Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1907)
- Article
- Ernst Josephson
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 511 - 512 (sequence 4)
- Language
- German
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511 Hermann-Struck: Ernst Josephson. 512 ERNST JOSEPHSON G. Renholm. NATIONALMUSEUM. doch oft auch melancholischen Sinnes. — „Ein glutvoller Romantiker im hürgerlichen Gewände"; in naturalistischer Hülle war er ein Künstler mit klassischem Greschmack.--Durch das Bildnis "FLenholms hatte er zuerst unter den jungen Künstlern in Paris Anhang gefunden; seine „Spanische Schmiede" wurde aber von der Jury refüsiert. — Mit seinem Meisterwerk „Strömkarlen" erlitt er eine Niederlage. Auch die völlig unverständliche Zurückweisung des Bildnisses der Frau von Geijerstam erregte seine explosive Natur aufs höchste, so, dass durch alle diese Kämpfe seine ringende Kraft gebrochen wurde und sein seelisches Gleichgewicht zu wanken begann. Dazu kamen schliesslich, da fast niemand im Publikum für seine Bilder Verständnis hatte, quälende Nahrungssorgen, die seine Konstitution untergruben. Er ging nun nach der Bretagne, wo er einen Bund von jungen Künstlern stiftete, aus dem er aber 1887 infolge von Zerwürfnissen mit den alten Kameraden wieder austrat..... Schwärmerische Neigungen, wachsende Melancholie, spiritistische und kabbalistische Einflüsse brachen schliesslich die Kraft dieses unglücklichen Helden. Im August 1888, als er 37 Jahre alt war, kam die Kunde von seiner Geistesumnebelung nach Schweden, — und da, als es schon zu spät war, gingen den Leutchen die Augen auf.--- 1898 veranstalteten seine Freunde in Stockholm eine Ausstellung, die den guten Schweden den grossen Reichtum dieser einzigartigen, künstlerischen Persönlichkeit vor Augen führte, und die später auch in Norwegen, wohin sie wanderte, grosses Aufsehen erregte. Seit der allgemeinen Ausstellung 1903 in Kopenhagen ist er auch in Dänemark als einer der Grundpfeiler der nordischen Kunst anerkannt. ein biblisches T>hikUed**) Sprüche Salomos, Cap. 23. <Hem ist so web zu Sinnen? <£ler will nur Streit beginnen? Wer mag sieb ^Xunden gewinnen Hus Hnlass, den er nicht kennt? OTes Hug ist gerötet und brennt? So gebts unersättlichen Zechern, Die unermüdlich beim Bechern, Die dein hinunterstürzen, Xbn stark und starker würzen. Sieb du niebt bin zum <deinet Zu seinem rötlichen Scheine! Gr äugelt dich an aus dem Becher, Gr winkt: „Komm her, mein Zecher 1 jviein wirdst du so bald nicht satt, Durch die Kehle gleite ich fllatt." *) Aus: Die Gebiete der Bibel in deutscher Sprache von OD. B. Rlausner. Verlag von S. Calvarv & Co. in Berlin. So gleisst er und so spriebt er, Dann aber beisst er und stiebt er, Wie Schlange und prachenblut, Smpört und stachelt dein Blut» Bs schwanken Spukgestalten — Sie können sich nicht halten — Tor deinen Hugen her; Die Zunge stammelt schwer. Sie redet, was dein f>erz nicht weiss, Sie gibt geheime Dinge preis, Und was sie schwatzt, es ist verkehrt* plötzlich bat alles aufgehört« Dir ist, als Tagst du im tiefen Meer, Du nickst von des JVlastbaums Spitze her, Und endlich sprichst du: „JVlan schlug mir Cdunden, Doch habe ich keinen Schmerz empfunden;:^ Man bat mich gestossen — ich tat nichts spuren; tidann erwacht ich? — muss doch noch mal probieren!"