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Ost und West · 1907-07-01 · Heft 7 (Juli 1907) · p. Seite 479

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 7 (Juli 1907)
Article
Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder der A. I. U.
Date
1907-07-01
Page
Seite 479 (sequence 4)
Language
German
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479 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder etc. 480 Königlichen Polizeipräsidium, sodann bei dem Herrn Minister des Innern vorstellig. Was wir erreichten, entsprach durchaus nicht ganz unseren Wünschen, es war aber immerhin dankenswert, und wir wollen nicht verfehlen, von dieser Stelle aus dem Dank Ausdruck zu geben. Der Herr Minister des Innern erklärte, die Königliche Staatsregierung könne von der Ansicht nicht abgehen, daß die dauernde Niederlassung von Zuzüglingen aus dem Osten nicht zu dulden sei. Doch war er bereit, die zur Verwirklichung der einmal aufgestellten Notwendigkeiten zu treffenden Maßnahmen mit tunlichster Milde und unter Berücksichtigung der individuellen Fälle zu gestalten. Das Königliche Polizeipräsidium übernahm es, der Abfertigungsstelle regelmäßig die Namensliste der Personen mitzuteilen, die ausgewiesen waren oder die ausgewiesen werden sollten, wenn sie nicht freiwillig das Staatsgebiet verließen. Die an der Abfertigungsstelle beteiligten Organisationen übernahmen es, die einzelnen Fälle zu prüfen und um Befristung bezw. um Aufhebung bei der Behörde vorstellig zu werden. Zufällige Umstände fügten es, daß weitaus die größte Mehrzahl der Vorstellungen und Befürwortungen auf unseren Anteil kamen. Auch hatte der Herr Minister des Innern die Güte, generell zu verfügen, daß unter selbstverständlichem Vorbehalt besonderer Fälle das Königliche Polizeipräsidium unsere Anträge mit dem größten Wohlwollen behandeln sollte. Nach einer gewissen Zeit hatte sogar der Herr Minister des Innern dem Wunsch Ausdruck gegeben, es möchte diese ganze Angelegenheit ausschließlich von uns in Obsorge genommen werden. Die jüdische Gemeinde Berlin, die das als schönen Erfolg bezeichnete, zu dem sie uns beglückwünschte, war mit der Neuordnung vollkommen einverstanden. Doch wurde von anderer Seite Einspruch erhoben. Wir haben deshalb vorgezogen, die Dinge in der vorigen Form zu belassen, da es u n s einzig darauf ankam, unseren unglücklichen Glaubensbrüdern aus dem Osten wirksam zu helfen und diese wirksame Hilfe ihnen von uns unter jeder Form geboten werden konnte. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß wir heute wie vorher die Genugtuung haben, unsere Glaubensgenossen den häufigsten Beistand leisten zu können. Zweimal hat im vergangenen Jahr die Alliance Israelite Universelle Anlaß gehabt, für unsere verfolgten Glaubensbrüder im Osten besondere Aufwendungen zu machen. Der Progrom von Bialistok bot den ersten, der von Siedice den zweiten Anlaß. Wie immer, war die Alliance Israelite Universelle sofort mit ausgiebiger Hilfsbereitschaft zur Stelle. Sie begnügte sich nicht mit ihrem Anteil an dem in früherer Zeit gesammelten Hilfsfonds, von dem noch ein stattlicher Rest übrig geblieben war, sondern gab aus eigenen Mitteln einen weiteren reichen Zuschuß, um <Jie Not zu lindern. Wir können sagen, daß von uns aus geschehen ist, was in der Möglichkeit lag, die wirtschaftlichen Schäden zu heilen, die von der russischen Verfolgung hervorgerufen waren, und daß wir uns bemüht haben, den hart Betroffenen durch unsere Hilfe und durch unseren Zuspruch die innere Kräftigung zu gewähren, die aus dem Bewußtsein entspringt, es seien in der weiten Welt mitempfindende Brüder vorhanden. Dem rühmlichen Werk der B'nei Brith Logen, die sich ganz besonders der Bialistoker Pogromwaisen angenommen hatten, schlössen wir uns an. Wir haben fünf Waisen von Bialistok in der Israelitischen Erziehungs-Anstalt in Ahlem -bei Hannover untergebracht und versorgen sie dort bis zur erlangten Selbständigkeit. Daß die Alliance Israelite Universelle es für ihre Pflicht gehalten hat, anläßlich der Konferenz in Algeciras Schritte zugunsten unserer marokkanischen Glaubensgenossen zu tun, ist selbstverständlich. Die Alliance Israelite Universelle, die in Marokko eine größere Anzahl von Schulen unterhält, viele Tausende von marokkanischen Kindern unterrichtet, bekleidet und ernährt, war die gegebene Instanz, die erforderlichen Schritte mit der nötigen Diskretion zu tun. Es geschah, wie bei uns herkömmlich, in alier Stille, ohne Lärm und ohne Mitteilung an die Zeitungen — durch briefliche und mündliche Vorstellungen bei dem Reichskanzler und den Auswärtigen Ämtern. Auch haben wir — wiederum in aller Stille — ein Memorandum, das, mit einer Fülle von Fehlern belastet, den Weg über New-York nach Algeciras gefunden hatte und dort großen Schaden hätte anrichten können, bis. zur Tadellosigkeit von allen Irrtümern befreit und hierdurch dem Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika, der sich deswegen an uns gewendet hattey die Möglichkeit geboten, ein Material der Konferenz vorzulegen, das auch die Delegierten des marokkanischen Maghzen in keinem Punkt anzufechten vermochten. Und gerade bei dieser Gelegenheit war es, daß ununterrichtete und falsch unterrichtete Personen in den öffentlichen Blättern die Meldung verbreiteten, die Alliance Israelite Universelle habe sich der Teilnahme an den Schritten zugunsten der marokkanischen Juden entzogen. Wer irgend die Verhältnisse kennt, der weiß von vornherein, daß dies eine Unmöglichkeit war. — Zur nämlichen Zeit tauchte auch wieder die Beschuldigung auf, daß die Alliance Israelite Universelle ein Organ der französischen politischen Propaganda sei. Sogar ein deutscher Gesandter machte sich zum Verbreiter dieser Ansicht. Wir erhielten ohne unser Zutun vollkommen Gelegenheit, dasbetreffendeMitgliedunseres diplomatischen Korps besser zu unterrichten und ihm anheimzugeben, er möchte für Deutschland die Sympathien der Juden im Orient gewinnen, indem er und seine Kollegen mit den französischen und englischen konsularischen und diplomatischen Vertretern wetteiferten in der Hilfs- und Schutzgewährung an die jüdische Bevölkerung des Orient. Wir können behaupten und haben an gehöriger Stelle mit Nachdruck vertreten und dafür vorbehaltlosen Glauben gefunden, daß die Alliance Israelite Universelle keine andere Politik treibt als die Politik der Wohltätigkeit und der Kulturverbreitung, daß sie kein anderes Interesse im Auge hat, als das Interesse derer, denen sie ihre Dienste und ihre Mittel widmet, nämlich der jüdischen Bevölkerung im nahen und fernen Osten. Aus dem heutigen Bericht über die Tagungen der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft vom. 13. Februar 1906 und vom 19. Februar 1907, sowie aus den Beschlüssen des Central-Comites, die vorher er-

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