Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 509 - 510

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Ernst Josephson
Date
1907-08-01
Page
Seite 509 - 510 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2583875-2583954-2583963-2588958--07400-2589050
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

509 Hermann Struck: Ernst Josephson. 510 neben den besten Bildnissen alter Meister mit Ehren behaupten! Mit vollkommener Freiheit und ohne jede Spur von Sentimentalität ist das Hingebende und Lauschende im Bildnis der „Frau Nennie von Geijerstam" zum Ausdruck gelangt, jener Frau, deren Seelenleben uns durch das wunderbare, ergreifende „Buch vom Brüderchen" bekannt geworden ist..... Für das Kunstverständnis der damaligen Juroren des Pariser „Salons" ist es ein übles Zeugnis, dass diese Portraits, die jetzt zum grossen Teil die höchsten Zierden der schwedischen Museen sind, zurückgewiesen wurden! Ja, so ist es wirklich geschehen im Jahre 1886. Nun führt ihn sein Weg ins Gebiet des Genrebildes, das er in grossen Zügen und mit konzentrierter Kraft darstellt. Ich nenne das Bild „Dorfklatsch", das vier alte Bäuerinnen zeigt und noch etwas unbeholfen komponiert ist. Ein gewaltiger Schritt vorwärts ist der „Spanische Tanz". — Spanische Zigarettenmacherinnen haben ihre Arbeit unterbrochen; eine von ihnen ist auf den Tisch gesprungen und tanzt in entzückend graziöser Bewegung beim Klange von Tambourin und Guitarre. Den Einfluss von Velasquez zeigt deutlich der ,,Spanische Zwerg". Desselben Meisters Anregung verdankt das kraftvolle Bild „Spanische Schmiede" seine Entstehung, auf dem uns, von einer alten Frau sekundiert, zwei groteske, halbnackte Gesellen angrinsen. Er war, wie ein schwedischer Schriftsteller von ihm sagt, ,,ein Kolorist von Lichtes Gnaden; jedes Quadrat der Fläche war pastos und glanzerfüllt". In diesen Bildern zeigt er n Bezug auf die Ton werte noch den Einfluss dänischer Maler, während wir ihn in dem Gemälde ,,Der Ziegenhirt" n den Wegen Courbets wandeln sehen. Doch niemals mterlag er irgend welchen akademischen Gesetzen, und t war sogar in jener Zeit des beginnenden Naturalismus in ausgesprochener Romantiker. „Der Neck", 1883 rem alt, schildert mit altitalienischer Mystik musikalische Empfindungen. Wilder und erhabener behandelt er Ueses Thema in seinem grossartigen Bilde „Strömvarlen" 1885. Dieses, sein grösstes Meisterwerk, beendet sich im Besitz des Prinzen Eugen von Schweden, 'tauschende, musikalische Klänge vereinigen sich mit {em Tosen des Wasserfalles in diesem Bilde, das uns '-•ie schöne, nackte Gottheit des Stromes in vollem, Prahlendem Sonnenlichte zeigt. In diesem erhabenen Meisterwerke ist alle Kraft des Künstlers ,,die Lust ERNST JOSEPHSON. FRAU HILMA MARCUS. und auch der Schmerz'' zusammengenommen und ein hohes Lied der Gewalt des brausenden Stromes gesungen, das nicht übertroffen werden kann. Die Wirkung: ist so überwältigend, so ergreifend, dass kleine Schwächen in den Proportionen und in der Plastik dem Beschauer kaum zum Bewusstsein kommen. Als 1885 die erste Ausstellung von Josephsons Werken in Stockholm stattfand, entpann sich ein grosser Streit; das in seinen Gewohnheiten aufgestörte Publikum schmähte und verhöhnte den grossen Künstler, während er gleichzeitig das unbestrittene Haupt der jungen Malerschule wurde. Unter den jungen schwedischen Malern in Paris wirkten seine Bilder wie „eine Lunte im Pulvermagazin". Er wurde von den jungen Malern vergöttert. Vielseitig veranlagt, betätigte er sich gleichzeitig als Musiker, Sänger und Schauspieler; er schrieb auch für eine Zeitschrift, und seiner Feder entstammen die Dichtungen: ,,Schwarze Rosen" und ,,Gelbe Rosen". Zu alledem war der schöne Skandinavier ein unwiderstehlicher Gesellschafter. In seinem Wesen vereinigten sich die verschiedensten Gegensätze! Er war gutmütig und jähzornig, stolz und schüchtern, herausfordernd und weich, meist voll Arbeitsfreudigkeit,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.