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Ost und West · 1907-07-01 · Heft 7 (Juli 1907) · p. Seite 449 - 450

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 7 (Juli 1907)
Article
Eine Missetat
Date
1907-07-01
Page
Seite 449 - 450 (sequence 4)
Language
German
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449 D. Aismann: Eine Missetat. 450 „Verbrennen sollt Ihr. verfluchte Pfuscher! Kehlen haben sie." — Eine Reihe kräftiger Worte folgte. „Hol5 euch der Teufel. Also werft das Los." Hitzel warf seine Peitsche hin, ein anderer packte sie in der Mitte an, worauf alle, die fahren wollten, die Schnur mit dem Zeige- und Mittelfinger wie eine Schere umklammerten. Wessen Hand zu oberst lag, der hatte gewonnen. Lejser näherte sich ebenfalls der Gruppe, doch Hitzel stieß ihn mit der Faust vor die Brust. „He! Wohin kriechst du?" Das geschah Lejser immer, wenn die anderen das Los warfen, und das war einer der Gründe, warum er so selten Arbeit bekam. Er war schwächlich und überdies gutmütig, und die anderen wußten es wohl. Diesmal aber kam ihm „die Kundschaft" selber zu Hilfe. „Nein, er auch", befahl sie. „Der Rebbe! Zu allen Teufeln! Er hat ein krepiertes Pferd." „Nein, er soll auch." „Sein Pferd hat noch zu SalomonsTempel Steine geführt." „Wenn er nicht mittut, nehm5 ich niemand." Lützels merkwürdige Redeweise, sein Räubergesicht und seine originellen Bewegungen hatten die Frau erschreckt. Sie war überzeugt, daß er die Hälfte der Möbel stehlen und zerbrechen würde. Die anderen Fuhrleute kamen ihr auch nicht sehr vertrauenerweckend vor. Lejser war der einzige, der ihr wie ein Mensch vorkam, und sie hätte gerade ihn gern gehabt. „Ich will nichts wissen . . . er soll dabei sein5', erklärte sie bestimmt. Das ermutigte Lejser, und er näherte sich der Gruppe wieder, um die steifen Finger an die Schnur zu legen. Herrgott, tu5, daß ich oben bin, betete er unter Herzklopfen. — Hilf mir .... nicht für mich, für Schmilek. — Der Herrgott war Schmilek gnädig und Lojsers Gebet wurde erhört. Mit Genehmigung der Photographisclica Gesellschaft i NATHANIEL SICHEL Die Mädchen von Tanger. BERLIN.

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