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Ost und West · 1907-07-01 · Heft 7 (Juli 1907) · p. Seite 481

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 7 (Juli 1907)
Article
Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder der A. I. U.
Date
1907-07-01
Page
Seite 481 (sequence 5)
Language
German
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481 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder etc. 482 wähnt sind, geht hervor, daß die Alliance Israelite Universelle sich auch bei der Erteilung des sprachlichen Unterrichts von keiner einseitigen Vorliebe hat leiten lassen, sondern daß sie überall nur bestimmt worden ist und bestimmt werden wird von der Rücksicht auf das fernere gute Fortkommen ihrer Zöglinge. Wo deutscher Sprachunterricht irgend von Nutzen ist —-in der ganzen Levante —: da wird er erteilt. Auch die deutsche Unterrichtssprache ist da, wo das Zöglingsmaterial es zuläßt, ohne weiteres eingeführt. Aber wir würden gewissenlos sein und töricht, wenn wir in persischen Schulen den deutschen Unterricht einführen wollten, wenn wir in den türkischen Schulen nicht die größere Aufmerksamkeit der französischen Sprache widmen wollten, die in der Türkei die zweite Staatssprache ist, deren Kenntnis unentbehrlich ist für jeden, der die Möglichkeit besseren wirtschaftlichen Fortkommens haben will. Die Alliance Israelite Universelle hat eine lange Erfahrung auf dem Gebiete des Schulwesens. Sie hat viele tastende Versuche machen müssen, ehe sie dahin gelangte, die unendlichen Schwierigkeiten zu überwinden, die sich ihr entgegenstellten. In drei Erdteilen unterhält sie Schulen, in denen sie an 45000 Schüler unterrichtet, nährt und kleidet. Für drei Erdteile muß sie Lehrer erziehen. Aus drei Erdteilen holt sie die künftigen Lehrer herbei, die sie dann in vielfach unkontrollierbare Fernen schickt. Diese Entfernungen sind nicht abzukürzen. Die Kontrolle wird immer mangelhaft sein müssen, und so bleibt als Ersatz nur, daß man die künftigen Lehrer wenigstens während der Erziehungsperiode unter Augen hat und genau beobachtet, damit man wisse, wie weit ihre Zuverlässigkeit gehe, damit man wenigstens für eine Reihe von Jahren die Sicherheit habe, daß nicht die erneuten Einflüsse des alten Milieus sich wieder in störender Weise geltend machen. Die Zeit ist noch nicht gekommen und wird noch lange nicht gekommen sein, für den Orient im Orient Lehrerseminare zu errichten. Jeder anderweite Versuch wird sich als vergeblich erweisen. Es ist selbstverständlich und bedarf keiner Betonung, daß wir es gern sehen würden, wenn die deutsche Sprache auch im Orient die Weltsprache würde, die heute noch die französische allein, ist. Aber für diese ferne Zukunft können wir unsere jüdischen Knaben im Osten-nicht erziehen. Wir müssen sie erziehen für die nächsten Jahre und für die Dauer ihres Lebens. Wir wollen nicht auf ihre Kosten, auf Kosten ihrer Zukunft Experimente machen, von denen wir wissen, daß sie nicht anders als mißglücken können. Es wäre ja wider alle Natur, wenn wir einer fremden Sprache den Vorzug vor unserer geben wollten. Auf eine Erörterung hierüber lassen wir uns nicht ein, die überlassen wir denen, die sich in ihrem Deutschtum nicht sicher fühlen. Den Engländern und insonderheit den englischen Juden wird man nicht zum Vorwurf machen, daß sie etwa ihr Engländertum zurückstellten und verleugneten. Der englische Zweig der Alliance Israelite Universelle, die Anglo-Jewish Association in connection with the Alliance Israelite Universelle, wie ihr voller Titel lautet, bietet neun Zehntel ihres Etats den Alliance-Schulen dar, und nur in ganz vereinzelten von diesen durch englisches Geld miterhaltenen Allianceschulen wird englisch gelehrt, Denn unsere englischen Glaub ensgenossen sind gleich uns der Meinung, wir hätten keine Sprachenpolitik zu treiben, sondern für unsere bedrängten Glaubensgenossen und ihr Fortkommen zu sorgen. Ägypten steht unter englischer Herrschaft, und doch ist dort die europäische Sprache die französische Sprache, und die jungen Leute, die ohne Kenntnis des Französischen nachÄgypten gehen wollten, würden dort üble Erfahrungen machen, würden Anstellungen kaum finden. Der Hilfsverein hatte in Jerusalem an die durch uns von je unterstützte Lämelschule eine Kommerzschule oder Kommerzklasse angegliedert. In dieser Kommerzklasse wurde die deutsche Unterrichtssprache eingeführt. Die deutsche Unterrichtssprache ist jetzt verschwunden, sie hat durch die französische Unterrichtssprache ersetzt werden müssen...... Im gegenwärtigen Jahr hat wieder Rumänien neben Rußland, dem Land unserer größten Schrecken, von sich reden gemacht. Eine Mißregierung hat dort die Bauern zur Empörung getrieben. Vor aller Welt Augen haben die Bojaren den Versuch gemacht, diese Empörung abzulenken auf unsere Glaubensgenossen, damit diese als Sühnopfer dienten, und damit der Öffentlichkeit vorgegaukelt werden könne, den Juden und nur den Juden habe der Aufstand gegolten. In Wirklichkeit sind die rumänischen Bauern fast genau so mißhandelt, wie die rumänischen Juden. Aber selbst die Empfindungslosigkeit der rumänischen Bauern hat eine Grenze, und daß sie erreicht war, zeigte der Aufstand, der sich nicht gegen die Juden ablenken ließ, so viel Propagatoren der Judenhetze auch auf öffentliche Kosten im Lande herumreisten. Der Aufstand brach da aus und wütete da am meisten, wo es Juden überhaupt nicht gab. Freilich waren jene Hetzapostel auch nicht ganz erfolglos tätig gewesen, und es hat beträchtliche Schädigungen gegeben. — Wir hatten gesehen, daß dies kommen würde. Die Alliance Israelite Universelle hatte sich auf Abwehr und Hilfe vorbereitet, hatte beizeiten mobil gemacht; und als das Unglück da war, da war auch schon die Hilfe der Alliance zur Stelle. Ihre Vertrauensmänner und ihre Beamten hatten in den meistbedrohten Orten und in den Grenzstädten die erforderlichen Vorkehrungen getroffen. Auch das war, wie alles, was die Alliance tut, in aller Stille und ohne Ruhmredigkeit geschehen. Sogar die Leitung des späteren Hilfswerks, das über den Tag hinaus zu sorgen hatte, war von der Alliance ohne weiteres dem geographisch näher liegenden Schwesterinstitut, der Israelitischen Allianz in Wien übertragen, ohne daß deswegen die Alliance mit ihren Mitteln zurückgehalten hätte. Nachdem sie die Tagesnot bekämpft, stellte sie mit der Israelitischen Allianz in Wrien die Hälfte allen Bedarfs zur Verfügung, ein Viertel leistete das vereinigte Englische Hilfs-Comite für die notleidenden osteuropäischen J uden, ein Sechstel der Hilfsverein, ein Zwölftel das Frankfurter Komitee für die osteuropäischen Juden. Daß die Jewish Colonisation Association, die durch Personalunion mit der Alliance Israelite Universelle verknüpft ist, die gesamten Kosten und die ganze Leitung der rumänischen Emigration übernimmt, auch für die Einrichtung von Kreditgenossenschaften in Rumänien ganz ebenso wie seit

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