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Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 537 - 538

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Die Tochter Jephta
Date
1907-08-01
Page
Seite 537 - 538 (sequence 3)
Language
German
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537 Richard Huldschiner: Die Tochter Jephta. 538 Dass mir dein Bild im Herzen steht, Gegeben? Sag! Wie könnt ich sonst Verstehen, duss du forderst, und so forderst! So ungestüm! Geh, Abdon, geh! Afodon: Nicht ohne dich, Jobeka. Lass nicht jetzt ein rauhes Wort, Das wegen karger Zeit nicht so bedacht ist, Wie es vielleicht, hörst du? vielleicht bedacht Sein müsste, zwischen uns sich drängen! Nein, nein, ich weiss, Jobeka, niemals hast du Mir mehr geschenkt als einen schnellen Blick, Der nur dem Liebenden, der hofft, Erhörung schien. Und wenn du je im Spiel die weiche Hand Auf meinen Arm gelegt, so war es nur Der scheue Druck des Schmetterlings, nicht mehr. Nein, nein Jobeka! Deine Nachsicht nicht, Mein eignes Sehnen treibt mich her. Ich liebe dich, du bist die Rose, die Auf schwankem Stengel trinkt den Tau Des kühlen Morgens, du das leise Wehen Des Bergwinds, der den Heissen kühlt, Der Quell, aus dem der Durstge trinkt Mit nie gesättigtem Verlangen. Ich ging dir nach im Palmenhain und tummelte Mein Ross auf jeder Bleiche, wo Mit deinen Mägden du das Linnen breitetest, Ich ging dir ungesehen oftmals nach und bin Verstummt, das Herz in süsser Angst beklommen, wenn Ich dir — wie selten! — gegenüber stand .... Jobeka! Einmal nur in Traum und Nacht, Als ich im Zelte einsam lag, im Feld Bei meinen Herden, fragte ich, Weil es ein Traum war kühn, ob du Mich liebst. Ach, und du errötetest Und senktest dann dein Antlitz hold zu Boden, Und sagtest: ja! Jobeka, ja! Jobeka: (Zittert und schweigt.) Abdon: Ist's wahr? Der Traum hat nicht gelogen? (Immer eifriger und leidenschaftlicher): Nein, er kann Nicht; denn ich liebe dich so heiss, wie nur Der liebt, dem Sicherheit, dass er erhört Ist, wohnt im Herzen. Und du schweigst? Sagst meinem Drängen nichts, Jobeka? (Er ringt die Hände mit dem Eifer dessen, der sein heisses Fühlen einem anderen mitteilen will)a Du weisst nicht, wie ich lieben kann. In meinem Herzen ist die Liebe Ein zehrend Feuer, das durch Tür und Mauer Zerstörend glüht und nimmer rastet. Du hebst mich hoch empor, als schwebte ich Von Flügeln leicht getragen. Und alle Menschen meines Stammes, die Mich kannten, sagen: „wie bist du doch gross, O Abdon! Hebst dein Haupt empor, als seiest Ein König du! Was macht so stolz dich?" Ich aber lächle nur und schweige; denn Was mich berückt, das kann ich keinem sagen, Wiewohl dein Name stets auf meinen Lippen liegt, So leicht wie einer Rose leichtes Blatt, Sodass ich deinen Namen ängstlich hüten muss, Dass er mir nicht entfliegt, vom Hauch verweht. Wenn ich bei meinen Herden bin, allein Und fern von andern Menschen, dann besteige Mein Ross ich oft und lass es laufen Durch Wüste, Dorn und Strauch und Dickicht, Wie einen Kriegsruf deinen Namen schreiend, Vom Wind umtost, sodass mein Mantel flattert. So jage ich der Sonn' entgegen. Und abends, wenn das Dunkel steigt im Osten, Des Tages Dinge sterben, und die Nacht Ihr müdes Haupt voll schwerer Rätsel hebt, Wenn nur das leise Rauschen träger Bäche Im Weidendickicht sickert, und ich vor dem Zelte Beim Feuer sitze und in sein Verglühen Mit grossen Augen starre, dann Bin glücklich ich in deiner Liebe . . . Sieh! Ich weiss es: dieses Glück, im Herzen Dich hold zu tragen, wird mir nie genommen. Jobeka: (Verträumt:) So liebst du mich? Und hast mir nie gesprochen? Abdon: Du würdest, dacht ich, schon in meinen Augen lesen Drum schwieg ich. Aber nun ist keine Zeit Zu warten. Sieh! des Bisamberges Gipfel Erhellt sich schon und hebt Aus Nacht und Dunkel sich empor. Bald ist es Tag; dann müssen fern wir sein, So fern, dass schnelle Rosse uns nicht mehr Erreichen, ach! so fern, dass uns kein Aug Ersieht, schon jenseits Ajalon vielleicht, Wo tellergleich die Ebne ist gebreitet. Drum komm, mein Stern, mein heller Garten, Mein Weihrauchbainn und Würzewein, Ich hebe aus dem Fenster dich heraus Und trage sanft hinab dich. Keine Furcht! Ich halt dich fest, so fest wie je ein Krieger Sein scharfes Schwert im Kampfgetös. Und bist du erst im Garten, wartet dein mein Ross, Mein schnelles Ross, auf dessen breitem Rücken Von meiner Hand gestützt du sicher bist Wie nur ein Adlerjunges ist im Horst. So komm, mein leuchtender Granat, Und gib dich meiner heissen Ungeduld, Dass ich von dieser Stätte dumpfen Grauens Ins Licht des Lebens kann hinaus dich tragen. Es ist nicht wahr, Jobeka, dass du sterben musst, Gott will nicht, dass du stirbst. Verruchte Lüge Dein Vater hat geträumt im Rausch, In Fieberhitze! . . . Sterben! Du? Ich lache. In Ekel muss ich schütteln mich. Und wär Es wahr, dass er dich Gott gelobt, ich würde Die Faust erheben gegen diesen Gott, Und den Gehorsam ihm versagen. Und würde kämpfen mit ihm, denn ich bin Der Stärkere, da für's Recht ich streite. Jobeka: (ist immer weiter vor ihm zurückgewichen, starr wie eine Bildsäule. Nun schüttelt sie langsam das Haupt.) Abdon (macht Anstalten, sich auf das Fenster herüberzuschwingen): Du sagst nichts? (jubelnd): Folgst du mir? Du kommst? Was starrst du so? du zitterst? Ach, Jobeka! (Er beginnt zu ahnen, dass sie ihm entschlüpfen wird) Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.

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