 (sequence 3)
- Language
- German
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553 Dr. Leopold Hirschberg, Berlin: Der poetisch verherrlichte Moses Mendelssohn. 554 So könnte ich nun noch viele Stellen zum Beweis dafür anführen, dass Konzens „Mendelssohn" zwar sehr gut gemeint ist, dass aber das Können des Dichters mit seiner Begeisterung nicht gleichen Schritt hielt. Es lohnte nicht, von dem Werkchen zu reden, wenn man nicht, wie schon eingangs erwähnt, kulturgeschichtliche Momente zu berücksichtigen hätte. Schon der Umstand gibt zu denken Anlass. dass in einer Zeit, wo die Rechte der Juden noch gleich Null waren, wo das Ghetto sie noch wie wilde Tiere von der Gemeinschaft mit den übrigen Menschen abschloss, ein solches Gedicht auf einen Juden überhaupt möglich war. Die Hochachtung, die Moses Mendelssohn in allen Kreisen genoss, muss in der Tat gewaltig gewesen sein — das geht, möchte ich sagen, aus jeder Verszeile hervor; und nur diese allgemeine Hochachtung lässt es verstehen, dass der Dichter sein Werk mit der schwungvollen Strophe schliessen konnte: „Und Du, die ihn gebohren, Germania! Sey stolz, dass Du die Mutter des Weisen warst. Du wirst ihn ewig ehren, denn Du Ehrest Dich selber in Deinen Söhnen." Von hohem Interesse ist nun weiterhin das nicht weniger als zehn Seiten umfassende Subskribenten- Verzeichnis. Vorwiegend sind es ja schwäbische Städte und Dörfer, die das Kontingent der Leser stellen. In Enzweihingen z. B. subskribieren der Substitut Maier, der Amtsverweser Schumann, der Gerichts-Schreiber Jung und endlich „Herr Ochsenwirth Braun" auf je ein Exemplar, die Familie Caulla in Hechingen will deren acht haben, Herr Armbruster in Konstanz sogar zwölf. Die Abonnenten von Ludwigsburg sind durchweg Adlige: Herr Oberst von Dedel, Herr Oberst von Hügel, Herr Hofmedikus von Hofen, Herr Obrist von Palm; in Stuttgart ist unter 25 Teilnehmern kein Jude zu entdecken, wenn man nicht den letzten „Ein Ungenannter" dazu rechnen will. Die ganze theologische und philosophische Fakultät von Tübingen ist vertreten; in Königsberg verlangt Herr Wolff Oppenheim 6 Exemplare, die weiteren Abonnenten von dort sind: Herr v. Arnim (Fähnrich vom Kegiment von Egloffstein), zwei Lieutenants von Wolff, ein Lieutenant von Kunheim und Herr E. F. Erhardt, ein „Mousquetier" vom Regiment von Anhalt, die Herren Copinus und Woltersdorf, beides Lehrer am Collegio Friedericiano. Die Pfarrer und Vikare von Pfaffenhofen, Vaihingen, Weinsberg, Wüstenroth, Lorch, Haussen, Heilbronn fehlen nicht. Wenn wir aus der Berliner Subskriptionsliste den Geheimen Sekretär Siebmann und den Rathmann Kols streichen, so Weihen uns folgende Namen: Moses Alexander, Samuel David, David Ephraim, Benjamin Veitel Ephraim, David Friedländer, Abraham Friedländer, Joseph Fraenkel, Isaak Helfft, Joel Samuel und Wolf Samuel von Halle, Elias Daniel, Benjamin Daniel und Daniel Itzig; Samuel Salomon, Wolf Samuel und Daniel Samuel Levy; Heym. Ephraim Veitel, Benjamin Isaac Wulff und Meyer Warburg. Während in Freudenthal die Herren Judas und Götsch Moses friedlieh neben Fräulein Caroline von Rieben figurieren, in Horkheim Herr Low Maier als einsame Grösse dasteht, zeigt Frankfurt a. M. wieder eine stattliche Reihe: Lemle und Wolf Joel Bamberger, Abraham Moses Braunschweiger, Gumpertz und Low Elias, Low Götz Haas, daneben den „G-eheimden Rath von Schmid, Herr zu Rossau." Mit fortschreitendem Alter und wachsender Erfahrung hat sich Conz als Dichter sehr zu seinem Vorteil entwickelt; seine Gedichtsammlungen erschienen mehrfach und fanden viel Beifall. In richtiger Erkenntnis hat er seinen „Mendelssohn" in diese nicht mehr aufgenommen. Alttestamentarischen Stoffen aber ist er Zeit seines Lebens treu geblieben. Unter seinen 1818 erschienenen „Biblischen Gemälden" finden wir folgende, zum Teil sehr schöne Dichtungen: Isaak und Rebekka, Jakob am Brunnen, die Täuschung Labans, Hagar, die Prophetenwittwe, die Sunamitinn (die Wunderthaten Elisas behandelnd), die sieben Brüder und ihre Mutter (Makkabäer), Belsazer in der Unterwelt, Klagelied des Hiskias, die Heldenprobe (davidische Episode), Klagegesang Davids um Jonathan. Besonders interessant ist das Fragment „Hiob", zum Teil in Terzinen gedichtet, vollendet in der Form und von nicht geringem dichterischen Schwung» Was aber am meisten dazu angetan ist, dem braven Conz — dem Christen — unsere besonderen Sympathien zu erwerben, das ist folgende kleine versteckte Bemerkung auf der Titel-Kückseite seines Mendelssohn-Gedichtes: „Nachricht: Der Preiss des Werkchens ist 36 kr. oder 8 ggr. sächs. und der Ueberschuss über Papier- und Druckkosten für arme Judenfamilien bestimmt.'4