Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1907)
- Article
- Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder der A. I. U.
- Date
- 1907-07-01
- Page
- Seite 477 (sequence 3)
- Language
- German
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477 Mitteilungen der Alliance israelite Universeile: Die Generai-Versammlung der Berliner Mitglieder etc. 478 schaft vom 19. Februar dieses Jahres in Frankfurt a. M. in dem Bericht des Präsidenten wie in den Berichten der Mitglieder über ihre Bezirke mit vorbehaltloser Anerkennung des Organs der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft, der Monatsschrift „Ost u n d W e s t c\ gedacht wurde. Es herrschte nur eine Stimme darüber, daß durch diese Monatsschrift ein ausgezeichnetes Mittel gewonnen sei, nicht bloß dauernde Beziehungen zwischen der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft und allen ihren Mitgliedern zu unterhalten, nicht bloß die Mitglieder der Alliance fortgesetzt über alle Vorgänge in den Werken und in dem Wirken der Alliance in Kenntnis zu setzen, sondern gleichzeitig in jedes jüdische Haus Deutschlands und des deutschen Sprachgebiets Kunde zu tragen von dem, was auf irgend einem Felde geistigen jüdischen Lebens sich regt. Durch die Verbreitung, die die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft ihrer Monatsschrift gibt, macht sie aus ihr, ganz im Sinne der Alliance, ein eigenes literarisches Schulwerk für Erwachsene. Und wiederum geschieht es im Geiste und nach den Gewohnheiten der Alliance, daß sie dieses Schulwerk nich t abhängig macht von Beitragsleistungen, daß sie ihr Blatt in jedes jüdische Haus schickt, ohne besondere Beiträge, ohne materielle Gegenleistungen dafür zu fordern, zufrieden, daß sie jüdisches Wissen und Wissen vom Judentum verbreitet, daß sie Gemeinsinn weckt und hebt, und mehr und mehr die Gemein - Bürgschaft zur Wirklichkeit macht, die in dem Wahlspruch der Alliance Israelite sich ausdrückt: „Ganz Israel bürgt für einander." Die Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft vom 19. Februar 1907 in Frankfurt a. M. faßte mit Stimmeneinhelligkeit eine Reihe bedeutsamer Beschlüsse. Voran stand die Durchführung der Zentralisierung aller deutschen Bezirks- und Lokal- Comites und Mitglieder nach Berlin. Es muß besonders hervorgehoben werden, daß die verdienten Träger selbst der liebgewordenen, mehr durch Zufall als systematisch gebildeten alten Einrichtungen den Vorzug der vorgeschlagenen Neuerung anerkannt haben und sich bereitwillig in die umgestaltende Organisation vom 1. Januar 1908 an einfügen zu wollen erklärten. Das verdient aufrichtigen Dank, der auch von dieser Stelle aus den Herren Bezirksrabbiner Dr. Salvendi in Dürkheim und Rabbiner Dr. Frank in Cöln nochmals ausgesprochen sei. Bereits am 24. Oktober 1906 hatte das Central- Comite beschlossen, daß Zöglinge der Ecole Normale in Paris — der Lehrerschule für die Lehrer der Allianceschulen — zum Erlernen der deutschen Sprache nach Deutschland geschickt werden sollten. Die Frankfurter Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft sprach die Erwartung aus, daß das Central-Comite diese Zusage möglichst bald, nach vorheriger Verständigung mit dem Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft über die Art der Ausführung, verwirklichen werde; ebenso daß das Central-Comite mit dem Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft eine Vereinbarung treffe, die die Ausbildung von Allianceschullehrern in Deutschland zum nahen Ziele hat. Auch beanspruchte das Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft ein Vorschlagsrecht für die an den Allianceschulen anzustellenden Lehrer der' deutschen Sprache, sowie die Einführung deutschen Sprachunterrichts in den marokkanischen Allianceschulen. Das Central-Comite hat von den Organisationsbeschlüssen der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft mit Befriedigung Kenntnis genommen. Die Zusage wegen der Entsendung von Zöglingen der Ecole Normale nach Deutschland wurde erneuert. Die augenblickliche Erfüllung sei nur durch den sofortigen Bedarf an allen ausgebildeten Lehrkräften verzögert. Die Ausdehnung des deutschen Sprachunterrichts wurde nach Maßgabe des Interesses der Zöglinge ausdrücklich beschlossen. Noch ist von der Frankfurter Tagung zu erwähnen, daß man innerhalb der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft vollkommen einig war, mit allen in Deutschland wirkenden jüdischen Organisationen gutes und einträchtiges Einvernehmen zu erhalten oder herbeizuführen. Das ist auch im wesentlichen gelungen. Mit der jüdischen Gemeinde in Berlin wirken wir auf zwei noch näher zu erwähnenden Gebieten harmonisch zusammen, zu den Bnei Briss-Logen sind wir in die freundlichsten Beziehungen getreten, was uns zu höchster Befriedigung und Genugtuung gereicht und im Grunde nur natürlich ist, da uns Gemeinsamkeit humanitären und idealen Strebens verbindet. Wir erwähnen mit herzlichem Dank, daß auf Anregung des Großpräsidenten Herrn Justizrat Timendorfer der geschäftsführende Ausschuß der Großloge sämtliche deutsche Bnei-Briß-Logen eingeladen hat, der Alliance Israelite Universelle korporativ beizutreten. Die beiden Gebiete des Zusammenwirkens mit der jüdischen Gemeinde in Berlin betreffen die Fürsorge für die durchwandernden und rückwandernden russischen Glaubensgenossen und für die Ausgewiesenen. Im Verein mit der jüdischen Gemeinde, den B'nei Brith Logen und dem Hilfsverein der deutschen Juden haben wir eine Abfertigungsstelle für die durch- und rückwandernden russischen Juden eingerichtet. Die Gemeinde gab die Bureauräume dazu her und stellte Beamte zur Verfügung, von uns wurden Mitglieder abgeordnet, die in täglicher Arbeit die Einzelfälle prüften und erledigen halfen. Die Gesamtkosten wurden von den vier Organisationen zu gleichen Teilen bestritten. Seit dem 1. April dieses Jahres ist hierin eine Änderung insofern eingetreten, als die Anteilnahme sich auf die jüdische Gemeinde, auf uns und auf den Hilfsverein beschränkt. Dank der Munifizenz des Gentral-Comites sind wir in der Lage gewesen, für diesen Teil unserer Tätigkeit allein seit Beginn vorigen Jahres jährlich 10 000 Mk. auszuwerfen. Das ist ungefähr so viel, als unser Unterstützungsetat im Jahre 1905 insgesamt ausmachte. Jetzt hat dieser Etat ungefähr die fünffache Höhe erreicht. Herr Justizrat Dr. Edmund Lachmann vom Vorstand der jüdischen Gemeinde leitet mit bekannter Umsicht und Sachlichkeit diese Abfertigungsstelle, die unter Mitwirkung unserer Delegierten tadellos funktioniert. Im April vergangenen Jahres haben, wie Ihnen bekannt ist, in Berlin und in ganz Preußen neuerdings Massenausweisungen unserer östlichen Glaubensgenossen begonnen. Wir wurden zunächst bei dem